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Arbeitswelten

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Bildung

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Grundschule

Wie bereiten wir die Jüngsten auf die Anforderungen vor, die die digitale Zukunft einmal an sie stellen wird?
 
Michaela May leitet eine Grundschule. Sie erklärt, wie die Lehrer an ihrer Schule digitale Medien einbindet und wie das Nebeneinander von Stift und Tablet, Lehrbuch und Tablet und Pause und Smartphone gelingt:

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"Wir haben schon in der ersten Klasse gelernt, wie man den Computer anschaltet und mit den Programmen arbeitet. Meine Freunde von anderen Schulen konnten das noch nicht."

"Das Arbeiten mit dem Computer macht total viel Spaß und ich mache auch die Übungen lieber."

"Es ist interessanter mit dem Computer zu arbeiten und auch die ganzen Programme kennenzulernen."

"Durch die unterschiedlichen Medienhilfsmittel lässt sich der Unterricht noch vielseitiger gestalten."

"Wir können Aufgaben im Team und auch alleine lösen."

"Wenn ich mal nicht wo mitkomme, dann kann ich einfach eine leichtere Aufgabe auswählen."

"Mir macht es am meisten Spaß, wenn wir Videos schauen."

"Ich finde es total cool, dass ich jetzt weiß, wie man Präsentationen macht. Mein Papa kann das nämlich nicht."

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Michaela Mays Grundschulte setzt zum Beispiel auf die Kindersuchmaschine "Frag Finn". Mit ihr erlernen die Kinder die Informationssuche und befinden sich dabei immer in einem sicheren Surfraum: Medienpädagogen überprüfen jede Seite, die in den Suchergebnissen auftauchen kann. So sehen die Schüler nur sichere, überprüfte Inhalte und lernen den Umgang mit digitalen Medien in einem geschützten Raum.

Lehrern wird der mediale Unterrichtsalltag von "Learning Apps" erleichtert. Mithilfe dieser Anwendung können sie zum Beispiel ganz einfach interaktive Quiz selbst erstellen.
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GESTERN/MORGEN
Digitaltechnologie und Medienbildung ist heute schon ein allgegenwärtiges Thema in Grundschulen.

Was sich gewandelt hat? Klicken Sie auf den "Gestern/Morgen"-Button und verschieben Sie den Regler!
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Weiterführende Schulen

Lehrer müssen heute soviel organisieren, kommunizieren, dokumentieren und verwalten, dass sie mit dem klassischen Klassenbuch nicht mehr weit kommen.

Am Gymnasium Veitshöchheim ist die Lernplattform MEBIS ein Schritt hin zur virtuellen Zusammenarbeit von Lehrern und Schülern ...
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MEBIS - Die Plattform für Schüler und Lehrer

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Lehrer und Schüler müssen im Schullaltag miteinander kommunizieren –– auch außerhalb der Schule. Dazu  MEBIS: Die Plattform funktioniert über das Internet und erfüllt drei Hauptfunktionen.

Die Mediathek beinhaltet vielfältige, urheberrechtlich geschützte Video- oder Bildmaterialien, sowie Texte die den Schülern im Netz zugänglich sind. Dieses Werkzeug unterstützt Schulkinder bei Referaten, Hausarbeiten oder Recherchen und ersetzt damit die herkömmliche Schulbibliothek.

Das virtuelle Klassenzimmer ist besonders für Lehrkräfte interessant: Hier werden Unterrichtsmaterialien oder Hausaufgaben hochgeladen und der gesamten Klasse Mitteilungen gesendet.

Abschließend ist der Prüfungsbereich das Werkzeug, welches die Leistungsüberprüfung auf die virtuelle Ebene hebt. Im Netz kann die Lehrkraft Übungen und Tests erstellen, deren Ergebnisse auswerten und so den Lernerfolg beobachten. Dies aber unverbindlich: aus Gründen des Datenschutzes ist eine angerechnete Prüfungsleistung derzeit nicht über die MEBIS-Plattform zulässig.

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Sarafina, 18 Jahre

"An MEBIS finde ich gut, dass man mit seinen Lehrern kommunizieren kann."

Kathrin, 18 Jahre

"Die Plattform ist gut für Übungen und Vorbereitungen auf Schulaufgaben."

Tim, 16 Jahre

"MEBIS ist ein guter Schritt in die richtige Richtung."

Alex Schubert, Lehrer

"Ich nutze MEBIS [...] vor allem für die Arbeit der Schüler zu Hause."

Dieter Brückner, Schulleiter

"Wenn MEBIS seine positive Entwicklung fortsetzt, wird es DAS Instrument sein können."

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Damit neue Konzepte und Technologien in den Schulen ankommen, sind Investitionen notwendig. Wichtigste Grundlage: Eine leistungfsähige digitale Infrastrutkur – ein belastbarer Internetzugang ist Grundvoraussetzung für die Schulen von morgen.
Denn nur wenn die neuen Lösungen zuverlässig sind, werden sie von den Lehrkräften im Schulalltag angenommen.

Schließlich bildet das Schlüsselelement die pädagogische Vorarbeit in Form von Medienerziehung und Fortbildungen. Sie wird mit Schülern und Lehrern gleichermaßen erfolgen müssen, um nachhaltig eine digitale Arbeitswelt in den Lehrstätten der Zukunft zu etablieren.
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Berufsbildung

Die Ausbildung erlebt seit Jahren einen Abschwung. Die Zahlen der Schulabsolventen, die sich – wenn auch „erst mal“ – für eine Ausbildung entscheiden, werden von Jahr zu Jahr kleiner. Dabei hat eine Berufsausbildung viel zu bieten: Praxiserfahrung vom ersten Tag an und begleitender Unterricht in der Berufsschule - bei dem man sich das theoretische Wissen aneignen kann. Dabei spielt die Digitalisierung oft eine wichtige Rolle.
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Insbesondere Handwerksbetriebe können die Digitalisierung für ihre Zwecke nutzen. Hier geht es darum, den Auszubildenden nicht nur die Inhalte im Bereich Digitalisierung näher zu bringen – zum Beispiel den Umgang mit einem 3D-Scanner – sondern auch die Methoden der Ausbildung den technischen Neuerungen anzupassen.
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"Beim Thema Digitalisierung drängt es sich ja förmlich auf in Netzwerken zusammenzuarbeiten" – Andrea Sitzmann

Lernplattformen, Software zur Prüfung von Lernerfolgen, Videos, Simulationen oder Massive Open Online Courses werden aber noch unterdurchschnittlich genutzt.
Tatsächlich messen Betriebe und Berufsschulen der Digitalisierung unterschiedliche Bedeutung bei.

Betriebe müssen dabei oft aufgrund ihrer Größe entscheiden, ob sie weitere Investitionen in die digitale Entwicklung leisten können und wollen. Bei den Berufsschulen ist es Aufgabe des Staates sie mit den nötigen Mitteln für einen Fortschritt in der Berufsbildung auszustatten.
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Die Digitalisierung hat in vielen Handwerksbetrieben heute schon Einzug gehalten. Sie bedeutet nicht nur großen Fortschritt, sondern erleichtert auch vielen Auszubildenden die Arbeit und das Lernen. Trotzdem dürfen die handwerklichen Fertigkeiten, die nach wie vor der wichtigste Teil der Ausbildung sind, nicht in den Hintergrund rücken.
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Lehrerbildung

Eine angehende Lehrerin vor einer vollen Klasse. Ein paar Schüler werden unruhig, einer schlägt seinen Nachbarn. Tatsächlich steht die Lehrerin in einem fensterlosen Raum – sie trägt eine VR-Brille, neben ihr steuert ein Bildungsexperte, wie sich die virtuellen Schüler verhalten und wie sie auf die Konfliktstrategie der Lehrerin reagieren.

Das Projekt ‘Breaking Bad Behavior‘ setzt Virtual-Reality-Technologien ein um Lehrer auf die Schulrealität vorzubereiten.


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‘Breaking Bad Behavior‘ zielt darauf ab angehende Lehrer und Lehrerinnen auf mögliche Szenarien in einer Schulklasse  vorzubereiten.

Zunächst setzt der Kursteilnehmer eine VR-Brille auf. Er taucht ins virtuelle Klassenzimmer und wird mit verschiedenen Stresssituationen konfrontiert. Die virtuellen Schüler besitzen ein breites Aktionssprektrum: Sie werden unruhig, sprechen mit ihren Nachbarn, pfeifen, tanzen ...

Ein anderer Kursteilnehmer kontrolliert vom Rechner aus, wie sich die virtuellen Schüler verhalten.
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Während des Seminars erlernen die Studierenden Strategien um auf verschiedene Unterrichtssituationen zu reagieren und müssen diese dann vor den Kursteilnehmern präsentieren.

Die Teilnehmer verfolgen am Bildschirm, wie der angehende Lehrer auf das Verhalten der virtuellen Schüler reagiert. Im Anschluss reflektieren die Studierenden, ob sich der Kommilitone richtig verhalten hat und welche Alternativlösungen es gibt.

Ein Unterschied zum Praktikum in einer Schule: Ein ganzer Kurs kann das Vorgehen der Lehramtsstudierenden beobachten und sofort diskutieren.
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2016 wurde die Idee ins Leben gerufen und ist seitdem weltweit einmalig.

"Wir haben ins technische Equipment investiert, aber natürlich sind wir nicht vergleichbar mit ‘EA Games‘ oder ‘Ubisoft‘", meint  Seufert zu den Herausforderungen des Projekts. VR-Simulationen sind aufwendig, wie ein modernes Videospiel sieht das virtuelle Klassenzimmer nicht aus – aber die Virtuelle Realität hilft den angehenden Lehrern ins Klassenzimmer einzutauchen.

Die Studenten von ‘Human Computer Interaction‘ entwickelten die wichtigsten Komponenten selbstständig: Das Klassenzimmer, die Avatare und das Verhalten der virtuellen Schüler.
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Aufmerksam/Außer Kontrolle
Mit einem Klick wird eine ruhige Klasse in der Virtuellen Realität zur unkontrollierbaren Meute.

Sehen Sie mit einem Klick auf "Aufmerksam/Außer Kontrolle" wie sich die virtuellen Schüler verhalten.
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Die Technologien, die die Arbeitswelten der Zukunft prägen werden, nehmen oft an Hochschulen ihren Ursprung. Wissenschaftler aller Fachrichtungen setzen sich in Forschung und Lehre mit den Themen von morgen auseinander.

Für Studierende bedeutet Digitalisierung nicht nur digitales Lernen und die Auseinandersetzung mit neuen Technologien in ihrem Studienfeld. Auch das Lernen selbst verändert sich – über Techniken wie E-Learning hinaus.
Für Prof. Dr. Phuoc Tran-Gia, Vizepräsident der Universität Würzburg, hat die Digitalisierung für Hochschulen viele Facetten:
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Die Digitalisierung der Informationen führte in den vergangenen Jahren zu einer massiven Veränderung des Lehrens und Lernens. Während früher mit Büchern gelernt und an Wandtafeln gelehrt wurde, findet man heute alle relevanten Bücher im Online-Katalog der Bibliotheken, auch Skripte sind selbstverständlich online.
‘Massive Open Online Courses‘ gehen einen Schritt weiter. Sie bieten Nutzern die Möglichkeit, von überall aus auf Lerninhalte zuzugreifen und sich genau dann mit dem Lehrstoff auseinander zu setzen, wenn man es möchte.

Wie genau mit diesen Veränderungen umgegangen werden soll, ist noch unklar. Werden Bibliotheken überflüssig? Gehen die Studenten dann überhaupt noch in die Uni? Und wie kommt das alles bei den Betroffenen an?
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Jan-Phillip Kaiser (20)

"Mit Hilfe von Videoaufzeichnungen der Wirtschaftsinformatik und Logistik Vorlesungen konnte ich mich ideal auf die Klausuren vorbereiten und gezielt Themenschwerpunkte wiederholen."

Simon Hoferer (22)

"Durch interaktive Online-Kurse lernt man auch neue Formen des Wissenstransfers und den Umgang mit dem Lehrstoff kennen. Das alles geschieht bequem von zu Hause."

Moritz Uttscheid (22)

"Die Möglichkeit immer und überall auf seinen Lernstoff zugreifen zu können, macht vieles einfacher. Allerdings war es gerade am Anfang des Studiums noch schwierig, sich zurecht zu finden."

Franziska Mühlich (20)

"Anders als in der Schule geschehen hier alle organisatorischen Dinge, wie Kurs- oder Prüfungsanmeldungen, aber auch Stoffbereitstellungen, online."

Manuela Deingruber (20)

"Es ist immer wieder erfrischend und abwechslungsreich, wenn der Dozent vom Standardschema abweicht und die Studenten in die Vorlesung einbezieht."

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All diese Namen lassen sich auf die Grundidee des Vertauschens von Lehr- und Übungsort zurückführen.

Die Studenten erarbeiten sich außerhalb der Uni und vor der Lehrveranstaltung das nötige Fachwissen, das dann zusammen mit dem Dozenten im Hörsaal angewendet wird. Dieser steht nicht länger nur am Rednerpult, sondern ist zwischen den Reihen bei den Studenten zu finden.
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Im Vordergrund steht das Lernen durch Praxis. Die Wissensaneignung geschieht durch Lehrvideos, Arbeitsblätter oder Literaturhinweise, verfügbar im Internet. So wird den Studierenden die Möglichkeit gegeben den Lernprozess selbstständiger zu steuern. Dies betrifft das Lerntempo, aber auch die Chance die eigenen Lernfortschritte besser kontrollieren zu können.
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Dozenten müssen für den Inverted Classroom umdenken: Ihre ursprüngliche Kernaufgabe, die reine Wissensvermittlung, übernehmen die Studierenden auf einmal selbst. Stattdessen sind sie als Begleiter bei der Anwendung von Wissen und Fähigkeiten gefragt. Das Verständnis von der eigenen Aufgabe muss überdacht werden – und der Aufwand in der Vorbereitung kann höher ausfallen als in der klassischen Lehre.
Birgt der Inverted Classroom für die Lehrenden überhaupt Vorteile?

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Prof. Bofinger

Blockchain – kaum eine andere Technologie stand in den vergangenen Monaten so sehr im Fokus. Tatsächlich könnte sich die Volkswirtschaftslehre enorm wandeln, wenn sich sogenannte Kryptowährungen wie zum Beispiel Bitcoin oder Ethereum weiter verbreiten.

Prof. Dr. Peter Bofinger leitet an der Wirtschaftswissen-schaftlichen Fakultät den Lehrstuhl für VWL, Geld und internationale Wirtschaftsbeziehungen. Er forscht zum Europäischen Währungssystem, aber auch zu Themen wie Einkommensverteilung und Agenda 2010. Als einer der fünf Wirtschaftsweisen berät er die Bundesregierung in wirtschaftspolitischen Fragen.

Lehre bedeutet für ihn nicht nur Vorlesungen halten: Mit seinen „Grundzügen der Volkswirtschaftslehre“ hat er ein Grund-lagenwerk geschaffen, dass Studierenden einen modernen Einstieg in die Ökonomie eröffnet. In wissenschaftlichen Veröffentlichungen setzt sich Professor Bofinger damit auseinander, wie sich die Lehre nach der Finanzkrise wandeln muss.

Welche Fragen wirft die Digitalisierung also beim Geld auf?
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In Zukunft könnte sich Geld und unser Umgang damit also extrem wandeln, wenn es etwa gar kein Bargeld mehr gibt, oder Kryptowährungen sich weiter verbreiten. Kryptowährungen wie Bitcoin werden dezentral geschaffen und verwahrt. Wenn diese Währungen tatsächlich als Zahlungs- oder Anlagemittel an Bedeutung gewinnen, stellen sich neue Fragen: Verschiedene Währungen treten zueinander in Konkurrenz, die Rollen von Zentral- und Geschäftsbanken könnten sich wandeln.

Doch nicht nur unser Zahlungsverkehr wird sich mit der Digitalisierung ändern. Spannend wird vor allem sein, welche Entwicklungen sie auf dem Arbeitsmarkt anstößt.

Droht Arbeitnehmern der Jobverlust, wenn sich viele Tätigkeiten automatisieren lassen? Was, wenn ein Roboter den Fabrikarbeiter ersetzt?

Alles nur Dystopie? Aufgabe der VWL ist es auch hierzu realitätsnahe Prognosen zu entwerfen.
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Wer in Professor Bofingers Vorlesung sitzt, kennt das Bild: Der Professor setzt an seinem Tablet an, um einen Graphen in ein Diagramm zu setzen, am Beamer verfolgen die Studierenden die Darstellung mit. Der Einsatz moderner Medien in der Lehre ist für Professor Bofinger selbstverständlich. Seit einiger Zeit ist Professor Bofinger auch auf Twitter aktiv. Er mischt sich dort in Debatten ein und nutzt das Tool zum akademischen Austausch: "Ich erlebe dort größtenteils sehr sachliche Diskussionen."

Zu seinen Followern zählen neben anderen Ökonomen auch Studierende und Medienschaffende. Lehre und akademischer Diskurs finden immer stärker über soziale Netzwerke statt.
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Seit 26 Jahren lehrt Professor Bofinger bereits an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Würzburg. Über die Jahre hat sich die Lehre gewandelt. Diesen Wandel treibt Professor Bofinger selbst voran: Studierende beantworten während seiner Veranstaltungen Multiple-Choice-Fragen an ihren Smartphones oder Rechnern. Professor Bofinger kann so direkt sehen, wie gut der Stoff schon angekommen ist und sofort seine Vorlesung anpassen.

So verwischt er die Grenze zwischen Präsenzveranstaltung und digitalem Lernen und Lehren: Große Veranstaltungen werden in mehrere Hörsäle gestreamt, per App oder im Browser können die Studierenden Fragen stellen, selbst wenn Sie die Vorlesung von einem anderen Raum aus mitverfolgen. Professor Bofinger sieht die Fragen in Echtzeit auf seinem Tablet und kann sofort reagieren.

Wie fällt sein Zukunftsausblick aus? Wie sieht eine Vorlesung in 20 Jahren aus?

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Prof. Dauth

Die Digitalisierung hilft, immer größere Datenmengen immer besser zu verarbeiten. Forschern eröffnen sich so neue Möglichkeiten, ökonomische Zusammenhänge zu erforschen.

Dr. Wolfgang Dauth ist Professor für Empirische Regional- und Außenhandelsforschung. Er profitiert in seiner Forschung vom Datenreichtum, den die Digitalisierung bringt. Er untersucht, welchen Einfluss internationaler Handel und technologischer Wandel auf den deutschen Arbeitsmarkt haben. Außerdem setzt er sich mit regionalen Arbeitsmärkten und der Bedeutung des Pendelns auseinander.

Technologien wie Künstliche Intelligenz helfen bei der Analyse von ökonomischen Daten. Professor Dauth über die Angst, dass Künstliche Intelligenz Volkswirte ersetzt:
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Große Datenmengen helfen Professor Dauth zum Beispiel der Frage nachzugehen, für wie viel mehr Lohn ein Arbeitnehmer bereit ist, eine weitere Strecke zur Arbeit zu pendeln. Alltagsnahe Fragen, die auch eine politische Implikation haben, etwa wenn es um die Pendlerpauschale geht.
In früheren Studien wird der Begriff „Pendeln“ häufig als Wegstrecke zwischen zwei unterschiedlichen Gemeinden definiert. So entstehen Ungenauigkeiten – wer eine Stunde ans andere Ende einer Metropole fährt, wäre in der Untersuchung kein Pendler, wer zehn Minuten aus einem Vorort in die große Gemeinde zur Arbeit radelt, hingegen schon. Mit dem Zugriff auf detaillierte Daten berechnet Professor Dauth hingegen metergenau, welche Distanzen Millionen Pendler zurücklegen und kann so genaue Aussagen treffen.

Wenn er dafür neue Methoden einsetzt, profitieren auch die Studierenden: Sie lernen in seinen Veranstaltungen genau die Instrumente kennen, die die Forschung aktuell einsetzt.
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Im Bachelor wenden seine Studierenden ökonometrische Analysegrundlagen mit Statistiksoftware wie STATA an, um zu lernen, ökonomische Kausalitäten zu ergründen. Auch im Master setzt Professor Dauth auf ein digitales Instrumentarium, hier arbeiten die Studierenden nah an aktuellen Fragen der Regional- und Außenhandelsforschung.

Professor Dauth profitiert in seiner Forschung von neuen digitalen Methoden – und weiß aus der Empirie, dass sich auch die Anforderungen an Uni-Absolventen wandeln. Seine Lehre richtet er an diesen neuen Anforderungen aus:
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In der Forschung setzt Professor Dauth auf Digitalisierung, wenn er große Datenmengen zum Sprechen bringen möchte. Für ihn ist klar, dass auch die Lehre digitaler wird.

Wie könnte also eine Vorlesung in 20 Jahren aussehen, Professor Dauth?
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Prof. Flath

Daten führen zu Wissen. Im digitalen Zeitalter sind sie der wahrscheinlich wichtigste Rohstoff.

Prof. Dr. Christoph Flath leitet den Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Informationsmanagement. Gemeinsam mit seinem Team forscht er vor allem in drei Gebieten: Industrie, Digitaler Handel und smarte Städte. Die Energiewende und Smarte Energienetze sind damit für Professor Flath genauso Thema wie etwa die Vorhersage von zukünftigen Modetrends auf Basis der Bildanalyse – wo immer mit großen Datenmengen Entscheidungen besser getroffen werden können, sieht sein Lehrstuhl Potential für Projekte.

Professor Flath ist kein Getriebener der Digitalisierung, er gestaltet sie. Gerade in seiner Disziplin liegt die Annahme nahe, dass Hörsäle schon in wenigen Jahren überflüssig werden könnten. Studieninhalte lassen sich schließlich auch digital vermitteln. Löst das Internet die Uni ab?
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Nicht nur die Vorlesungen werden digitaler.
Im Informationsmanagement und der Wirtschaftsinformatik stellt sich schon heute die Frage: Wie sehen geeignete Prüfungen aus?

Naheliegend wäre es, wenn die Studierenden Aufgaben am Rechner lösen. Aber geht es dann noch gerecht zu?

Neue Prüfungsformate müssen entwickelt werden.
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Weniger auswendig lernen, mehr zum Transfer motivieren – dahingehend sollte sich die Lehre ändern, sagt Professor Flath. Wie praktisch Transfer aussehen kann, zeigt sich zum Beispiel, wenn Professor Flath in einer Gründerwerkstatt beim 24-Stunden-Big-Data-Hackathon in der Jury sitzt: Einen Tag haben die Teilnehmer Zeit, Problemlösungen zu finden, indem sie riesige Datenmengen aus dem Netz sammeln und auswerten.

Information und Wissen ist heute nahezu immer und überall verfügbar. Wir brauchen keine Bücher mehr aufschlagen. Es genügt eine Suche im Browser oder gar via Sprachassistenten, wie Siri und Alexa.

Dadurch ändern sich auch die Anforderungen an die Absolventinnen und Absolventen.
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Es liegt im Wesen der Wirtschaftsinformatik, dass sie sich immer wieder den technologischen Trends anpasst.

Big Data, künstliche Intelligenz – der Lehrstuhl von Professor Flath versucht diese Themen praktisch zu erforschen, zum Beispiel im Rahmen eines Projektes mit dem Fashion-Unternehmen s.Oliver: Im Digital Retail Lab haben sich verschiedene Akteure aus Forschung und Wirtschaft zusammengeschlossen, um den digitalen Mode-Einzelhandeln weiterzuentwickeln. Professor Flath und seine Projektpartner konzentrieren sich dabei auf drei Themengebiete: Sie analysieren Daten entlang der gesamten Wertschöpfungskette, entwickeln Service-Innovationen für das Omni-Channel-Retailing und setzen auf das Internet of Things, um das Modegeschäft der Zukunft zu entwickeln.

Denn fest steht: Praxis bedingt Forschung – und Forschung bedingt auch immer Lehre. Wie also sieht sie aus, die typische Vorlesung in 20 Jahren?
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Prof. Pipernik

In kaum einer anderen wirtschaftlichen Disziplin wird der digitale Wandel so deutlich wie in der Logistik.

Warenströme werden bereits heute nahezu vollständig digital abgebildet und Unternehmen verfügen über immer größere Mengen an Daten über Kunden, ihre Präferenzen und ihr Bestellverhalten. Bessere Prognosen, schlauere und selbstlernende Planungssysteme auf der Basis von „Big Data“ und eine zunehmende Automatisierung von Transport und Lagerhaltung werden die Logistik fundamental verändern.  

Prof. Dr. Richard Pibernik leitet den Lehrstuhl für Logistik und Quantitative Methoden in der BWL. Digitale Lösungen spielen nicht nur in seiner Forschung eine Rolle – er setzt konsequent auf E- und Online-Learning.
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Frontalvorlesung – Professor Pibernik reicht das nicht. Er setzt in der Lehre bewusst auf Digitalisierung. Für fast alle Lehrveranstaltungen haben er und sein Team E-Learning-Module entwickelt, die sie schon heute erfolgreich einsetzen.

Standardisiertes Wissen könne man gut in Webinaren vermitteln, meint Pibernik – in der Lehre bleibe so noch mehr Zeit für individuelle Betreuung.

Pibernik versteht sich vor allem auch als Mentor. 
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Logistik vermitteln, das geht nur praxisnah, ist sich Professor Pibernik sicher.

Aktuell kooperiert ein studentisches Team zum Beispiel mit va-Q-tec. Das Unternehmen aus Würzburg bietet unter anderem intelligente temperaturkontrollierte Container an, die ins-besondere beim Transport von Medikamenten zum Einsatz kommen. Beim Einsatz dieser „Smart Container“ fallen riesige Datenmengen an, z.B. Profile von Innen- und Außentemperatur während des Transports, Wartzeiten im Zoll, Wartungsdaten. Gepaart mit umfangreichen Daten über die Kunden und ihr Nutzungsverhalten entstehen ganz neue Möglichkeiten für ein globales Containermanagement.
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Auch in anderen Bereichen findet Professor Piberniks Lehrstuhl Lösungen für die Logistik-Praxis: Im globalen Netzwerk der Lufthansa Technik Logistik Services GmbH (LTLS) werden täglich mehrere Tausend Flugzeugersatzteile – von der kleinsten Schraube bis zum Triebwerk – bewegt. Mengenschwankungen und immer kürzere Durchlaufzeiten machen die Planung und Steuerung dieser Materialströme zu einer schwierigen, aber umso wichtigeren Aufgabe.

Das konkrete Ziel des Projektes von LTLS und Forschern aus dem Team von Professor Pibernik war die Verbesserung der Personalplanung im zentralen Wareneingang in Hamburg mit Hilfe der Daten zu den Materialbewegungen. Hierbei wurden Machine-Learning-Verfahren eingesetzt, um aus den gegebenen Daten Prognosen oder direkte Entscheidungsvorschläge zu ermitteln. „Machine Learning gibt uns die Möglichkeit, verschiedene potentiell einflussreiche Faktoren miteinzubeziehen, und die Zusammenhänge mit den Materialflüssen aus den vorhandenen Datenmengen zu lernen“, erklärt Pibernik.
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Möglichst praxisnah Antworten auf die digitalen Heraus-forderungen der Gegenwart finden. Professor Pibernik hat für sich das richtige Maß aus Lehre, Forschung und Praxis gefunden.

Wie aber sieht denn nun die typische Vorlesung in 20 Jahren aus?
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Prof. Winkelmann

Dass sich ein vergleichsweise junges Fach, wie die Wirtschafts-informatik, im permanenten Wandel befindet, wirkt wenig verwunderlich.

Prof. Dr. Axel Winkelmann leitet an der Universität Würzburg den Lehrstuhl für BWL und Wirtschaftsinformatik. Der Forschungsschwerpunkt des Lehrstuhls liegt insbesondere in der konzeptionellen Gestaltung von betriebswirtschaftlicher Software. Ziel ist es, dynamischen Veränderungen der Real-Welt durch Implementierung und Adaption von betriebs-wirtschaftlichen Informationssystemen gerecht werden zu können, um so das Zusammenspiel von Geschäfts- und IT-Strategien zu verbessern. Neben den Forschungsmethoden des „Design Science Research“ (Modellierung, Prototyping) arbeitet Professor Winkelmann mit empirischen und mathematisch-formalen Forschungsmethoden.

Er sagt: Die Herausforderungen haben sich geändert. Absolventinnen und Absolventen müssten zukünftig breiter aufgestellt sein als noch vor einigen Jahren.
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Die Lehre, so prophezeit auch Professor Winkelmann, wird in den kommenden Jahren interaktiver werden. An seinem Lehrstuhl ist sie es jetzt schon: Er betreibt das größte Enterprise-Research-Planning-Labor Deutschlands. Unter dem Begriff Enterprise Resource Planning wird die Planung und Steuerung der Ressourcen eines Unternehmens verstanden. Neben den klassischen Unternehmensressourcen Boden (Grundstücke / Anlagen), Arbeit (Personalkapazität) und Kapital (Finanzmittel), kommt vor allem dem Management der Ressource „Information“ eine wichtige Bedeutung zu.

In verschiedenen Veranstaltungen arbeiten Studierende mit der Software des Labors, in Forschungsprojekten hilft es Professor Winkelmann gezielte Analysen innerhalb der verschiedenen Labor-Systeme durchzuführen.  

Digitale Lehre heißt auch mehr Raum für Übungen, multimedialere Vorlesungen, Webinare, mehr Interaktion zwischen Dozierenden und Studierenden.

Bedeuten Online-Kurse allerdings auch, dass die Hochschulen bald überflüssig werden?
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2016 hat Professor Winkelmann einen Audio-Podcast gestartet. Er will damit eine breite Wissenscommunity erreichen. Der ERP-Podcast ist der größte deutschsprachige Podcast für Unternehmenssoftware. Darin beleuchtet er aktuelle ERP-Themen und trägt damit Themen aus seiner Forschung an die Öffentlichkeit. Ein Beispiel für eines seiner ERP-Projekte ist DeepScan: Durch die kontinuierliche Speicherung sämtlicher Geschäftsvorfälle in den ERP-Systemen werden tagtäglich sehr große Datenmengen innerhalb eines Unternehmens erzeugt und verändert. Was aber, wenn diese Systeme angegriffen und manipuliert werden? Noch ist es nicht möglich, solche Angriffe in Echtzeit zu erkennen – deshalb arbeiten Professor Winkelmann und sein Team daran, solche Angriffe erkennbar zu machen. Dabei haben sie sich dem Ziel verschrieben, dass ihre Lösung höchsten Datenschutzansprüchen genügt.

Den Podcast moderiert und produziert Professor Winkelmann selbst. Er erzählt aus eigenen Projekten oder interviewt prominente Gesichter aus dem Umfeld der Unternehmens-software. Nutzer können seinen Kanal auf iTunes oder Spotify abonnieren.

Sind Podcasts eine geeignete Plattform für den Wissenstransfer der Zukunft?
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Podcasts, E-Learning, multimediale Inhalte.

Gleichzeitig ein Fach, das sich durch Themen wie Big Data, Künstliche Intelligenz, Robotik und Automatisierung in einem enormen Wandel befindet.

Wie sieht die Lehre in 20 Jahren also konkret aus?
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Berufe

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Fahrlehrer

Florian Ramackers ist Fahrschullehrer und Inhaber einer Würzburger Fahrschule. Der digitale Wandel in der Automobilbranche bringt auch Folgen für seinen Beruf als Fahrlehrer mit sich.

Der Beruf, der vom Zwischenmenschlichen lebt, muss sich wandeln.
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Das Heck des schwarzen Audi gleitet rückwärts in die Parklücke am Straßenrand. Florian Ramackers öffnet die Beifahrertür seelenruhig und schaut Richtung Bordstein: „Ich bin ja sowas von begeistert. Aber ich glaube, das war nur Glück. Wir probieren es gleich nochmal“, neckt er Richtung Fahrersitz. Die 17-jährige Marina Rupp fährt die nächste Parklücke in der engen Nebenstraße an und parkt mit einem Zug ein; der Abstand zum Bordstein diesmal ein wenig größer. Marina hadert mit sich, Ramackers spricht ihr gut zu: „Ich habe erst kürzlich mal das Auto abgewürgt. Das passiert selbst einem Fahrlehrer. Wir sind doch alle nur Menschen“, lacht er sie an. Noch zweimal lässt er das Prozedere wiederholen – dann ist er restlos überzeugt. Die beiden boxen die Fäuste aneinander, Ramackers lächelt zufrieden.

„Ich bin in diese Schiene reingedrückt worden und per Zufall noch mit reingeflutscht“, bringt der gebürtige Würzburger seine Laufbahn locker auf den Punkt. Die begann mit 17 bei der Bundeswehr. „Irgendwann hatte ich aber keine Lust mehr im Wald zu liegen und Soldat zu spielen“, erzählt Ramackers. Durch Zufall kam er zur Bundeswehr-Fahrschule, wo er den Beruf lieben lernte. Nach zwölf Jahren Bundeswehr und einer anstehenden Versetzung nach Bremen war dann Schluss – auch seiner Familie zuliebe. Stattdessen zog es ihn nach Euerfeld, ein 500-Seelen-Nest nahe Dettelbach: „Ich bin ein absolutes Dorfkind und fühle mich nur dort wohl.“ Dem Fahrlehrerberuf blieb er auch nach seiner Bundeswehrzeit treu, die Selbstständigkeit stets im Auge. 2014 war es dann soweit: Ramackers übernahm die Fahrschule Witzke. Nur drei Jahre später wurde mit der nächsten Übernahme daraus die Fahrschule Kwiotek-Witzke.
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Marina bremst vor einer roten Ampel ab, die Drehzahl fällt in den Keller. „Halten heißt Schalten“, sagt Ramackers. Er hat für jede Situation eine Auswahl passender Sprüche: „Glotzböbbele nach hinten“ oder „Augen dorthin, wo die Gefahr ist“, heißt es etwa beim Rückwärtsfahren – mit leicht fränkischer und humorvoller Note. Auch der Rest des 36-jährigen ist wie seine Sprüche: Tiefenentspannt und humorvoll. Die Lockerheit vermittelt er von seinem warmen Lächeln, bis zu den hellen Sneakers. „Er verstellt sich nicht und trägt das Herz auf der Zunge“, sagt sein Mitarbeiter Ingo Eckermann über ihn. Mit seiner ruhigen Art gibt er auch Marina die nötige Sicherheit. „Es gehört zu meinen Aufgaben die Schüler runterzubringen. Das Pädagogische ist ein wichtiger Teil meiner Arbeit.“ Die Abwechslung im Job und seine Fahrschüler, das begeistert Ramackers für den Beruf: „Dieses Menschliche, das ist einfach der Hammer.“

Bei ungeduldigen Eltern wird sein Ton dagegen schärfer: „Manche üben Druck auf ihr Kind aus, weil es zu teuer wird. Dass es um die Sicherheit ihres Kindes geht – das sehen sie dann nicht.“ Ramackers weiß von seiner Zeit bei der Bundeswehr-Fahrschule selbst, wie schnell man unter Druck verkrampft: „Da wurde oft gleich herumgebrüllt. Ich hatte richtige Angst vor den Fahrstunden, obwohl ich alles beherrschte. Da habe ich mir geschworen, nie so zu werden.“ Diesem Credo folgt er bis heute. Obwohl der Arbeitsmarkt nicht viel Nachwuchs bringt, achtet Ramackers sehr auf die Auswahl seiner Angestellten: „Ich möchte emotionale Fahrlehrer, die auf die Leute eingehen. Solche, die das Beste für den Fahrschüler wollen und auch herzlich sind.“ Einen guten Fahrlehrer zeichne vor allem das Einfühlvermögen aus. „Er muss die Schwächen schnell aufstöbern und genau dort ansetzen. In den Kopf des Fahrschülers kann ich zwar nicht reinschauen, aber ich erkenne Ängste am Verhalten.“
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Eigenschaften, die eine Maschine nicht mitbringt. In der Fahrschule Kwiotek-Witzke steht dennoch ein Fahrsimulator. Ein bequemer Schalensitz, drei Pedale, ein Sportlenkrad mit Blinkhebel; Rechts ein Schaltknüppel, links Lichtdrehschalten, Zündung und elektronische Feststellbremse. Was die Ausstattung angeht steht der Simulator dem Fahrschulauto in nichts nach.

Wo der Blick jedoch für gewöhnlich auf die Straße geht, schaut man hier auf drei Bildschirme. „Bremse, drück die Kupplung und starte den Motor“, bittet eine sanfte Männerstimme. Der Motor springt mit einem leisen Brummen an. Die Fahrt geht los – durch die virtuelle Altstadt, links und rechts parkende Autos und pixelige Fachwerkhäuser. „Du fährst zu weit rechts – und wo war der Blinker?“, mahnt die Stimme. Eine Kamera über dem mittleren Bildschirm prüft den Schulterblick. „Vergiss das Hochschalten nicht!“, tönt die nächste Warnung.
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Der Simulator war schon in der Fahrschule, als Ramackers sie 2017 übernahm. Zunächst wollte er ihn wieder abschaffen, inzwischen ist er froh über die digitale Unterstützung: „Wir haben Fahrlehrermangel ohne Ende. Der Simulator ersetzt mir zumindest teilweise einen Fahrlehrer für die ersten Fahrstunden. Wenn die Schüler dann ins richtige Auto steigen sind sie schon viel weiter. Das merkt man ganz extrem.“

Dem autonomen Fahren steht der Fahrlehrer skeptischer gegenüber, sieht aber auch neue Möglichkeiten für seinen Beruf: „Der Mensch muss trotzdem wissen, wie er im Notfall eingreift. Dazu braucht es Schulungen und Prüfungen.“ Bis es soweit sei, wird es in Deutschland aber noch ewig dauern, ist sich Ramackers sicher.
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Die Digitalisierung hilft ihm jedoch schon heute. Prüfungsfragen können die Schüler per App üben, die Auswertung kommt in die Cloud. Der Fahrlehrer erhält bei den fehleranfälligsten Fragen einen Hinweis – und kann maßgeschneidert auf die Probleme seiner Schützlinge eingehen. In der ‘Drivers Cam App‘ sehen seine Fahrschüler kritische Verkehrspunkte Würzburgs im Video. Dabei wird kommentiert, worauf etwa bei vielbefahrenen Kreuzungen zu achten ist.

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Im Praxisunterricht geht das auch ohne App – ganz menschlich. Der schwarze Audi stoppt an einer Ampel. „Halten heißt?“ – „Schalten“, erwidert Marina und legt den ersten Gang ein. Ramackers nickt zufrieden. Dann geht es auf die B27 Richtung Veitshöchheim. „Immer schön auf die Anderen achten. Wir sind schließlich die Guten“, scherzt Ramackers. Seine Faust geht siegessicher nach oben, Marina lacht.

Nach wenigen Minuten hat sie es bis vor die eigene Haustür geschafft. Ramackers lobt ihre ruhige Fahrweise, spricht ihr Mut zu; und zückt sein Smartphone. Marina darf auf dem Display für die Fahrstunde unterschreiben. Auch das geht inzwischen digital: „Die Sprache der Jugend ist nun einmal digital. Also müssen wir uns mit verändern.“
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Journalist

Stephan Maderner ist Journalist geworden, als der Beruf noch richtiges Handwerk war. Heute ist er als Chefredakteur der Fachzeitschrift bike und business längst im digitalen Zeitalter angekommen. Beim Würzburger Medienhaus Vogel Communications Group geht der Motorradreporter seiner Leidenschaft nach.
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Der Motor schnurrt, und Stephan Maderner fällt wieder ein, warum er seinen Beruf über alles liebt. Sein schwarz-weißes Lederoutfit sitzt perfekt, mit links schließt er das Visier seines weiß-silbernen Helms, mit rechts gibt er Gas. „Das ist Freiheit auf zwei Rädern in Reinkultur“, schwärmt der 54-Jährige, während die Testmaschine sanft dahingleitet. Er fährt eine mattschwarze Royal Enfield Himalayan, 411 Kubik, 25 PS, 185 Kilogramm leicht, Motorrad pur. Das Bike kommt rasch aus dem Drehzahlkeller und beschleunigt auf 90 Stundenkilometer – das reicht, um auf der Landstraße geschmeidig voranzukommen, die Gänseblümchen am Straßenrand zu zählen und den frischen Duft der Natur in der Nase zu riechen. „Journalismus bedeutet vor allem Leidenschaft“, sagt Stephan Maderner. Wenn das stimmt, dann ist er ein großer Journalist.

bike und business heißt Maderners Berufung. Seit mittlerweile fünfzehn Jahren schreibt er beim Würzburger Fachmedienhaus Vogel Communications Group als Chefredakteur für das reichweitenstärkste Fachmagazin der Zweiradbranche. Seinen mehr als 10 000 Lesern berichtet Maderner regelmäßig über neue Motorräder und darüber, wie die Digitalisierung den Zweiradhandel verändert. Bis zu 12 000 Kilometer pro Jahr verbringt der Fachjournalist im Sattel von Motorrädern, 600 verschiedene Modelle hat er bereits unter dem Hintern gehabt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, auch für ihn persönlich: Auf der Titelseite seines Magazins, das sechsmal im Jahr erscheint, prangt ein Logo, die Zeichnung eines Mannes mit kantigen Gesichtszügen, kurzen Haaren und Motorradjacke – es ist er selbst, die Marke Maderner, Mister Motorrad, wie ihn seine Kollegen bisweilen nennen.


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Die Marke Maderner hat klein angefangen. Mit Stolz in der Stimme erzählt der gebürtige Baden-Württemberger von seinem ersten selbst verfassten Zeitungsartikel im Alter von 17, ein Kommentar über eine Müll-Sammelaktion der Dorfjugend in seinem Heimatort Krautheim. Der Artikel erschien später im Lokalteil der Hohenloher Zeitung, es war das Jahr 1981, eine Zeit, in der der Journalismus „noch so richtig Handwerk war“, wie der wohnhafte Würzburger heute sagt. An Computer und Internet war damals freilich nicht zu denken. Stattdessen musste die gute alte Schreibmaschine herhalten, eine Adler Gabriele, die er von seinen Eltern geschenkt bekommen hatte. „Du saßt vor einem leeren Blatt Papier, hast deinen Text abgetippt und ihn anschließend in die Setzerei gegeben“, erinnert er sich mit einem Schmunzeln.


Doch so umständlich die Arbeit damals war – Maderner merkte schnell: Der Journalismus ist sein Ding. Das Schreiben, der kreative Umgang mit der deutschen Sprache und der ständige Kontakt zu den unterschiedlichsten Personen hätten ihm schon immer Spaß gemacht, erzählt er. So absolvierte er nach dem Abitur ein Volontariat beim E. Albrecht Verlag in Gräfelfing bei München und arbeitete dort anschließend einige Jahre als Jungredakteur. 1987, im Alter von 23, entschied sich Maderner, an der Isar Politikwissenschaft mit Schwerpunkt VWL zu studieren. Als er Anfang der 90er-Jahre damit fertig war, folgte die Blütezeit des Journalismus: Maderner erhielt zunächst eine Stelle als Wirtschaftsredakteur beim Rheinischen Merkur in Bonn. 1995 wechselte er zum Deutschen Fachverlag nach Frankfurt, wo er für die TextilWirtschaft schrieb und zum stellvertretenden Ressortleiter aufstieg.
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Wenn Maderner heute über diese Zeit nachdenkt, dann tut er das besonnen, aber ohne Wehmut. Der 54-Jährige ist keiner, der den guten alten Zeiten nachtrauert, sondern einer, dessen Blick stets nach vorne gerichtet ist. Und jemand, der schon immer Karriere machen wollte: Als er im Jahr 2000 die Chance erhielt, beim Würzburger Vogel Verlag als Ressortleiter einzusteigen, musste er nicht zweimal überlegen: „Ich war schon immer jemand, der die Herausforderung gesucht hat.“ Und es kam noch besser: 2003 entschied sich der Verlag, ein Fachmagazin für die Zweiradbranche zu übernehmen – Maderner, der schon mit 13 auf einer Vespa Bravo über die Feldwege seiner Heimat geprescht und dabei vom Motorradfahren infiziert worden war, brauchte nur die Hand zu heben, und schon war er geboren: der Chefredakteur von bike und business.

15 Jahre später. In einem beschaulichen Wohngebiet im hessischen Nauheim befindet sich das Motorradhaus Stocksiefen, ein idyllisch anmutendes Grundstück, an dessen Eingang ein graues Schild mit einem roten Yamaha-Schriftzug hängt. Ein mit grauen Steinen bepflasteter Weg führt in einen Hinterhof, in dem es von Motorrädern nur so wimmelt. Mittendrin im Zweiradensemble thront der Einzylinder-Motor der Royal Enfield Himalayan – jene mattschwarze Maschine, die Stephan Maderner später testen wird. Es riecht nach Frühling, die Vögel zwitschern, und der Tacho, die Scheinwerfer, ja fast das ganze Motorrad ist von gelbem Blütenstaub überzogen. Maderner zückt sein schwarzes iPhone, lächelt gekonnt in die Kamera und drückt ab. „Danke an Yamaha Stocksiefen“, wird wenige Minuten später auf Facebook zu lesen sein.
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„Ich sehe mich heute nicht mehr als Redakteur, sondern längst als Community-Manager“, sagt Maderner selbstbewusst. Das belegen auch die zahlreichen Kanäle, auf denen der 54-Jährige aktiv ist: Ob auf Facebook, Twitter, Instagram, YouTube, Pinterest oder seinem eigenen Blog Stephans Speedlog – der Fachjournalist mischt fast überall mit, wo ein potenzieller Follower auf ihn wartet. Und das durchaus erfolgreich: 2014 wurde bike und business auf dem Kongress der Deutschen Fachpresse in Berlin als Fachmedium des Jahres in der Kategorie „Bester Social-Media-Einsatz“ ausgezeichnet. Als Maderner den Preis auf der Bühne entgegennahm, erschien er nicht – wie alle anderen – im stilvollen Anzug, sondern so, wie er sich auch im wahren Leben gibt – in Motorradjacke, als Biker durch und durch.

Es ist ein ganz bestimmtes Bild, das von ihm gezeichnet werden soll: Die Marke Maderner, eine Gallionsfigur in der Motorradbranche, die es versteht, neue Wege zu gehen. „Ich bin keiner, der unbedingt im Rampenlicht stehen muss“, sagt Maderner über sich selbst, und trotzdem tut er es ständig, weil er weiß, dass es sein Job inzwischen von ihm verlangt. Und weil ihm das Image vom modernen, erfolgreichen Reporter insgeheim doch ganz gut gefällt. Schwächen? Die zeigt er nicht, und wenn, dann klingen sie so: „Manchmal bin ich ein bisschen ungeduldig, wenn ich merke, dass andere mit meinem journalistischen Tempo nicht Schritt halten können.“
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Stephan Maderner ist kein arroganter Mensch, aber einer, der von sich selbst überzeugt ist. Und jemand, der den Wandel, dem sein Berufsbild ausgesetzt ist, vor allem als Chance begreift. Der Journalismus, sagt er, habe sich in den vergangenen 20 Jahren rasant verändert. Durch die Digitalisierung habe sich sowohl der Zeitdruck als auch das Aufgabenspektrum eines Journalisten deutlich erhöht. So produziere er heute zusätzlich crossmediale Videoclips, schreibe suchmaschinen-optimierte Online-News und organisiere mehrere Events im Jahr. Daneben, sagt Maderner, hätten sich neue Recherchemöglichkeiten und spannende Darstellungsformen ergeben. Und: „Mit dem Internet und den sozialen Medien hast du heutzutage die Möglichkeit, neue Zielgruppen anzusprechen, eine eigene Marke aufzubauen und deine Relevanz ungemein zu steigern.“  
Der Chefredakteur ist sich sicher: „Wir stehen erst am Anfang eines gewaltigen Umbruchs, im Zuge dessen alles digitalisiert werden wird, was digitalisiert werden kann.“ Im Journalismus werde es viele neue Formate geben, deshalb seien Flexibilität und lebenslanges Lernen enorm wichtig. Dass sein Beruf irgendwann von Robotern erledigt wird, wie es in Sportredaktionen schon jetzt ansatzweise der Fall ist, glaubt Maderner aber nicht: „Wie willst du einen Händler mit einer Maschine porträtieren?“, fragt er und liefert die Antwort gleich mit: Dafür brauche es einen Menschen, der vor Ort sei, der Stimmungen aufsauge, dem Händler in die Augen schaue und das Besondere herausarbeite. Journalismus werde deshalb in gewisser Weise immer auch ein Handwerk bleiben.
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Stephan Maderner, soviel ist sicher, versteht dieses Handwerk. Im Motorradhaus Stocksiefen in Nauheim ist an diesem Tag wenig los. Das Geschäft, entlockt Maderner dem Chef, stehe vor großen Umwälzungen. Die beiden unterhalten sich über die Zukunftschancen der Elektromobilität, über strenge Vorgaben der Hersteller und darüber, wie schwierig es geworden ist, geeigneten Nachwuchs für den Handel zu finden. Maderner erzählt von einem Motorradtrip durch den Himalaya, den er vor einigen Jahren erlebt hat, und spätestens als seine Augen zu glänzen beginnen, wird klar: Dieser Mann ist das, was man einen Vollblutjournalisten nennt.  
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Taxifahrer

Thomas Obert liebt seinen Job als Taxifahrer. Genau deshalb hat er Angst vor der
Digitalisierung und was sie für seine Arbeit bedeutet.
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Thomas Obert ist ein besonnener und ruhiger Mann. Wer in sein gelbes Taxi steigt, wird mit Herzlichkeit empfangen. „Mir macht mein Beruf einfach Spaß“, sagt er und fährt durch die Würzburger Straßen. Der 54-jährige wohnt schon sein ganzes Leben lang in der Stadt am Main, mittlerweile auch mit Frau und Tochter.


Obert schlängelt sein Taxi bereits seit 1990 an Festung und Residenz vorbei, zum Uniklinikum oder auch mal nach München. Vier Jahre später wurde er Unternehmer. Mittlerweile führt er vier Firmen und beschäftigt sieben Fahrer und Taxis. Den guten Fahrern biete er an, gemeinsam ein Taxi zu betreiben. „Ein guter Fahrer ist fleißig, ehrlich, freundlich und fährt vorsichtig“, sagt Obert. Dass dazu auch trotz der Digitalisierung noch die Ortskunde dazugehört, ist für ihn selbstverständlich: „Das Navigationsgerät sucht nach der schnellsten Strecke, wir fahren die kürzeste.“
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In Würzburg gebe es noch einen guten Markt für Taxiunternehmer, findet Obert, denn hier seien die digitalen Konkurrenten noch nicht vertreten. Damit meint er: Uber und myTaxi. Taxifahrer, die myTaxi nutzen wollen, müssen Vermittlungsgebühren an das Unternehmen zahlen, das zur Moovel GmbH, einer Tochter der Daimler AG, gehört.

myTaxi arbeitet aber mit konzessionierten Taxifahrern zusammen, das kalifornische Unternehmen Uber hingegen baute sein Geschäft ursprünglich mit Privatpersonen auf. Erst nach verlorenen Rechtsstreits greift Uber auf Fahrer mit Personenbeförderungsscheine zurück. Beide Dienste leben von einem großen Faktor, der auch vor der Taxibranche nicht Halt macht: Digitalisierung. „Die Digitalisierung wird uns wegfegen“, sagt Obert pessimistisch. Und weiter: „Jede industrielle Revolution bringt neue Arbeitsplätze und ganze Berufe fallen weg.“ Dass er dabei auch seinen eigenen Beruf in Gefahr sieht, erkennt man in seinen dunklen Augen.
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Das klingt sehr negativ, gerade aus einer Branche, die sich häufig damit brüstet, eine der ersten digitalen Player auf dem Markt gewesen zu sein. „Unsere Taxis hatten schon im Jahr 2000 GPS-Systeme, um sie auf die Kunden zu verteilen. Da wussten die meisten noch gar nicht, was das ist“, sagt Dirk Holl, Vorstandsvorsitzender des Taxiverbandes Deutschland e.V.


Schon seit einigen Jahren werden die Taxis nicht mehr manuell auf die Fahrgäste aufgeteilt, sondern von einem Computer. Die Taxizentrale ist Dreh- und Angelpunkt in Oberts Beruf. Von hier aus wird gesteuert, wo er als nächstes hinmuss. Trotzdem: „Die Hälfte der Zeit stehe ich am Standplatz.“ In der Zeit sind sein Tablet und sein eReader seine Begleiter, um die Wartezeit mit einer Serie auf Netflix oder einer Fußballübertragung zu überbrücken. Vor ein paar Jahren hätte ein schweres Buch herhalten müssen.
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Vor allem muss man nachts viel warten. Und genau dann fährt Obert sein Taxi durch die nächtlichen Straßen von Würzburg. „Nachts ist es meist schwieriger, Fahrer zu finden,“ sagt er. Daher fährt er nachts, tagsüber kann er im Büro arbeiten: „Meistens arbeite ich 30 bis 40 Stunden pro Woche im Büro, 20 bis 30 Stunden sitze ich im Taxi.“ Die Arbeit mit Zahlen ist der 54-jährige gewohnt, denn bevor er mit dem Taxi fahren begann, machte er sein Diplom in BWL an der Universität in Würzburg. „Einen Monat nach meinem Abschluss habe ich dann aber meine Taxikonzession bekommen“, sagt er und grinst.


Seitdem fährt er meist sieben Tage pro Woche in seinem Taxi Gäste umher und hat regelmäßig schöne Erlebnisse. „Sonst hätte ich es nicht so lange ausgehalten“, sagt Obert. Einmal wurde er für Dreharbeiten gebucht, um Carl Dall vom Würzburger Bahnhof bis zum Main zu fahren, erzählt er. Nach einer kurzen Pause fügt er hinzu: „Eigentlich sind es die Kleinigkeiten, die mir Freude bereiten. Dass die Leute es anerkennen, dass man sich die Nacht um die Ohren schlägt.“ Doch auch die Arbeitsbedingungen findet Obert gut: „Ich bin mein eigener Chef, kann mein Ding machen und mir auch mal einen Arzttermin in den Arbeitstag schieben.“

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Dennoch, oder gerade, weil er seinen Job so sehr liebt, hat er Angst vor der Zukunft und wie die Digitalisierung seinen Beruf verändert. Er habe in seinen Unternehmen 60 Prozent Personalkosten, Uber hingegen vermittelt nur die Fahrten. „Natürlich sind die dann günstiger“, sagt er und schließt für einen Moment die Augen: „Ich empfinde es als völlig unfaire Konkurrenz.“ Die fairere Lösung: kein Uber und myTaxi nutzen, sondern die App taxi.eu. Die App kann genau das, was die kommerziellen Anbieter auch können, aber: „Da läuft alles über die Zentrale und die Fahrer müssen keine Gebühren zahlen,“ sagt Obert.
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Anwalt

Rechtsanwalt Holger Loos ist ein Beispiel dafür, wie Digitalisierung zum doppelten Glücksfall werden kann. Der Anwalt setzt sie ein – und bekommt wegen ihr Kunden.
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In der Sprache der sizilianischen Mafia ist der Consigliere der juristische Beistand des Familienoberhaupts. Die persönliche Bindung ist eng, Vertrauen wichtig. Holger Loos erzählt mit Stolz, wie ihn einer seiner Mandanten so bezeichnet: „Das ist für mich die größte Ehre überhaupt.“

Der Rechtsanwalt für IT- und Medienrecht bewegt sich in einem digitalisierten Arbeitsumfeld. Den persönlichen Kontakt ersetze das aber nicht: „Es geht nur über eine gemeinsame Vertrauensbasis.“ Digitale Zeiten hin oder her.

Loos beschäftigte sich früh mit den Möglichkeiten, die der technische Fortschritt bietet. Er spricht voller Faszination über den Commodore C128, der Computer seiner Jugend. Für ein Informatikstudium sei er aber nicht „Nerd“ genug gewesen. Also Jura: „Ich war schon als Kind ein Gerechtigkeitsfanatiker.“
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Im Arbeitsalltag des heute 43-Jährigen geht es viel um Kompromisse, Mittelwege oder taktische Abwägungen. Also um juristische Nuancen, die noch kein Algorithmus beherrscht. Dass der digitale Wandel den Arbeitsalltag von Rechtsanwälten dennoch beeinflusst, ist unbestritten. Laut der Studie „Legal Technology 2018“ arbeiten aber beispielsweise nur drei Prozent der Rechtsabteilungen in deutschen Unternehmen mit digitalen Anwendungen.

Und Holger Loos? Er kümmerte sich schon während des Studiums an der Julius-Maximilian-Universität Würzburg um den Internetauftritt der Jura-Fachschaft. 1997 beantragte er als einer der ersten Studenten einen E-Mail-Account. Loos wollte all das Neue kennenlernen, jede Information aufsaugen.
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Als ob er gewusst hätte, dass das, was er vor sich hat, die Zukunft maßgeblich bestimmen kann. Sein Urteil heute über die digitalen Fortschritte seiner Kollegen fällt daher vernichtend aus: „Viele sind erzkonservativ. Die können den Computer nur einsetzen, wenn ihn jemand eingerichtet hat.“ Loos spricht gerade heraus, mit durchdringender Stimme. „Was die Digitalisierung anbelangt, haben Anwälte noch erheblichen Nachholbedarf.“

Loos legte sich schon während des Referendariats eine eigene Webseite an. „Die sah für heutige Verhältnisse noch schrecklich aus“, schmunzelt er. 13 Jahre später ist sein Internetauftritt auf der Höhe der Zeit: Ein 360-Grad-Video führt durch seine Kanzlei. Außerdem bloggt der gebürtige Ansbacher zu aktuellen juristischen Fragen und nutzt das digitale Erzählformat Storytelling, um sich und seinen Werdegang zu präsentieren.
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Damit will er nicht nur für sich werben, sondern auch den Anwaltsberuf transparenter und nahbarer gestalten. Die Digitalisierung erleichtert das.

Holger Loos jongliert mit technischen Details, die er in seinen Alltag einbettet. Er könne sich vorstellen, einen Legal Chat Bot zu programmieren – also einen Algorithmus, der Mandanten im Stile eines Messengers selbstständig in einfachen Rechtsfragen berät. Die Verwaltung der Kanzlei ist vollständig digitalisiert. Mit Hilfe optischer Texterkennung werden dort Schriftsätze analysiert.

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Globalisierung und Digitalisierung haben auch dazu geführt, dass rechtliche Beratungen zur Informationstechnologie immer gefragter sind. Holger Loos erkannte das. 2014 gründete er mit seiner Frau Beatriz die SiDIT GmbH. Das Unternehmen befasst sich mit dem Thema Datenschutz.

Loos war sich der Bedeutung des Themas bewusst, lange bevor die Europäische Union die Datenschutz-Grundverordnung verabschiedete. Ein Gespür, das sich gelohnt hat: Der Umsatz der SiDIT GmbH hat sich in den ersten Monaten dieses Jahres im Vergleich zu 2017 versechsfacht.
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Fotografin

Renate Mark hat ein besonderes Talent: Sie kann die Zeit konservieren. Schon seit über 40 Jahren hält sie die wichtigsten Momente im Leben ihrer Kunden mit der Kamera fest. Die Leidenschaft für die Fotografie hat sie dabei nie verloren - auch nicht als die Digitalisierung das Berufsbild komplett verändert.
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Die Tür schwingt auf, eine Zeitreise beginnt. Links an der Wand eine Vitrine mit analogen Kameras aus allen Epochen, rechts ein Regal mit Fotoalben und Bilderrahmen. Aus dem Nebenzimmer ein Räuspern. „Ach hallo! Kommen Sie doch rein!“ Die rötlich gelockten Haare von Renate Mark schauen hinter einem gelben Vorhang mit Blumenmuster hervor. Mit einer Handbewegung und einem einnehmenden Lächeln bedeutet sie, das Studio zu betreten.

Ein Schritt durch den Türbogen und man erkennt: Nicht nur auf ihren Bilder konserviert Mark die Zeit. Auch in ihrem Fotostudio in der Ochsenfurter Innenstadt scheinen die Uhren stehen geblieben zu sein: Analoge Kameras aus allen Epochen, Mobiliar aus den 60er-Jahren. Man fühlt sich wie in einem gemütlichen Wohnzimmer. Und das ganz bewusst, erklärt Mark: „Diese modernen Hochglanz-Fotostudios haben ja gar keine Persönlichkeit mehr! Da sieht ja eins aus wie das andere.“ Ihr Studio fällt auf jeden Fall nicht in die Kategorie 08/15: Schaut man genauer hin entdeckt man zwischen Super8-Geräten und Diaprojektoren auch Festplatten, DVD-Player und digitale Spiegelreflexkameras.
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Die Mischung aus Tradition und Moderne kommt an: Rund 120.000 Menschen – also quasi jeder in Würzburg - haben hier bisher in die Kamera gelächelt. Vater Georg Mark gründet das Fotostudio im Jahr 1959 in dem Gebäude gegenüber. Auch nachdem seine Tochter das Studio übernimmt, sitzt er noch bis ins hohe Alter auf dem schwarzen Schwingsessel im Eingangsbereich und lässt es sich nicht nehmen bis zuletzt die Passbilder der Kunden anzufertigen. Renate Mark ist sich sicher: „Die Fotografie war für ihn wesentlich mehr als nur sein Beruf – es war seine Berufung“.


Auch für sie hat sich nie die Frage gestellt, einen anderen Beruf als den des Fotografen zu erlernen: „Ich bin im Studio großgeworden und wollte von klein auf in die Fußstapfen meines Vaters treten“. Ihre Augen strahlen, als sie von ihrem Leben berichtet und man spürt die Leidenschaft, die in ihr brennt: Bereits mit acht Jahren hilft sie im Laden aus, mit 17 beginnt sie ihre Ausbildung zur Fotografin und mit gerade einmal 22 Jahren ist sie eine der jüngsten Fotografie-Meisterinnen in Deutschland und übernimmt das Studio.
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Seitdem vergeht kaum ein Tag, an dem Renate Mark nicht in dem gelben Gebäude mit der Hausnummer 16 anzutreffen ist. Das bisherige Highlight ihrer Karriere erlebt sie im Jahr 2000. „Da habe ich an einem internationalen Fotowettbewerb mit über 600 Mitbewerbern teilgenommen und den dritten Platz belegt! Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet“, erzählt Mark aufgeregt als sei es gestern gewesen. Die Verleihung der Bronzemedaille, die nun an der Studiowand ihren Platz gefunden hat, findet in Las Vegas statt.


Über zu wenig Arbeit konnte sich Mark nie beschweren. Die Terminkalender sind voll, die Tage verplant. Teilweise kommen am Wochenende bis zu 5 Brautpaare in ihr Studio. Doch dann hält in den 90er Jahren die Digitalfotografie Einzug in die Branche – und bringt einschneidende Veränderungen mit sich. „Digitale Kameras wurden auch für Privatpersonen erschwinglich und unsere Dienste seltener benötigt“, berichtet Mark. Auch das Ansehen ihres Berufs nimmt ab. Ein wenig Wehmut liegt in ihrer Stimme, als sie berichtet: „Früher hieß es ‚Oh, du bist Fotografin? Toll!‘. Heute gibt es Situationen in denen mir Leute bei Veranstaltungen Sätze wie ‚Was du kannst, kann ich schon lange‘ an den Kopf werfen. Viele meinen, dass es genügt zu wissen wo der Auslöser ist, um sich Fotograf zu nennen“.
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Auch die Konkurrenz wächst durch die günstigen Digitalkameras. Aber nur eine gute Kamera zu besitzen, macht noch kein gutes Bild: „Der Blick für das perfekte Motiv, den ich mir über die Jahre erarbeitet habe, fehlt den Laien-Fotografen“. Das merken auch die Kunden: In den vergangenen 20 Jahren eröffneten sieben Studios in Ochsenfurt - und schlossen wenig später wieder. Nur das Fotostudio Mark blieb eine Konstante im Stadtbild.


Wohl auch, weil sich Mark von Anfang auf die digitalen Veränderungen eingelassen hat. Und das ohne dabei das traditionelle Handwerk aus dem Auge zu verlieren. Viele ihrer Kollegen halten die Digitalfotografie Mitte der 90er nur für einen Trend. Nicht so Mark: „Ich war damals eine der ersten Fotografinnen in Unterfranken, die sich mit digitalen Bildrestaurierungen und Fotomontagen auseinandergesetzt hat“.
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Sich komplett gegen Neuerungen zu wehren sei Unsinn, findet Mark. Die Digitalisierung habe für sie auch einiges einfacher gemacht: „Früher habe ich für den kompletten Prozess der Passbilderstellung mehrere Stunden gebraucht. Aufnehmen, Entwickeln, Schneiden. Heute dauert es von der Erstellung bis zum fertigen Bild nur 15 Minuten“. Ihr Mut sich auf Neues einzulassen und dennoch Wert auf Tradition zu legen hat sich bewährt und ihr sogar neue Geschäftsfelder eröffnet: Sie hat sich auf die Digitalisierung von Dias, Super8-Filmen und Videokassetten spezialisiert. Das spricht sich herum: Im einstigen Labor stapeln sich kistenweise Filme, Kassetten und Dias von Kunden aus ganz Deutschland.


Gleichzeitig beobachtet Mark in den letzten Jahren aber auch wieder einen Trend hin zur analogen Fotografie: „Viele junge Leute kommen wieder zu mir und möchten Filme kaufen. Sie interessieren sich wieder mehr für die analoge Fotografie und experimentieren mit den Kameras der Eltern und Großeltern. Das ist toll“, freut sich Mark.
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Die Auftragslage ist so gut, dass sie teilweise noch bis in die Nacht arbeitet: „Mein Tag bräuchte manchmal 48 Stunden“, lacht sie. Dabei könnte sie theoretisch auch in den Ruhestand gehen. Aber wie schon für ihren Vater, ist die Fotografie für sie nicht nur ihr Job, sondern auch ihr Hobby. Was die Zukunft des Studios betrifft, ist Mark sich nicht sicher: „Klassische Porträtstudios wie meines möchte niemand mehr übernehmen. Und ich bin ehrlich: Hätte ich Kinder würde ich Ihnen auch davon abraten. Studios lohnen sich wenn überhaupt nur noch für Werbe- und Industrieaufnahmen“.

Das Studio vorzeitig zu schließen, ist für sie aber keine Option: „So lange ich dazu in der Lage bin, werde ich geöffnet lassen“. Wird sie dabei so alt wie ihre Eltern, stehen die Chancen gut, dass Renate Mark die besonderen Momente ihrer Kunden auch noch in 20 Jahren konservieren wird.
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Apotheker

Online-Konkurrenz und Arbeitserleichterung – Auch für Apotheker bringt die Digitalisierung Gutes und Schlechtes. Bernward Unger sieht sich in erster Linie als Heilberufler und findet, Neuerungen müssen vor allem dem Wohl der Kunden dienen.
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Bernward Unger hat im Hinterzimmer seiner Apotheke eine rote Liste. Aufgelistet sind keine Medikamente, sondern Leistungen. Leistungen, die niedergelassene Apotheken bieten, Versandapotheken aber nicht. Die Liste richtet sich an den, aus Holland stammenden, umsatzstärksten Online-Arzneihändler in Deutschland. „Kann Doc Morris sowas auch?“ Steht in fetten Lettern auf weißem Papier.

„Ich bin der Meinung, dass Versandhandel asozial ist“, sagt Unger. Asozial im Gegensatz zum „sozialen“ Kontakt mit dem Kunden in der Apotheke. Gerade diese Interaktion und den Leuten im persönlichen Gespräch helfen zu können, sei das Schönste an seinem Beruf. Außerdem ein großer Wettbewerbsvorteil der niedergelassenen Apotheken.
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Die Online-Versandapotheken sind das Schreckgespenst der Branche. Wie auch der stationäre Einzelhandel haben die Apotheken mit der Konkurrenz im Netz zu kämpfen. Ihre Zahl in Deutschland ist seit 2008 rückläufig. Dabei sei die Kundenberatung in den stationären Apotheken unersetzlich, vor allem bei rezeptpflichtigen Medikamenten, meint Unger. „Alle schreien nach Digitalisierung, dabei ist das zutiefst undigitale Reden miteinander so wichtig. Es fängt damit an, dass ich den Kunden erkläre, warum sie ein anderes Medikament bekommen, als auf dem Rezept steht. Weil die Krankenkasse nur für eben dieses bezahlt.“ Die Versandapotheken nähmen gerne das lukrative Geschäft mit den rezeptfreien Arzneien mit, „aber sie machen keinen Nacht- oder Notdienst. Es ist wohl noch nie jemand auf die Idee gekommen nachts nach Holland zu fahren, um ein Zäpfchen für sein Kind zu besorgen“, sagt Unger mit sarkastischem Unterton.

Sein Alter sieht man dem 50-jährigen lediglich an den ergrauten Bartstoppeln an. Das braune, kurzgeschnittene Haar ist nur an den Schläfen grau meliert. Ansonsten ist der passionierte Radfahrer jung geblieben. Schlank, schon fast hager, wirkt er in dem Bordeaux-roten Poloshirt und Turnschuhen. „Apothekerkittel haben wir nicht“, schmunzelt er. Unger wohnt und arbeitet in Dettelbach im Landkreis Kitzingen. Er ist hier aufgewachsen. Seine Mutter und davor sein Großvater haben die Dettelbacher fast 70 Jahre lang mit Arzneien versorgt. Trotz der einschlägigen Familiengeschichte, entschied er sich erst mit 18, mangels besserer Ideen, für die Laufbahn als Apotheker. Nach der Ausbildung zum pharmazeutisch-technischen Assistenten (PTA) und Studium in Würzburg, zog es ihn in die Ferne. „Mir war klar, dass ich noch genug Zeit in Dettelbach verbringen werde, darum habe ich mit dem Zirkel in die Landkarte gestochen, einen 200 Kilometer großen Radius gezogen und mir eine Stelle außerhalb dieses Kreises gesucht.“ Am Ende landete er in Tiengen. Eine Stadt, nicht viel größer als Dettelbach, aber eben 300 Kilometer entfernt und so schön, dass er fast hätte dableiben mögen. Aber zuhause wartete die heimatliche Apotheke auf ihren Nachfolger.
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1996 stieg Unger in die Familienapotheke ein und erwarb später zusätzlich eine Apotheke in Mainstockheim. Seitdem hat sich viel verändert. „Früher hatte man mehr Zeit für die Kunden, heute geht viel davon für Bürokram verloren. Ich schätze, ich verbringe etwa 50 Prozent meiner Arbeitszeit am Schreibtisch.“

Außerdem werde, wie überall, auch der Arbeitsalltag in der Apotheke immer digitaler, sagt Unger. Das habe seine guten und schlechten Seiten. „Schwachsinn“ seien beispielsweise einige Auflagen, die mit der kürzlich eingeführten Datenschutzgrundverordnung zusammenhängen. Bei diesem Thema wird Ungers Stimme eindringlich und man hört die Frustration deutlich heraus. „Die Einverständniserklärung ist drei Seiten lang, das liest sich niemand durch und die Kunden sind genervt.“ Den Frust zu spüren bekommt die Wurzel allen Übels. In der Computertastatur zeugt eine Delle von der Wut ihres Besitzers.
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Das ist die eine Seite. Durch die Digitalisierung sei aber auch vieles in den Apotheken einfacher geworden. Zum Beispiel durch den Kommissionierautomaten. Der ersetzt die klassischen Apothekerschränke. Sobald der Apotheker an der Kasse ein bestimmtes Medikament anfordert, surrt ein Roboterarm in einer Kammer hinter dem Verkaufsraum blitzschnell zu einem Regalfach und holt die geforderte Packung heraus. Der Computer entscheidet vorher, anhand der Packungsgröße, in welches Fach der Artikel gelegt wird und weiß später genau, wo er fündig wird. Der Apotheker muss dann nur in das Ausgabefach direkt hinter ihm greifen, in das der Roboter das Medikament fallen lässt. Dadurch spare man zwar kein Personal, habe aber mehr Zeit für die Kundenberatung, erklärt Unger.


Für Bernward Unger und viele Kollegen stehe bei all der Technik, immer der Kunde im Vordergrund. „Natürlich gibt es Leute, die immer das Neuste haben wollen. Aber für die meisten Kollegen, die sich als Heilberufler sehen und sich verantwortlich für die Gesundheit der Leute fühlen, ist das alles nur Mittel zum Zweck. Digital oder nicht. Das Drängen nach Digitalisierung kommt meistens von außen“, sagt er.
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Im Privatleben kann der Vater von zwei Töchtern auch mal auf das Smartphone verzichten. „Privat bin ich bewusst so gut wie überhaupt nicht vernetzt. Ich schaue ein paarmal am Tag auf‘s Handy, aber wenn ich im Urlaub bin, kann ich es auch tagelang liegen lassen.“ Für einen Geschäftsführer von zwei Apotheken keine Selbstverständlichkeit. Aber Unger vertraut seinen Mitarbeitern und die zahlen es ihm mit Loyalität zurück. Die Fluktuation in der Weingartenapotheke gehe gegen null. Christa Stroh ist pharmazeutisch kaufmännische Angestellte (PKA) und hat schon für Ungers Mutter gearbeitet. „Bei uns herrscht einfach ein gutes Betriebsklima und das hängt natürlich immer auch vom Chef ab“, begründet sie ihre 35-jährige Betriebszugehörigkeit.

Der Chef nutzt das Chefsein auch mal, um sich am Vormittag eine Stunde frei zunehmen und radeln zu gehen. Neben Tischtennis und der Familie, ist Radfahren sein Ausgleich zur Arbeit. 1000 Kilometer schaffe er mitunter von März bis September. Das Fahrrad sei sogar als Dienstfahrzeug angemeldet, weil er Medikamente damit ausliefere.
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Für die Zukunft wünscht sich Bernward Unger, dass die Apotheker wieder mehr als Gesundheitsberater wahrgenommen werden. „Wir möchten unsere Kompetenz aus acht Semestern Studium mehr einsetzen. Zum Beispiel beim Thema Gesundheits- und Ernährungsberatung. Da sind die Apotheker bisher nicht so sehr involviert, das ärgert mich.“ Ein wichtiger Schritt in diese Richtung sei, dass die Herstellung von Salben bereits höher honoriert wird. Gesundheits- und Ernährungsberater – auch das ist Doc Morris nicht. Der Apotheker sei eben mehr als ein Verkäufer von Arzneien, sagt Unger.
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Bankangestellter

Aufgrund der Digitalisierung stellen Kunden neue Ansprüche an ihre Bank. Damit verändern sich die Anforderungen an Finanzplaner Rainer Spiegel. Vor allem der persönliche Kundenkontakt gewinnt an Bedeutung.
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Beruflich fallen in Spiegels vollem Terminkalender dank Digitalisierung ein paar Standardaufgaben weg. Denn nicht nur Spiegel muss sich verändern, sondern auch seine Kunden. „Wir wünschen uns, dass Kunden viel mehr selbst machen“, verrät Spiegel. Sie können online Kredite anfordern, Termine vereinbaren oder sich über die Produkte und Verbundunternehmen informieren. Allerdings sei es schwierig, Jung und Alt unter einen Hut zu bekommen. „Auf bestehende Kunden zu achten, aber sich gleichzeitig für die Zukunft auszurichten ist eine Herausforderung“, sagt Spiegel. Die ältere Generation lasse sich nicht leicht für Online-Lösungen begeistern, während junge Menschen nicht mehr dazu bereit seien, für Dienstleistungen der Bankberater zu bezahlen.

Bald sollen nahezu alle Abläufe übers Online-Banking abgehandelt werden. Kontoauszüge landen dann beispielsweise im elektronischen Postfach. So können Drucker und Papier für Kontoauszüge eingespart werden. Finanzplaner Spiegel hat zu seiner Anfangszeit Kontoauszüge noch mit der Hand sortiert. Auch der Ablauf einer Überweisung hat sich geändert. „Überweisungen haben damals sieben oder acht Tage gedauert“, erinnert sich Spiegel. Das ist heute unvorstellbar. Instant Payment sorgt mittlerweile dafür, dass eine Überweisung binnen Sekunden abgewickelt wird.
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Rainer Spiegel überblickt von der Treppe aus den Eingangsbereich der VR Bank Kitzingen. Der Finanzplaner ruft sich vor Augen, wie die Bank in seiner Anfangszeit ausgesehen hat. An drei Arbeitsplätzen berät je ein Mitarbeiter die Laufkundschaft, damals waren es mindestens doppelt so viele Ansprechpartner. Von Kasse und Empfang ist keine Spur mehr. Trotzdem tummeln sich heute noch Kunden in der Genossenschaftsbank. „Das liegt daran, dass es die Hauptstelle ist“, erklärt Spiegel. In den letzten Jahren hat sich nicht nur der Eingangsbereich der Bank geändert. Auch Spiegels Beruf als Finanzplaner erlebt einen Umbruch. Verantwortlich dafür ist die Digitalisierung.

„Mittlerweile muss man fast IT-Fachmann sein“, urteilt der 46-Jährige aus Sickershausen über die neuen Anforderungen, die an ihn und seine Kollegen gestellt werden. „Das ist nun mal so.“ Spiegel zuckt mit den Schultern und grinst. Lachfältchen spiegeln die lustige Art des Finanzplaners wider. Er trägt ein langes weißes Hemd, eine blaue Krawatte und eine randlose Brille. Sein Job habe sich nicht grundlegend geändert, aber die Umstände: weniger Filialen, weniger Personal, digitalisierte Prozesse. Nach wie vor berät Spiegel Kunden. Die meisten kommen zu einem persönlichen Gespräch in sein Büro. Die Kundenbeziehung steht für ihn und die VR Bank Kitzingen im Vordergrund – trotz digitalem Wandel.
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Rainer Spiegel überblickt von der Treppe aus den Eingangsbereich der VR Bank Kitzingen. Der Finanzplaner ruft sich vor Augen, wie die Bank in seiner Anfangszeit ausgesehen hat. An drei Arbeitsplätzen berät je ein Mitarbeiter die Laufkundschaft, damals waren es mindestens doppelt so viele Ansprechpartner. Von Kasse und Empfang ist keine Spur mehr. Trotzdem tummeln sich heute noch Kunden in der Genossenschaftsbank. „Das liegt daran, dass es die Hauptstelle ist“, erklärt Spiegel. In den letzten Jahren hat sich nicht nur der Eingangsbereich der Bank geändert. Auch Spiegels Beruf als Finanzplaner erlebt einen Umbruch. Verantwortlich dafür ist die Digitalisierung.

„Mittlerweile muss man fast IT-Fachmann sein“, urteilt der 46-Jährige aus Sickershausen über die neuen Anforderungen, die an ihn und seine Kollegen gestellt werden. „Das ist nun mal so.“ Spiegel zuckt mit den Schultern und grinst. Lachfältchen spiegeln die lustige Art des Finanzplaners wider. Er trägt ein langes weißes Hemd, eine blaue Krawatte und eine randlose Brille. Sein Job habe sich nicht grundlegend geändert, aber die Umstände: weniger Filialen, weniger Personal, digitalisierte Prozesse. Nach wie vor berät Spiegel Kunden. Die meisten kommen zu einem persönlichen Gespräch in sein Büro. Die Kundenbeziehung steht für ihn und die VR Bank Kitzingen im Vordergrund – trotz digitalem Wandel.
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Der Fokus liegt auf der Kundennähe. Wenn es um wesentliche Dinge wie zum Beispiel Baufinanzierung geht, ist eine persönliche Kundenberatung immer stärker gefragt. Seine Kunden kommen dafür in Spiegels Büro in der ersten Etage, in dem er seit 2015 als Finanzplaner sitzt. Darauf setzen Spiegel und seine Kollegen: „Wir möchten die Beratung stärken.“


Diese Notwendigkeit sieht auch der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken. Neben dem persönlichen Kundengespräch bauen die Volks- und Raiffeisenbanken die digitalen Zugangswege zur Bank aus. „Wir müssen Kundennähe neu definieren, denn auch die Bank in der Hosentasche kann Nähe bedeuten“, schildert der Verbandssprecher Steffen Steudel. Eine Beratung über Videochat zum Beispiel hat sich in der VR Bank Kitzingen noch nicht etabliert. Allerdings seien Videochats bei anderen Banken bereits im Einsatz, sagt Steudel. Ihre Zahl werde weiter steigen.
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Spiegel holt ein weißes Blatt Papier hervor und zeichnet mit seinem Kugelschreiber ein Diagramm darauf. Noch vor ein paar Jahren wurden nicht nur Diagramme zur Veranschaulichung auf Papier gezeichnet, auch Kredite wurden handschriftlich ausgerechnet. Das passiert heute automatisch mithilfe von Computerprogrammen. Die Beratung sei dadurch individueller, einfacher und anschaulicher geworden, stellt Spiegel fest. Per Mausklick optimiert er das Vermögen eines Kunden. Mit Hilfe eines interaktiven Tortendiagramms zeigt Spiegel ihm, wie sein Vermögen aktuell verteilt ist und wie das zukünftig aussehen könnte. Die Risikobereitschaft des Kunden wird mit einberechnet und verknüpfte Programme dokumentieren die Beratung. Trotz der Vereinfachung sei der Arbeitsaufwand größer geworden, meint Spiegel. Das liege daran, dass er seinen Kunden immer mehr erklären muss. Bei Themen wie Datenschutz und Finanzmarktrichtlinien wie zum Beispiel MiFid 2 fordern sie Aufklärung.


Dass sich das Berufsbild des Bankberaters auch in Zukunft wandeln wird, weiß Verbandssprecher Steudel. Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und Automatisierung würden den Beruf weiter verändern. Daran müssen sich Berater immer aufs Neue anpassen. „Veränderungskompetenz ist und bleibt ein wichtiger Erfolgsfaktor“, meint Steudel.

Das ist Spiegel klar: „Mir bleibt nichts anderes übrig, ich muss mich gemeinsam mit meinen Kunden verändern.“ Dazu gehört auch, sich der neuen Konkurrenz zu stellen, die durch die Digitalisierung entstanden ist: Fintechs, Direktbanken, Robo-Advisors. Spiegel spekuliert, dass sich diese Themen in den nächsten fünf bis zehn Jahren weiter etablieren werden. „Die Frage ist, ob der Otto-Normal-Verbraucher sowas benötigt“, sagt Spiegel und bleibt zuversichtlich: „Ganz ersetzt werden können wir Bankberater letztendlich nicht.“
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Paketzusteller

Mehr Online-Handel bedeutet mehr Arbeitsaufwand für Paketzusteller. Im Zeitalter der Digitalisierung gibt es reichlich technische Zukunftsvisionen, wie die Arbeit von Paketzustellern wie Stefan Harloff von DPD erleichtert werden kann.
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„Hi.“ – „Moin“. Ein Paket wird abgestellt. Ein Scanner piept. Stefan Harloff reicht das Gerät zum Kunden und lässt sich eine Unterschrift geben. Ein kurzes Lächeln, ein kurzer Wortwechsel und er verlässt das Stoffgeschäft. Der Kunde ruft noch schnell „bis morgen!“ nach. Mit einer Geschwindigkeit, der viele nur joggend Schritt halten können, zieht der Paketbote weiter.


Geschwindigkeit gehört für Stefan Harloff, Paketzusteller bei DPD, zum Arbeitsalltag. „Ich mach mein Ding. Ich habe meine Scheuklappen auf.“ Er will keine Zeit verlieren. Im nächsten Moment begutachtet, scannt und packt er schon das nächste Paket auf seinen Karren. Den Blick hat er oft gesenkt und konzentriert auf seinen Scanner gerichtet. Er trägt eine unauffällige Brille und silberne Ohrringe. Falten auf der Stirn verraten eine ernste Miene, die er aber durch ein Lächeln wieder wettmacht. Harloff trägt kurzgeschorene, dunkelblonde, leicht ergraute Haaren und einen Vollbart.

Online-Handel boomt in Deutschland. 2,5 Milliarden Pakete verschickten die Deutschen 2016 laut der Bundesnetzagentur – vor fünf Jahren waren es noch 700 Millionen weniger. Paketzusteller wie Stefan Harloff bekommen diesen Wandel zu spüren. „Die Zahl der Kundenkontakte ist größer geworden. Früher hatte ich bis zu 80 meist gewerbliche Kunden. Heute sind es 120, darunter auch viele Privatempfänger.“
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Im Würzburger Depot von DPD, dem zweitgrößten Paketdienstleister Deutschlands, sind täglich rund 100 Paketboten im Einsatz. Hier werden täglich bis zu 16.000 Pakete empfangen und versendet. Seit 5 Uhr schaffen Harloff und seine Kollegen Kartons und Kisten vom Band zum Fahrzeug. Während sich die Pakete vor den Fahrzeugen anderer Zusteller häufen, steht an Harloffs Platz nicht ein einziges – die lagern bereits gesichert im Sprinter, gestapelt wie bei einem Tetris-Spiel.

Rotes T-Shirt, schwarze Hose, auf der linken Seite eine Tasche. Dort befindet sich der Scanner – der digitale Begleiter aller DPD-Zusteller und Zugriff auf das hauseigene IT-System. Ein auf Erfahrungsdaten basiertes Analytics-Modell nimmt jedes Paket auf. Nach dem Beladen wertet es diese aus – heute stehen 109 auf Harloffs Anzeige. Die Datenanalyse bestimmt Zustellungstour und Zeitplan. Für jedes Paket werden zwei Minuten Zeit einberechnet.

Der kalkulierte Zeitpunkt der Zustellung liegt in einem Zeitfenster: 30 Minuten vor und nach der geschätzten Lieferzeit. Diese verkürzt sich im Laufe des Tages um die Hälfte der Zeit. Empfänger erhalten eine E-Mail, in der steht, dass ihr Paket innerhalb dieser Stunde ausgeliefert wird.
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„Durch einen mathematischen Algorithmus, Verkehrsleitsysteme und Streckenoptimierung könnte dieses zu einem Advanced-Analytics-Modell optimiert werden“, urteilt Dr. Sebastian Derwisch, Data Scientist des IT-Analystenhauses BARC.

Empfänger haben die Möglichkeit ihren Lieferstatus in der „DPD Navigator“-App einzusehen. Außerdem können sie eine Lieferzeit festlegen, einen Abstellort zu wählen oder einen Nachbarn bestimmen. Für seine Kundenorientierung wurde der App im April dieses Jahres vom Bundesverband Digitale Wirtschaft der Deutschen Digital Award in Bronze verliehen. Außerdem gab es im selben Monat eine weitere Auszeichnung, dessen Ausrichter unter anderem das Handelsblatt ist. Seit Einführung der App im Jahr 2017 sei die Quote der angenommenen Pakete laut DPD-Pressesprecher Peter Rey gestiegen. Vielleicht liegt es an der Live-Verfolgung der Zustellungstour?

Das Feature, das beim Kunden die Vorfreude steigen lässt, ist eine unterbewusste Kontrolle für den Zusteller. „Mich persönlich setzt das unter Druck. Ich muss pünktlich sein“, befindet Paketzusteller Stefan Harloff. Er sitzt im Auto und sein Telefon klingelt. Er nimmt ein Gespräch der DPD-Zentrale mit seiner Apple Watch an. Ein Knopf im Ohr sorgt dafür, dass er nicht zum Hörer greifen muss. Diese technischen Spielereien hat er sich privat für seinen Job zugelegt.
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„Durch einen mathematischen Algorithmus, Verkehrsleitsysteme und Streckenoptimierung könnte dieses zu einem Advanced-Analytics-Modell optimiert werden“, urteilt Dr. Sebastian Derwisch, Data Scientist des IT-Analystenhauses BARC.

Empfänger haben die Möglichkeit ihren Lieferstatus in der „DPD Navigator“-App einzusehen. Außerdem können sie eine Lieferzeit festlegen, einen Abstellort zu wählen oder einen Nachbarn bestimmen. Für seine Kundenorientierung wurde der App im April dieses Jahres vom Bundesverband Digitale Wirtschaft der Deutschen Digital Award in Bronze verliehen. Außerdem gab es im selben Monat eine weitere Auszeichnung, dessen Ausrichter unter anderem das Handelsblatt ist. Seit Einführung der App im Jahr 2017 sei die Quote der angenommenen Pakete laut DPD-Pressesprecher Peter Rey gestiegen. Vielleicht liegt es an der Live-Verfolgung der Zustellungstour?

Das Feature, das beim Kunden die Vorfreude steigen lässt, ist eine unterbewusste Kontrolle für den Zusteller. „Mich persönlich setzt das unter Druck. Ich muss pünktlich sein“, befindet Paketzusteller Stefan Harloff. Er sitzt im Auto und sein Telefon klingelt. Er nimmt ein Gespräch der DPD-Zentrale mit seiner Apple Watch an. Ein Knopf im Ohr sorgt dafür, dass er nicht zum Hörer greifen muss. Diese technischen Spielereien hat er sich privat für seinen Job zugelegt.
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Es gibt zahlreiche Zukunftsszenarien für die Branche: „Bei der Zustellungsart gibt es immer mehr Möglichkeiten für den Empfänger: Lieferungen an Paketstationen oder Büros. In der Schweiz wird mit Cargo Souterrain an Verteilpoints für Pakete in Innenstädten gearbeitet“, erzählt Serkan Antmen vom Deutschen Verband für Post, Informationstechnologie und Telekommunikation e.V. (DVPT).

Ob Drohnen und Roboter Harloffs Arbeit übernehmen? Da gehen die Meinungen in der Branche auseinander. Antmen, verantwortlich für die Mitgliederbetreuung für Post und Informationslogistik beim DVPT, hält dies für möglich: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass in 20 Jahren ein Mensch Pakete zustellt“. Bei DPD ist man laut Pressesprecher Rey der Meinung, dass eine standardisierte Zustellung von täglich 2 Millionen Paketen mit Robotern nicht möglich sei. Zukünftig könnte sich das Unternehmen neben bereits etablierten Digital Services Vorteile durch das autonome Fahren versprechen. Paketboten könnten so einer einzigen und wichtigsten Aufgabe ihrer Arbeit nachgehen – dem Zustellen. Dass Roboter zukünftig seine Arbeit erledigen, kann sich Paketzusteller Stefan Harloff nicht vorstellen: „Ersetzen können sie mich nicht. Einer muss zum Kunden“.

Kundenkontakt ist das, was ihn zum Lächeln bringt. Es ist bereits 11 Uhr und die Tour in der Innenstadt ist noch nicht komplett beendet. Doch das schafft er auch sicher, denn seine Zustellungsquote liegt laut IT-System bei 100 Prozent. Stefan Harloff schüttelt den Kopf: „90 Prozent sind bei mir nicht drin“.
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Lehrer

Lange Ferien, viel Geld und Unterlagen, die seit 20 Jahren nicht mehr überarbeitet wurden: So stellen sich viele das Lehrerdasein vor. Doch wie in allen Branchen sorgt die Digitalisierung auch an Schulen für frischen Wind. Peter Elsesser ist Lehrer am Johann-Schöner-Gymnasium in Karlstadt und weiß, was es heißt, an einer digitalen Schule zu arbeiten.
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Freitagmittag, die Sonne scheint und die letzte Stunde ist eine Freistunde. Jeder andere würde sich sofort auf ins wohlverdiente Wochenende machen. Doch nicht Peter Elsesser. Mit seinen Kollegen quatschend läuft er hochmotiviert und aufgeweckt den Flur des Johann-Schöner-Gymnasiums entlang.

Lehrer sein ist sein absoluter Traumberuf. Schon als Schüler wusste er, dass er nie etwas anderes werden möchte. Elsesser wuchs in Lohr am Main auf, nur etwa 20 Kilometer von seinem jetzigen Arbeitsplatz in Karlstadt entfernt. Seit fünf Jahren arbeitet er hier als Lehrer am Johann-Schöner-Gymnasium. Sport und Mathe. Seine absolute Traumkombination.
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Nach dem Mathe-Leistungskurs war für ihn klar, welche Fächer es werden sollen. „Sport konnte ich erst nicht studieren, weil ich mich verletzt habe und deshalb den Eignungstest nicht machen konnte“, erzählt der fußballbegeisterte Lehrer, der immer noch im Verein aktiv ist.

Nach einem ersten Versuch mit Mathe und Physik war für ihn jedoch schnell klar, dass es das nicht war. „Nach einem Jahr konnte ich dann auf Mathe und Sport wechseln. Das war auch definitiv die richtige Entscheidung.“ Elsesser schätzt vor allem die Abwechslung zwischen den beiden Fächern. Zwar fielen bei ihm öfter mal die Pausen flach, weil er mit Umziehen und der Rennerei zwischen Turnhalle und Klassenzimmer beschäftigt sei, trotzdem genieße er den Ausgleich: „Es macht Spaß den Wechsel zu haben zwischen der Position vor der Klasse und dem Unterricht innerhalb der Klasse.“

Eigentlich gibt es nur eines, das dem 32-Jährigen an seinem Beruf keinen Spaß macht: Lange Korrekturen. An richtig harten Tagen steht er von 8:00 Uhr bis 17:00 Uhr vor der Klasse und korrigiert zu Hause noch bis spät am Abend Schulaufgaben. Aber eines gibt er schmunzelnd zu: „Es gibt korrekturaufwändigere Fächer als Mathe und Sport.“
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Seit seinem Referendariat, das er in Würzburg und Aschaffenburg abgeleistet hat, hat sich für Elsesser einiges geändert. Das liege aber auch an der Schule selbst. Das Johann-Schöner-Gymnasium sei eine echte Vorzeigeschule was digitale Ausstattung angehe, so Elsesser.

Wie jeder Lehrer hat auch er ein eigenes Tablet zur Verfügung, das er mit einem Beamer im Klassenzimmer verbinden kann. Vor etwa vier Jahren wurden die Geräte an der Schule eingeführt. Für Elsesser wurde das Tablet zum Tafelersatz. Mit Hilfe einer App kann er darauf schreiben, wie auf einer echten Tafel. Handschriftlich auf karierte Kästchen. Nur die Kreide fehlt.

Da die Schüler nach wie vor in ein Heft schreiben, sei für ihn aber das Wichtigste, dass die Struktur am Tablet die gleiche ist: „Es bringt nichts, wenn ich an meinem Tablet ein digitales Feuerwerk loslasse und keiner mehr mit kommt.“ Der Lehrer unterrichtet Schüler von der fünften bis zur zwölften Klasse. Gerade bei den Kleinen sei wichtig, ihnen genau zu zeigen, was sie machen sollen: „Digitalisierung finde ich gut, aber nur da wo sie auch wirklich einen Mehrwert hat.“
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Mit seinen 32 Jahren ist er einer der jüngsten Lehrer an der Schule. Im digitalen Zeitalter und mit Smartphones aufgewachsen, fällt es ihm leicht mit dem Tablet umzugehen. Doch auch seine älteren Kollegen lassen sich auf die neue Situation ein. Meistens funktioniere das auch gut. Aber selbst wenn nicht gebe es in jeder Klasse einen Schüler, der da weiterhelfen könne: „Da lernen die Lehrer dann auch noch etwas von den Schülern“, sagt Elsesser.

Digitalisierung sei für ihn aber sowieso nur dann sinnvoll, wenn alle mitkommen. Sowohl Lehrer als auch Schüler. Aber selbst für ihn gibt es noch Arbeiten, die er lieber auf dem Papier erledigt. Noten zum Beispiel. Da das Tablet im Klassenzimmer immer mit dem Beamer verbunden ist, sei ihm das zu gefährlich. „Schließlich soll nicht die ganze Klasse erfahren, wer welche Note bekommt“, sagt er während er vergeblich nach seinem Geodreieck sucht. „Typisch Mathelehrer“, lacht er über sich selbst.
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Sonst setzt er sein Tablet aber für alle möglichen Arbeiten ein. Beispielsweise um geometrische Figuren oder Koordinatensysteme zu zeichnen. Auch bereits erstellte Arbeitsblätter wirft er damit an die Wand und füllt sie zusammen mit den Schülern aus. „Für mich ist das eine echte Arbeitserleichterung. Die Schüler müssen das Meiste trotzdem noch in Papierform erledigen“, so Elsesser.

Allerdings gibt es seit diesem Halbjahr testweise auch eine Tabletklasse an der Schule. Die Schüler einer zehnten Klasse haben während des Unterrichts alle ein Tablet vor sich auf dem Tisch aufgebaut. „Wir sind aber noch weit davon entfernt, für jeden Schüler ein eigenes Tablet anzuschaffen“, lacht er. Denn nicht nur die Anschaffungskosten für die 800 Schüler wären enorm hoch. Nach ein paar Jahren gehen die Tablets auch kaputt. Und jedes neue Tablet koste die Schule 300 Euro, so Elsesser. „Unsere Schule ist aber schon enorm fortschrittlich was den digitalen Wandel angeht“, erklärt er stolz. Das könne man nicht überall erwarten.
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Trotzdem ist er sich sicher, dass sich in Zukunft noch einiges ändern wird: „Vor fünf Jahren habe ich noch an die Tafel geschrieben, jetzt unterrichte ich mit einem Tablet. Wer weiß was es in 20 Jahren gibt. Außer dass ich nicht mehr selbst zur Schule fahre“, scherzt er.

Angst davor durch einen Roboter ersetzt zu werden? – das hat Elsesser nicht. Er ist sich sicher, dass er auch in Zukunft noch leibhaftig vor seiner Klasse stehen wird.
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IT-Produktmanager

Computer und Internetverbindung, mehr brauchen die meisten Programmierer nicht zum Arbeiten. Manche machen das zu ihrer Lebensphilosophie, bereisen die Welt und werden zu digitalen Nomaden. Timo Appelmann war einer von ihnen – und hat sich doch für Würzburg entschieden.
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Nach und nach tauchen die Kollegen zum Meeting auf. Manche wirken noch etwas müde, dabei ist es bei ihnen in Lwiw, einer Stadt im Westen der Ukraine, bereits halb elf. Eine Stunde später als in Deutschland. Timo Appelmann sitzt in seinem Würzburger Büro am Schreibtisch und empfängt das Team zur virtuellen Konferenz. Wie jeden Morgen mit Kopfhörern, um die anderen Kollegen um ihn herum nicht zu stören. „Good morning guys, how are you?“, grüßt er in die Video-Runde.

Appelmann arbeitet als Produktmanager bei einem Start-Up namens Scoutbee. Das 2015 gegründete Unternehmen ist ein Software-Dienstleister für Einkäufer aus der Industrie. Die zwei Hauptprodukte, eine Lieferantensuchmaschine und eine Plattform zur Kontaktaufnahme mit den Lieferanten, bilden auch das Zentrum von Appelmanns Arbeit. „Ich bin der Ansprechpartner für alle Fragen rund um unsere Produkte“, sagt der 34-Jährige. Er arbeitet zusätzliche Funktionen aus, überlegt, wie sich neue Ideen verwirklichen lassen, betreut Nutzertests oder koordiniert das grafische Design. „Im Endeffekt muss ich alles so aufbereiten, dass die Entwickler es entsprechend umsetzen können.“
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Erst seit Kurzem ist Appelmann Produktmanager in Vollzeit. Genauer gesagt seit September, seit seiner Festanstellung bei Scoutbee. „Es geht auch ohne Studium“, schmunzelt Appelmann und versenkt die Hände in den Taschen seiner dunkelblauen Kapuzenjacke. Auf dem Rücken prangt das Firmenlogo. Richtig bequem seien die Dinger übrigens. Nach der Ausbildung zum Fachinformatiker und dem ersten Job als Entwickler startete Appelmann mit 21 Jahren in die Selbstständigkeit, gründete eine eigene Firma. Das lief einige Jahre so, bis er sein Produkt verkaufte und Software-Entwickler und Projektleiter wurde – beides als Freelancer.

„Eigentlich war die Arbeit ähnlich wie gerade mit den ukrainischen Kollegen – nur eben von der anderen Seite aus.“ In Zeiten der Digitalisierung sind Freelancer im IT-Bereich gefragt wie nie. Laut der IT-Freiberufler-Studie 2017 der Fachzeitschrift Computerwoche haben die Selbstständigen für 50 Prozent der deutschen Firmen eine „große bis sehr große Bedeutung“. Auch, weil es an Fachkräften mangelt. Ende 2017 gab es 55.000 offene Stellen für IT-Spezialisten. Das spiegelt sich in den Gehältern wider: Stundensätze von 84 Euro sind der Durchschnitt.
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Für Appelmann hatte das Freelancer-Dasein aber in erster Linie andere Vorteile. „Man kann seine Arbeit so gestalten, wie es für einen persönlich am effektivsten ist. Das fängt an mit den Zeiten, betrifft jedoch genauso das Umfeld und den Ort, an den man sich mit seinem Rechner setzt.“ Keine nervigen Kollegen, sondern Menschen, die einen weiterbringen und inspirieren. Keine kalten, deutschen Winter, sondern sonnige Temperaturen in Asien oder Afrika.


Von Dubai, China, der Schweiz und Thailand aus hat Appelmann schon gearbeitet. Die Insel Phuket hat es ihm besonders angetan. „In Thailand gibt es richtige Hotspots für selbstständige IT-ler“, erzählt er. Typische Touristenziele wie Koh Phangan seien beliebt gewesen, ihm aber zu anstrengend wegen der großen Partyszene.
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Manche der Menschen, die er dort kennengelernt hat, haben ihren festen Wohnsitz zuhause aufgegeben. Sie sind sogenannte „digital nomads“ geworden, also digitale Nomaden. Digital deshalb, weil sie zum Arbeiten nicht mehr brauchen als einen Laptop und eine stabile Internetverbindung. Einer Studie zufolge ist der typische Vertreter dieser Spezies männlich, in den Dreißigern und in einer Beziehung. 36 Prozent arbeiten als Freelancer, meist als Programmierer, Designer oder Vermarkter. Sie sind auf der ganzen Welt unterwegs und bleiben größtenteils ein bis drei Monate an einem Ort. Jeder elfte bereist innerhalb einen Jahres zehn Länder und mehr.

„Während der Zeit im Ausland war es immer gut, eine Basis zu haben, zu der ich zurückkehren konnte“, beschreibt Appelmann seine Erfahrungen. Sei es nun das Hotelappartement auf Phuket oder die Wohnung in Würzburg – ganz ohne ginge nicht. „Ich hätte nicht alles daheim abbrechen können. Dazu waren mir Familie, Freunde und auch Würzburg zu wichtig.“ Man müsse schon der Typ dafür sein, ständig neue Bekanntenkreise aufzubauen. Ob sonst noch etwas genervt hat? „Es ist ein größerer bürokratischer Aufwand“, sagt er und runzelt die Stirn. Mehr Nachteile fallen ihm spontan nicht ein.
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Damals fuhr er mit dem Roller zur Arbeit, verbrachte die Mittagspause öfters am Strand. Heute fährt er mit der Straßenbahn zum Büro, einmal komplett durch Würzburg, von der Sanderau bis in die Zellerau. An seiner rechten Hand schimmert ein goldener Ring. Darauf angesprochen, lacht Appelmann. „Das war natürlich auch ein Grund, sich für die Festanstellung zu entscheiden. Aber nicht nur.“ Für die Tage nach der Hochzeit musste er sich Urlaub nehmen – ungewohnt, nach über zwölf Jahren Selbstständigkeit. Aber die spannenden Projekte in einem Start-Up-Umfeld hätten ihn gereizt, etwas Neues anzufangen. Mit größeren Herausforderungen und mehr Verantwortung.

Dass er manche Kollegen nur alle zwei, drei Monate sieht, stört ihn nicht. Im Gegenteil: „Vieles läuft strukturierter ab, wenn man weiß, dass für die Videokonferenz nur zehn Minuten Zeit ist. Anders als vielleicht bei Meetings in großer, persönlicher Runde.“ Außerdem gäbe es trotzdem viel Kontakt, in Summe am Tag etwa zwei Stunden durch Telefonate. So käme das Zwischenmenschliche nicht zu kurz. „Wir haben auch einen Chat, der eher privat ist. Da schickt schon mal jemand einen Witz oder ein lustiges Foto rein“, sagt er und grinst. „Dafür muss man sich wirklich nicht am Schreibtisch gegenüber sitzen.“
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Notar

Gewissenhaft und schnell sind keine Gegensätze im Notariat von Matthias Adam. Ob elektronisches Vorsorgeverzeichnis oder zentrales Testamentsregister: Die Digitalisierung hat das Arbeitstempo des Würzburgers verändert, nicht aber die Genauigkeit. Doch bis weitere Innovationen fernab von digitalisiertem Papier in seinem Beruf Einzug halten, kann es noch dauern. Denn Veränderung kommt in einer so regulierten Profession von ganz oben.

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Von links nach rechts, von rechts nach links – das dünne Papier fliegt blitzschnell hin und her. Das vertraute Geräusch der knisternden Seiten begleitet seine Suche. Fokussiert - Als gäbe es nur noch ihn und das Buch. Bis er endlich gefunden hat, wonach er suchte. „Für immer“, antwortet Matthias Adam knapp. Das ist eine ganz schön lange Zeit.

Er senkt erneut den Kopf und steckt die Nase in das Buch. Dann ein bestätigendes Nicken. Und schon ist die Aufmerksamkeit wieder voll bei seinem Gegenüber. „Die Frage hat sich für mich noch nie gestellt, da das Notariat, in dem ich tätig bin, erst in den 80er Jahren gegründet wurde. Aber nun weiß ich: Es gibt keine Frist. Urkunden müssen wir für immer aufbewahren“, erklärt Adam mit besonnener Stimme.
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Als er feststellt, dass da einiges zusammenkommt, hebt ein Lächeln seinen braunen Vollbart an. Grob überschlagen: 1.500 Urkunden pro Notar in zwölf Monaten. Das macht 3.000 im Jahr für Adam und seinen Kollegen Matthias Dünninger zusammen. Bei fast 40 Jahren Notariat kommen da um die 120.000 Schriftstücke zusammen. Denn die Urkunden der Vorgänger müsse man auch verwahren, so Adam. Ganz schön viel Papier. Wäre jede der Urkunden nur eine Seite lang, so könnte man stattdessen auch 714 Mal „Harry Potter und der Stein der Weisen“ oder 2.500 Ausgaben von Saint-Exupérys „Der kleine Prinz“ aufbewahren. In der Regel sind die Schriftstücke der Notare länger.


Doch Rettung naht. Denn schließlich muss man dank E-Book auch die Lieblingsgeschichten seiner Kinder nicht mehr im Wohnzimmerregal aufbewahren. Der Plan: Das elektronische Urkundenarchiv verkleinert die Papierberge. So sollen die Dokumente ab dem Jahr 2022 nicht mehr in den Notariaten, sondern zentral und in digitaler Form bei der Bundesnotarkammer verwahrt werden. Was zuvor beglaubigt wurde, muss jedoch weiterhin in Papierform gelagert werden. Aber immerhin: Die digitalen Dokumente sind dann ihren Pendants in Papierform gleichgestellt und besitzen rechtlich die gleiche Beweiskraft.
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Während das elektronische Archiv noch ein paar Jahre auf sich warten lässt, gehören digitale Register schon zu Adams Alltag. „Ich war froh, als klar war, dass ich nach Würzburg zurückkehren darf“, erklärt er und rollt lächelnd das fränkische „r“. Das Jurastudium hat er einst im Herzen Frankens absolviert – Sogar besonders erfolgreich, denn nur die Besten bekommen die Möglichkeit den Berufsweg des Notars einzuschlagen.

Doch dann ging es für Adam erst einmal nach Mellrichstadt. Man könne sich nicht aussuchen, wo man sich als Notar niederlässt, denn die Anzahl der Stellen pro Ort sei von staatlicher Seite genau definiert. Aber er hatte Glück: Und so sitzt Adam heute in seinem Büro in der Eichhornstraße. Doch egal, ob sein Computer in Mellrichstadt oder auf dem großen dunklen Holzschreibtisch in Würzburg steht: Die digitalen Register kann Adam überall nutzen und so Auszüge aus dem Grundbuch oder dem Handelsregister ziehen. Das beschleunige die Erstellung neuer Urkunden enorm und würde die Wartezeiten für die Kunden verringern, so Adam.
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Dann kommt der Part, den die Urkunden mit Kinderbüchern wie „Harry Potter“ gemein haben: Sie werden vorgelesen. Entgegen des landläufigen Vorurteils, ist Adams Arbeit damit nicht getan. Die blaugrauen Augen blicken konzentriert über den Rand der schwarzen Brille, der Oberkörper ist leicht nach vorne gelehnt, die Ellenbogen auf den Tisch abgestützt, als Adam erklärt, dass vor allem die unabhängige rechtliche Beratung in seinem Beruf eine wichtige Rolle spiele.

Denn auch während der Beurkundung, also während Adam das Dokument vorliest, kämen immer wieder wichtige Fragen bei den Mandanten auf, die es zu klären gilt. „Wenn die Leute zu mir kommen, dann geht es meist um besonders wichtige Entscheidungen wie den Hauskauf oder das Testament. Da sollte nichts schieflaufen“, so Adam.
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Er gestikuliert schnell und fast ununterbrochen. Die Bewegung geht vom Handgelenk aus, der Rest des Körpers sitzt ruhig hinter dem Schreibtisch. Adam redet viel. Aber auch das wirkt genauso wenig unruhig wie die ständige Untermalung der Hände. Es wirkt bedacht, als wäre jedes Wort trotz der Geschwindigkeit wohlüberlegt. Das Ziel scheint ein vollständiges Bild zu sein. Jeder Zusammenhang soll klar werden. „Als Notar kann man kein Auge zudrücken. Wir müssen jeden Tag voll da sein, auch wenn heute vieles sehr schnell geht“, berichtet Adam. Das hat einen einfachen Grund: Für jeden Fehler ist man als Notar privat haftbar. Also dürften Fehler einfach nicht unterlaufen, so Adam.
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So ist Vorsicht geboten – auch weil die Beratungen immer komplexer werden. „Es gibt heute nicht mehr den Standardkaufvertag. Und auch die Nachlassregelungen werden dank Konzepten wie der Patchworkfamilie immer komplizierter“, erläutert der Mittvierziger. Und so zerbricht er sich den Kopf nicht über Smart Contracts.

Die digitalen Verträge sind in der Lage, Transaktionen automatisch auszuführen, wenn die zuvor vereinbarten Bedingungen erfüllt wurden. Doch bis zur Vereinbarung dieser Konditionen ist es ein langer und nicht selten steiniger Weg, bei dem die Eigenheiten jedes einzelnen Falls beachtet werden müssen. Und daher könne nur der Notar die Beratung bis zur fertigen Urkunde leisten, so Adam. Als wolle er dem gesagten Nachdruck verleihen, folgt darauf Schweigen – Eine kleine Pause, die mit ruhiger Stimme flüstert: „Mich wird man auch morgen und übermorgen noch brauchen“.
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Wer einen Blick Richtung Nachbarbranche riskiert, muss jedoch feststellen, dass auch in diesem Bereich einiges möglich ist: Dank Multiple-Choice-System sind Apps beispielsweise schon heute in der Lage, Mitarbeitern, die eine Frage zur Compliance haben, eine rechtssichere Auskunft zu geben. Der Anwalt wird so bei Beratungsfragen entlastet.


Und der Notar? Er wartet auf Innovation, angeordnet von ganz oben: „Da muss erst einmal der Gesetzgeber ran“, stellt Adam mit Blick auf Smart Contracts und Co. fest. Gesetzliche Regelungen müssten her – ein rechtliches Fundament für all das. Neben Adam stapelt sich das Papier. Im Regal farblich sortierte Bücher. Auf seinem Computer digitale Akten. „Unser Notariat ist ein Hybrid“, stellt Adam fest. Das Papier sei nicht völlig verschwunden, aber teilweise ersetzt. Doch bis wirkliche Innovation fernab von digitalisiertem Papier Einzug in dem Notariat halten wird, kann es noch dauern. Die Digitalisierung bedroht Adams Beruf nicht und tiefgreifende Änderungen hat sie für ihn auch nicht mit sich gebracht. Doch im Gegensatz zu den alten Urkunden müssen die Arbeitsweisen nicht für immer im Notariat bleiben. Das gilt nicht nur für Adams Büro.
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Hotelmanager

Wenn man die große Empfangshalle des Best Western Premier Hotels Rebstock in der Würzburger Innenstadt betritt, fällt der Blick sofort auf eine große Bilderwand mit Autogrammen. Neben dem verstorbenen Schlagersänger Udo Jürgens, waren hier schon Schauspielerin Christine Neubauer oder der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck zu Gast. Zu dem opulenten Empfangsbereich passt auch der Hotelmanager Christoph Unckell. Er trägt einen grauen Anzug mit Krawatte, Brille und beeindruckt mit einer Größe von 1,94 Metern. Geboren ist Unckell in Braunschweig, sein Vater hat schon immer in der Hotellerie gearbeitet. Die Familie ist deshalb häufig umgezogen, bevor sie 1978 das Hotel Rebstock gekauft haben. Unckell war damals 13 Jahre alt und ist fortan im Hotel aufgewachsen.

Obwohl die Eltern ihm bei der Berufswahl freie Hand gelassen haben, war er von Anfang an begeistert von der Hotelbranche: „In keinem Beruf kann man so viel von der Welt sehen.“ Und das hat er in die Tat umgesetzt. Nach der Ausbildung zum Hotelkaufmann in Frankfurt arbeitete er zunächst in Paris in der Küche und in Genf im Service. Dadurch spricht er sowohl Englisch als auch Französisch fließend. 1994 hat Unckell den elterlichen Betrieb dann übernommen und ist 20 Jahre später vom Trebing-Lecost Verlag zum Hotelmanager des Jahres ausgezeichnet worden.
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In dem Vier-Sterne-Hotel von Unckell arbeiten knapp 40 Mitarbeiter, davon 15 Auszubildende. Auch in der Hotelbranche ist der Fachkräftemangel ein Thema. Laut dem Branchen-bericht des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes ist es für Zweidrittel der Hotelbetriebe die größte Herausforderung qualifiziertes Personal zu finden. Dazu meint Unckell: „Würzburg hat eine hohe Lebensqualität und die Menschen kommen gerne zum Arbeiten her. Trotzdem ist es eine große Herausforderung den Nachwuchs zu begeistern und aufzuzeigen, welche Chancen und Karrieremöglichkeiten die Branche bietet.“

Im Moment entsteht auf dem Nachbargrundstück ein Neubau mit 54 Hotelzimmern, deshalb ist viel zu tun. Neben dem Vergeben von Aufträgen müssen die Innenarchitektur und die Veranstaltungstechnik geplant werden. Dazu kommt der normale Hotelalltag – E-Mails bearbeiten, Termine wahrnehmen oder die Küche beim Mittagsgeschäft kontrollieren. Etwa die Hälfte seiner Arbeitszeit verbringt der Hotelier am Schreibtisch. Um elf Uhr findet jeden Morgen ein Meeting mit allen Teamleitern statt, in dem der heutige und der darauffolgende Tag besprochen werden. Nachmittags geht Unckell gerne zum Sport: „Um die Uhrzeit ist es im Fitnessstudio nicht so voll und auch im Hotel ist es ruhiger. Abends gehe ich dann wieder ins Hotel, denn am Abend findet der Großteil des Hotelbetriebes statt und auch in unserem Sternerestaurant KUNO 1408 ist dann am meisten los.“

Neben seiner Tätigkeit als geschäftsführender Gesellschafter ist Unckell auch Aufsichtsratsvorsitzender bei der DEHAG Hotel Service AG, der Dachgesellschaft der Best Western Hotels. Einen typischen Arbeitsalltag gibt es für den Hotelmanager deshalb nicht, und selbst ein Routinetag läuft bei ihm anders ab als bei den meisten Menschen. „Ich arbeite in der Regel sechs Tage die Woche und starte meistens zwischen zehn und elf Uhr, denn im Hotel sind die Zeiten einfach anders. Dafür muss ich abends auch länger arbeiten“, erklärt Unckell.


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Die Digitalisierung habe große Auswirkungen auf die Hotelbranche. Das Buchungsverhalten der Gäste habe sich über die Jahre grundlegend verändert. „Früher hat man noch im Hotelführer nachgeschaut, heute wird der Großteil übers Internet gebucht. Dort spielen vor allem Bewertungen eine große Rolle“, sagt der Hotelmanager. Eine wichtige Aufgabe des Hotelmanagers ist es deshalb, den Mitarbeitern zu zeigen, wie transparent ihr Handeln ist.

Das Hotel arbeitet auch mit Buchungsplattformen wie Expedia, HRS und Booking zusammen. Diese Plattformen werden alle in einem Buchungssystem gebündelt. „Wir bekommen Reservierungen und Stornierungen manchmal gar nicht mit, weil alles über das System läuft. Das gewährt dem Hotel eine sehr hohe Verfügbarkeit“, erklärt Unckell. Wenn beispielsweise ein Zimmer storniert wird, wird es in der nächsten Sekunde für einen anderen Gast direkt wieder verfügbar. Bei der Vielzahl von Angeboten, ist es Aufgabe des Hotelmanagers das Hotel als Marke aufzustellen und einen Mehrwert zu bieten.
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Bei der Frage wie seine Arbeit in zehn Jahren aussehen wird, erwidert Unckell, dass er das noch nicht abschätzen könne. „Die Veränderungsgeschwindigkeit war noch nie so hoch wie heute und gleichzeitig wird sie die langsamste sein, die wir sehen“, sagt der Hotelmanager. Damit meint er, dass man sich heute noch nicht vorstellen kann, wie rasant die Digitalisierung noch zunehmen wird und wie schwer es deshalb fällt Prognosen für Hotelmitarbeiter zu treffen. Dennoch ist er der Auffassung: „Die Branche wird es immer geben und die Mitarbeiter werden immer ein wichtiger Teil sein. Denn darüber entsteht das Besondere eines Hotels.“

Als positiven Aspekt der Digitalisierung sieht Unckell die Erleichterung der Prozesse: „Dadurch bleibt für die Mitarbeiter mehr Zeit sich um den Gast zu kümmern. Gerade unser Klientel wünscht viel Beratung an der Rezeption.“ Manche Entwicklungen betrachtet er aber auch kritisch, wie zum Beispiel die Plattform Airbnb, über die Privatleute ihre Wohnung vermieten können: „In Sachen Brandschutz und Entwicklung der Städte übernimmt Airbnb keinerlei Verantwortung. Da werden Vorschriften nicht eingehalten und Airbnb beruft sich darauf, lediglich eine Plattform zu sein“ – das empfindet Unckell als unverhältnismäßig.
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Auch privat beschäftigt er sich mit der Digitalisierung, ist beispielsweise auf Facebook aktiv: „Ich finde Social Media bietet einen schönen Mehrwert, um mit Menschen vernetzt zu bleiben. Gerade in der Hotellerie lernt man viele Menschen kennen.“ In seiner Freizeit reist er gerne nach Asien oder in die USA. Besonders Vietnam hat es ihm angetan. Bevor er im Mai die Best-Western-Frühlingskonferenz in Hong Kong besuchte, hat er dort eine Woche Urlaub gemacht. Auf die Frage, ob man denn als Hoteldirektor einfach so abschalten und Urlaub machen kann, antwortet er: „Natürlich hat man einen anderen Blick auf Hotels, aber ich schaffe es trotzdem mal Urlaub zu machen.“
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Pflegekraft

Birgitta Mütherig ist Altenpflegerin mit Leib und Seele – und mit Smartphone. Denn die Digitalisierung erhält Einzug in die ambulante Altenpflege und in die Häuser ihrer Kunden. „Der persönliche Kontakt zu den Menschen ist sehr wichtig für mich“, sagt Birgitta Mütherig. Am Morgen gilt der erste Blick der Pflegefachkraft, die in der ambulanten Altenpflege der Johanniter in Würzburg arbeitet, jedoch ihrem Smartphone: Damit werden Touren geplant und Hausbesuche dokumentiert.
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Ursprünglich hat die Mutter von zwei erwachsenen Söhnen an der Uniklinik Ulm Kinderkrankenschwester gelernt und später in Würzburg in der Kinderklinik am Mönchberg schwerst-behinderte Kinder und Jugendliche betreut. Nachdem die Nachtschichten mit zwei kleinen Kindern mehr und mehr zur Belastung wurden, habe sie lange mit sich gerungen: „Ich konnte mir früher nicht vorstellen, in die Altenpflege zu gehen“, gibt Mütherig zu und lacht. Dabei bilden sich Lachfältchen um ihre Augen und die Brille mit dem schwarzen Rahmen hüpft auf ihrer Nase. Die 52-Jährige trägt weiße Arbeitskleidung mit dem Logo der Johanniter auf der Brust, das rotbraune Haar ist kurz geschnitten. Im Jahr 2006 habe sie es dann doch in der Altenpflege versucht und sich auf eine Stellenanzeige der Johanniter beworben. Bereut hat Mütherig es bis heute nicht: „Ich habe schnell gemerkt, dass mir die häusliche Pflege viel Freude macht.“
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Mit dem Zeigefinger wischt Mütherig über das Display des Smartphones. Im System der Johanniter schaut sie nach, für welche Hausbesuche sie eingeplant ist. Noch schnell die wichtigsten Infos zum nächsten Kunden durchgelesen, dann dreht Mütherig den Schlüssel im Zündschloss des weißen VW Up mit dem Schriftzug ihres Arbeitgebers auf der Tür. Vom Parkplatz der Sozialstation biegt sie auf die B19. Routiniert lenkt die Pflegefachkraft das Auto durch den dichten Verkehr. Die vollen Straßen werden immer öfter zum Problem: „Ich fahre sehr gerne Auto, aber wenn es sich überall staut, kommt man ganz schön ins Schwitzen“, gesteht Mütherig. Dann zuckt sie die Schultern – als Altenpflegerin ist sie an Zeitdruck gewöhnt.
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Der erste Hausbesuch an diesem Tag ist bei Frau Ludwig*: Die 86-Jährige ist bereits seit neun Jahren Kundin in der ambulanten Pflege der Johanniter. Zweimal am Tag kommt eine Pflegefachkraft, um sie zu pflegen und ärztlich verordnete Leistungen zu erbringen – Tabletten verabreichen, Insulin spritzen, Stützstrumpfhose anziehen. Freudestrahlend wird Mütherig von der alten Dame begrüßt. „Ich bin hoch zufrieden mit Schwester Birgitta“, erklärt sie. Die Arbeit der Pflegerin weiß Frau Ludwig aus eigener Erfahrung zu schätzen: „Ich habe meine Großmutter und meine Mutter gepflegt.“ Nun sei sie dankbar, dass jemand für sie da ist.

Doch der Zeitplan ist eng getaktet: Drei Minuten Hautpflege, zehn Minuten Duschen, vier Minuten Anziehen, drei Minuten Medikamente verabreichen. Mit dem Smartphone hakt Mütherig anschließend die erbrachten Leistungen im System ab. Die eingegebenen Daten werden direkt an die Sozialstation der Johanniter weitergeleitet. Das bedeutet auch mehr Verantwortung für die Pfleger: „Was ich im System eingebe, wird dem Kunden später berechnet. Da darf ich mir keine Fehler erlauben“, so Mütherig. Trotzdem überwiegen für die Pflegerin die Vorteile der neuen Technik: „Es ist auf jeden Fall eine Zeitersparnis.“

*Name von der Redaktion geändert
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Die sogenannten digitalen Tourenbegleiter werden nach Angaben der Johanniter Würzburg seit rund drei Jahren genutzt. Jeder Pfleger kann dort seine Tour für den Tag und den Folgetag sehen. Vor jedem Hausbesuch loggt sich Mütherig in das System ein. Wenn sie das Haus des Kunden wieder verlässt, kennzeichnet sie den Besuch als abgeschlossen. Auf diese Weise werden auch die Arbeitszeiten über das Tool erfasst. Alle Daten werden nach Abschluss der Tour an die Sozialstation übermittelt, wo sie von der Pflegedienstleitung geprüft werden. Mit dem Einsatz dieser Technologie sind die Johanniter nicht allein: Nach Angaben des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK) nutzen vor allem die größeren ambulanten Pflegedienste digitale Tourenbegleiter.

Noch ist aber auch bei den Johannitern nicht alles digital: „Die Informationen für die Krankenkasse dokumentieren wir noch per Hand“, erläutert Mütherig. Doch es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis eine elektronische Übermittlung eingeführt werde. Und auch die Senioren, die sie betreut, werden immer digitaler. Viele von ihnen sind bereits auf E-Mails oder SMS umgestiegen. „Die merken ja auch, dass es praktisch ist, wenn man den Enkeln mal schnell ein Bildchen rüberschicken kann“, sagt Mütherig schmunzelnd.
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So digital ist Frau Ludwig noch nicht unterwegs. Sie freut sich vor allem über das persönliche Gespräch mit Schwester Birgitta. „Viel Zeit hat sie nicht, aber sie nimmt sie sich trotzdem“, verrät die Seniorin und nickt nachdrücklich. Dann berichtet sie aufgeregt von ihren Erlebnissen beim letzten Krankenhausbesuch. Mütherig nimmt ihre Brille ab und hört aufmerksam zu. Ihre professionelle Routine weicht einem weichen Gesichtsausdruck. Das Zuhören ist mindestens genauso wichtig wie die pflegerischen Aufgaben, davon ist sie überzeugt. Rund zwei Drittel der Kunden der Johanniter leben laut Mütherig allein: „Vereinsamung wird ein immer größeres Thema in unserer alternden Gesellschaft.“
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Ob sie sich eine Zukunft vorstellen kann, in der die Menschen von Robotern gepflegt werden? Mütherig lacht, dann schüttelt sie entschieden den Kopf. „Die zwischenmenschliche Kommunikation kann kein Computer ersetzen“, ist sie sich sicher. Technischen Veränderungen steht sie dennoch aufgeschlossen gegenüber: „Die Digitalisierung können und sollten wir als modernes Hilfsmittel für unsere Arbeit nutzen.“ DBfK-Angaben zufolge könne durch den Einsatz digitaler Tools vor allem die Organisation der Pflege in ihrer Effizienz gesteigert werden.

Letztendlich stehe bei den Johannitern aber das persönliche Wohl des Kunden im Vordergrund, betont Mütherig. Und das sei oft mit dem Wunsch verbunden, möglichst lange im eigenen zu Hause wohnen zu bleiben. Gleiches gilt auch für Frau Ludwig: „Ich will nicht ins Altersheim“, sagt sie und greift nach Schwester Birgittas Hand. Mütherig lächelt. Sie hat keine Angst, durch einen Roboter ersetzt zu werden.
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Unternehmen

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Schreinerei

Die Ackermann GmbH ist ein Handwerksbetrieb in dritter Generation. Konkurrenz bekommt die Schreinerei jedoch nicht aus dem Nachbarort, sondern aus der Schweiz oder Italien. Die Digitalisierung eröffnet dem Betrieb neue Märkte und verändert das Handwerk.

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Späne, eine Hobelbank, eine Kreissäge, Menschen die leidenschaftlich und kunstfertig einem uralten Handwerk nachgehen, dieses Bild taucht bei dem Begriff Schreinerei vor dem inneren Auge auf. Ein romantisiertes Bild, aber doch in vielen kleinen Werkstätten in Bayern und ganz Deutschland durchaus noch Wirklichkeit.

Frank Ackermanns Betrieb im Landkreis Kitzingen ist auch eine Schreinerei, aber Späne sieht man kaum und die letzte Hobelbank wurde vor ein paar Jahren abgeschafft. In der Werkstatt, wenn man die zwanzig Meter hohen Hallen noch als solche bezeichnen kann, fräst ein Roboterarm einen Block aus Gipsbeton in Form.

Daneben passen zwei Mitarbeiter die Außenverkleidung aus Verbundmaterial an ein Gerüst aus Holz an. Millimeterarbeit. Die Schnittkanten am Holz sind schwarz vom Laser, es riecht verbrannt. Diese Zusammenarbeit von Mensch und Maschine ist typisch für den Betrieb. Die Digitalisierung verändere den Beruf des Schreiners, sagt Frank Ackermann, doch Fachwissen und handwerkliches Geschick blieben unersetzlich.
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Wiesenbronn bei Würzburg ist ein Dorfidyll. Vögel zwitschern, aus dem nahen Kuhstall klingt leises Muhen. Auf der Straße weicht ein Auto einem flanierenden Gänsepärchen aus.

Wer würde vermuten, dass inmitten dieser Beschaulichkeit komplizierte architektonische Konstruktionen für die Elbphilharmonie in Hamburg oder den Louvre-Ableger in Abu Dhabi entstehen? „Ich sage immer, schon mein Großvater war international unterwegs, weil er damals in Düsseldorf gearbeitet hat und das war vielen Menschen von hier damals fremder, als es heute Abu Dhabi für uns ist“, sagt Frank Ackermann, Geschäftsführer der Ackermann GmbH in dritter Generation.
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Damals, das war 1934, als Georg Ackermann den Betrieb als Möbelschreinerei gründete. Möbel werden heute auf dem über 13.000 Quadratmeter großen Gelände kaum noch hergestellt. Schon Georgs Sohn Fritz hat das Geschäftsfeld auf Fenster, Türen, Wintergärten sowie den Laden- und Messebau ausgeweitet und 1989, nicht weit entfernt von der alten Wirkungsstätte, die ersten Hallen auf dem heutigen Areal der Firma gebaut.

Mit der Übernahme durch Sohn Frank und dessen Ehefrau Andrea 1996, hat der Betrieb wieder ein neues Gesicht bekommen. Heute entstehen hier maßgefertigte Konstruktionen aus Holz, aber auch aus Mineralwerkstoffen und Verbundfaser, für Kunden auf der ganzen Welt.
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Dass sich der Kundenkreis heute weiter, als bis nach Düsseldorf erstreckt, hat auch damit zu tun, das der heutige Geschäftsführer rechtzeitig in die Digitalisierung des Unternehmens investiert hat. Schon früh erkannte Frank Ackermann das Potenzial der Computerized Numerical Control-Technik (CNC), mit der Werkzeugmaschinen elektronisch gesteuert werden. Dieses Verfahren kam in der Werkstatt erstmals 1993 zum Einsatz.

Es wird mittlerweile in vielen Bertrieben verwendet und ist auch Teil der Schreinerausbildung. Basierend auf diesem Verfahren arbeiten in Ackermanns Werkstatt auch zwei Laser, die plattenförmige Werkstoffe millimetergenau zuschneiden und ein Roboterarm, der das Material von allen Seiten aus bearbeiten kann. Dadurch ist der Betrieb so spezialisiert, dass sie Aufträge für große internationale Projekte annehmen können.
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„Durch die Arbeit mit solchen Maschinen werden ganz andere Konstruktionen möglich, die per Hand einfach nicht wirtschaftlich umzusetzen sind“ sagt Frank Ackermann. Und das habe schließlich oberste Priorität: Dem Kunden ein bezahlbares Produkt anbieten zu können. Die Konkurrenz bei solchen Projekten kommt dann nicht mehr aus der Region, sondern aus ganz Europa.

Auch Mirko Reich, technischer Berater beim Fachverband Schreinerhandwerk Bayern, sieht die Digitalisierung als große Chance für das Schreinerhandwerk: „Die Ackermann GmbH ist auf dem Gebiet Vorreiter, aber auch andere Betriebe rüsten digital auf. Arbeitsprozesse werden schneller und damit kostengünstiger. Dem Fachkräftemangel, der in der Branche herrscht, können wir so entgegenwirken“, meint der Experte. Also mehr Digitalisierung gleich weniger Arbeitsplätze? Für Ackermann ein klares Nein. „Vor 20 Jahren hatten wir weniger Maschinen und weniger Mitarbeiter. Nur durch die moderne Technik können wir ein breiteres Angebot für unsere Kunden schaffen und bekommen mehr Aufträge, brauchen also mehr Mitarbeiter“, erklärt er.
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Mitten in einer der großen Hallen befindet sich ein kleines Büro. Hier sitzt Alexander Bart. Der 39-jährige lässt am Computer aus den mehr oder minder vagen Ideen der Kunden detailgetreue 3D-Modelle entstehen. Bart weiß, welche Materialen er für welche Formen verwenden und wie er sie mit anderen Werkstoffen kombinieren kann.

Er ist gelernter Schreiner, wie die Mehrzahl der Kollegen. Aber wie viele seiner Kollegen hat auch Bart eine Weiterbildung gemacht. Er ist zusätzlich technischer Produktdesigner. „Und Erfinder“ fügt sein Chef mit Stolz in der Stimme hinzu. Bart hat mithilfe bereits bestehender Verfahren ein neuartiges Oberflächenmaterial aus Mineralwerkstoff hergestellt, das jetzt in den Produkten des Unternehmens verarbeitet wird.
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Durch die Digitalisierung bekommt der Beruf des Schreiners ein neues Gesicht, aber das Grundsätzliche ist unverändert. Der Entwurf und die Gestaltung eines Produkts, die Materialauswahl, die Verarbeitungsweise, die Montage der einzelnen Teile, der Schliff und die Lackierung. Das alles sind Tätigkeiten, die dem Schreiner nach wie vor Fachwissen und handwerkliches Geschick abverlangen.

„Es fällt nichts weg“, sagt Ackermann „Das Handwerkliche wird schon in der Ausbildung heute nicht mehr so vertiefend behandelt, wie vor 30 Jahren. Dafür sind neue Aufgaben dazu gekommen.“
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Der 53-jährige schaut optimistisch in die Zukunft. Er sehe die Digitalisierung als Chance für seinen Betrieb, aber sie verlange von Unternehmen, sich anzupassen. „Wenn ich mich der Veränderung widersetze und auf etwas beharre, werde ich irgendwann weggefegt. Das war schon immer so“, erklärt er. Darum ist für die Zukunft geplant, neue Arbeitsfelder zu erschließen. Zum Beispiel im Fitness und Gesundheitsbereich fußzufassen. Ein erster Schritt in diese Richtung ist ein Yogaboard, dass die Ackermann GmbH für ein Startup in Würzburg herstellt.

Weitere Produkte sollen folgen, denn der Geschäftsführer kann langfristig planen: Beide Söhne wollen in den Betrieb einsteigen.
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E-Learning-Unternehmen

Das Würzburger IT-Unternehmen Multa Medio lebt von der Digitalisierung. Dass diese aber längst nicht so weit fortgeschritten ist, zeigt das Beispiel der E-Learning-Plattformen. Denn die meisten Kunden wollen trotzdem weiterhin Präsenzschulungen.
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Wer das Büro von Multa Medio betritt, meint, er stehe in einer hippen Agentur mitten in Berlin: Altbau, Designermöbel und knarzendes Parkett. Multa Medio ist aber weder in Berlin, noch eine Agentur, sondern ein IT-Unternehmen aus Würzburg.

Direkt am Berliner Ring sitzen die 50 Mitarbeiter der Multa Medio Informationssysteme AG auf zwei Etagen vor ihren Bildschirmen. Papier findet man nahezu keins auf den Schreibtischen. Nicht verwunderlich in einem Unternehmen, das von der Digitalisierung lebt. Sie passiert bei Multa Medio ganz selbstverständlich. Hier wird nahezu alles am Computer gemacht, außer die Kunden wollen ihre Rechnungen noch per Post. „Wir können nur so digital sein, wie unsere Kunden das sein wollen“, sagt Björn Steinacker, Vorstand von Multa Medio.
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Das Unternehmen wurde 1996 aus dem Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik der Universität Würzburg gegründet. Schon damals stand die „Implementierung von Lehr-Lernsystemen“ in der Satzung. Vor vier Jahren, 18 Jahre später, wagte sich das Unternehmen an das Thema E- Learning. „Jetzt ist die Zeit reif“, sagt Jürgen Helmerich, Bereichsleiter Learning Solutions.

Die Plattformen sollen traditionelles Lernen und E-Learning miteinander verbinden. Sich nur auf die Onlineversion zu konzentrieren, mache zurzeit aber noch keinen Sinn, sagt Helmerich. Es sei immer eine Frage des Unternehmens, dessen Mitarbeiter und den Themengebieten. Präsenzunterricht sei daher für einige Kunden noch immer interessant: „Ein Pilot übt schließlich auch am Flugzeug und nicht nur am Simulator.“ Dennoch bieten sich gerade Online- Lernangebote für Unternehmen an, deren Mitarbeiter an verschiedenen Standorten arbeiten.
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„E-Learning ist bereits aufgrund der erwähnten Vorteile die Alternative zum Präsenzlernen!“, sagt Mirco Fretter, Präsident des Forum DistancE-Learning, der Fachverband für Fernlernen und Lernmedien. Er stellt sich eher die Frage, ob Präsenzlernangebote überhaupt noch zukunftsfähig seien und es noch zeitgemäß sei, Lernende an Orte und Zeitkonzepte zu binden. „Aber diese Fragen muss selbstverständlich jeder für sich selbst beantworten und so können wir davon ausgehen, dass auch in den kommenden Jahren Präsenz- und DistancE- Learning-Angebote gefragt bleiben werden.“

Die Plattform des Biotech-Unternehmens Qiagen ist laut Helmerich der klassische Fall für einen E-Learning Kunden: „Es werden regelmäßig neue Produkte herausgebracht. Dann müssen möglichst schnell alle Mitarbeiter weltweit darüber informiert und geschult werden.“ Themen wie Arbeitssicherheit, Datenschutz und Arbeitsrecht gehören klassischerweise zu jedem E-Learning. Unter anderem arbeitet Helmerich und sein Team aus etwa zehn Mitarbeitern auch für die Deutsche Bahn und bietet dort eine Lernplattform an. Mitarbeiter in allen Unternehmen wissen: Know-How ist Kapital.
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Multa Medio betreut zwischen 15 und 20 Kunden aus ganz Deutschland mit Lernplattformen. Der Aufwand der verschiedenen Angebote variiert. Bei einfachen Anforderungen dauert es etwa zwei Monate, um eine Plattform für ein Unternehmen bereitzustellen. Hat der Kunde jedoch spezifische Wünsche und möchte die Plattform mit dem Intranet vernetzen, dauert es länger. „Das Projekt kann aber auch nach und nach wachsen und weiterentwickelt werden“, sagt Helmerich. Mit den Learning Solutions und den anderen Geschäftsfeldern wie Lottery Solutions und dem Projektgeschäft erwirtschaftet das Unternehmen jährlich 3 bis 3,5 Millionen Euro.

Im Projektgeschäft des Unternehmens ist es die Hauptaufgabe, digitale und nachhaltige Lösungen zu etablieren. „Wir wollen Prozesse optimieren und Zeit, Kosten und Aufwand minimieren“, sagt Steinacker. So sei es beispielweise bei Flugzeugen lange Zeit gang und gäbe gewesen, bei kaputten Sitzen ein Fax zu schicken. Ein QR-Code an den Sitzen erleichtert den Prozess aber nun: So weiß der Zulieferer sofort, dass ein neuer Stuhl benötigt wird.
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Zu Anfangszeiten war Multa Medio ausschließlich als Berater tätig, heute setzt das Team verschiedene Projekte um. Neben den Learning Solutions ist das Unternehmen Marktführer im Lotterie-Gebiet und bietet zwölf von 16 Lottogesellschaften Lösungen für deren Informationssysteme. Digitale Lösungen waren schon immer wichtig für das Unternehmen.

Alle Prozesse verändern sich durch die Digitalisierung dauernd. Das soll aber nicht vorgegeben, sondern von allen Mitarbeitern mitgestaltet werden: „Wir geben nur die Leitplanken vor, die Verbesserungsvorschläge können alle bringen“, sagt Steinacker. Besonders wichtig dabei sind nachhaltige Lösungen. Dazu gehört nicht nur das papierlose Büro, das nach und nach umgesetzt wird, sondern auch ein energieeffizienter Serverpark im Keller. Doch nicht nur das: „Wir gestalten unsere Softwarelösungen so nachhaltig, dass sie lange halten“, sagt Steinacker. So sind alle Produkte von Multa Medio leicht anpassbar und damit sowohl ökonomisch als auch ökologisch nachhaltig.
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Aber wie kann ein ohnehin schon digitales Unternehmen noch digitaler werden? „Es ist schwierig zu sagen, wie unsere Arbeit in 20 Jahren aussieht. Es ändert sich immer alles irgendwie“, sagt Helmerich. Es sei eine Generationenfrage geworden, findet Steinacker. Für junge Menschen ist die digitale Welt Teil des Alltags geworden und auch das Arbeiten mit elektronischen Medien. Im Team des Unternehmens arbeiten vor allem junge Menschen. „Da kommt die Digitalisierung von ganz allein“, sagt Steinacker.
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Architekturbüro

Die Mayarchitekten zeichnen digital, arbeiten vernetzt und präsentieren in 3D. Building Information Modeling ist für viele Architekten noch Zukunftsmusik, aber nicht für das Würzburger Architekturbüro.
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Auf dem Besprechungstisch in dem Würzburger Altbau liegen große Papierbögen verteilt. Darauf sind Grundrisse von Gebäuden zu sehen. Auf den ersten Blick könnte man vermuten, dass es sich um ein klassisches Architekturbüro handelt. Stattdessen gehören hier Skizzenrollen und Zeichenstifte längst der Vergangenheit an. Die Mayarchitekten zeichnen ihre Entwürfe auf Tablets und arbeiten vernetzt. Ihre Kunden müssen nicht bis zur Schlüsselübergabe warten, denn sie betreten ihre Häuser als virtuelle 3D-Modelle – schon bevor diese gebaut sind.


Möglich macht das die vernetzte Planungsmethode Building Information Modeling, kurz BIM. Diese Methode dient den Mayarchitekten aus Würzburg als Arbeitsgrundlage. Das Team aus zehn Mitarbeitern ist damit vielen anderen Architekturbüros voraus. Ergebnisse ihrer vernetzten Planung sind in ganz Deutschland zu sehen: eine Penthouse-Wohnung in Berlin, ein Haus auf Rügen und eine Vinothek in der Münchner Residenz.
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Schon an ihrem ersten Projekt hat das Architekturbüro digital gearbeitet. Frisch von der Uni hat Architekt Christian Hofmann mit zwei Studienkollegen den Wettbewerb zur Erweiterung des Steinburghotels in Würzburg gewonnen. Darunter war auch Andreas Ebner, einer der zwei Geschäftsführer der Mayarchitekten. Der Auftrag ließ den Architekten keine andere Wahl: sie mussten sich selbstständig machen. Direkt nach der Gründung 2007, damals noch unter dem Namen Hedarchitekten, haben sie die Erweiterung des Steinburghotels geplant – digital und in 3D. „Da war das Ganze noch in den Kinderschuhen“, erinnert sich Hofmann, Gesellschafter der Mayarchitekten.


Beim Projekt Steinburghotel habe sich bereits herausgestellt, dass die Architekten an dem 3D-Modell intensiv mit Fachplanern zusammenarbeiten müssen. Während das Architekturbüro die übergreifende Planung übernimmt, sind Fachplaner für einen bestimmten Projektabschnitt zuständig. Das Besondere an BIM ist, dass der Zehn-Mann-Betrieb ein 3D-Gebäudemodell entwirft. Auf das können die am Bau beteiligten Firmen wie Elektrotechniker, Haustechniker und Tragwerksplaner, über ihre eigenen Rechner zugreifen. „Bei BIM müssen wir andere Wege gehen, um unser Ziel zu erreichen“, erklärt Hofmann. „Die Architektur selbst ändert sich dadurch nicht.“ Ein Vorteil dabei sei, dass das Architekturbüro Fehler leichter vermeiden könne. Sie sehen alles auf einen Blick, auch die Problemstellen. „Es ist wichtig, dass alle Detailpunkte schon im Voraus geklärt sind“, sagt der 36-Jährige.
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„Das digitale Gebäudemodell lebt vor allem von dem I im BIM“, meint Hofmann. Sowohl die Mayarchitekten als auch die Fachplaner können die Informationen aus dem Modell nur nutzen, wenn die Daten von jedem einzelnen Bauteil stimmen. Diese können später auch für das Facility Management nützlich sein. Dafür gibt es eine Voraussetzung: „Das Gebäudemodell muss während dem Bau informativ aktuell gehalten werden, nicht nur zeichnerisch“, so der Architekt.


Während der vernetzten Planung laufen alle Fäden im Architekturbüro zusammen. „BIM bietet für den Berufsstand die Chance, wieder als Gesamtkoordinator eines Projekts in Aktion zu treten“, sagt Heiner Farwick, Präsident vom Bund Deutscher Architekten. Dadurch würden die Aufgaben in Architekturbüros umfangreicher. „Dieser Aufwand, der allen Beteiligten zugutekommt, muss angemessen honoriert werden“, fordert Farwick.
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An der Umsetzung der vernetzten Zusammenarbeit hapert es noch. Gebäudemodelle mit Fachplanern abzugleichen und Informationen auszutauschen sei nicht immer einfach, so Hofmann. „Die Schnittstellen zwischen den Fachdisziplinen sind eine große Herausforderung.“ Essentiell dafür: die Kommunikation in Workshops und die Freigabe von Zugriffsrechten. Den Mayarchitekten kommt es deshalb zugute, dass eine Etage über ihnen das Ingenieursbüro Starz sitzt, das die Tragwerksplanung übernimmt. Das bedeutet kurze Wege für eine funktionierende Kommunikation.


Von den Veränderungen durch BIM lassen sich viele Architekturbüros abschrecken. Eine Befragung der Bundesarchitektenkammer von April 2018 zeigt, dass nur neun Prozent der deutschen Architektur- und Planungsbüros BIM anwenden. Hofmann vermutet, dass viele die Risiken des vernetzten Arbeitens schlecht abschätzen können und deshalb darauf verzichten. Außerdem sei die Einarbeitung in das Thema sehr zeitintensiv. Trotzdem ist der Architekt überzeugt: „Wenn sich jemand gegen BIM wehrt, hat er verschlafen.“
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Geändert haben sich auch die Dokumentations- und Entwurfsprozesse der Würzburger Architekten. Seit einem Jahr sind sie digitalisiert. Mit einem Touchpen können die zehn Mitarbeiter präziser und effektiver skizzieren als auf Zeichenbögen. Zurzeit arbeitet Hofmann zum Beispiel an dem digitalen Entwurf eines dm-Drogeriemarkts. „Genauer bekomme ich das nur mit erheblichem Mehraufwand hin“, erklärt Hofmann, „Grundstück ausdrucken, Skizzenrolle drüberlegen, zeichnen, einscannen.“ Der digitale Entwurf dient als Grundlage für das 3D-Gebäudemodell. Das können die Mayarchitekten dem Bauherrn dank BIM in verschiedenen Stufen präsentieren: von fotorealistischen Bildern im Computer bis zum Betreten des virtuellen Hauses.

Mit seinem Smartphone scannt Hofmann einen QR-Code ein. Auf dem Bildschirm erscheint das Esszimmer einer Villa in Waldbrunn. Der Architekt dreht sich mit dem Smartphone um die eigene Achse. Er sieht die Küche und dann die Treppe, die ins nächste Stockwerk führt. Es ist, als würde man sich von einem festgelegten Standpunkt aus in der Villa umsehen. Setzen die Bauherren eine Virtual Reality Brille auf, können sie sogar in der Villa herumlaufen. Dass ihre Kunden das Haus vor der Fertigstellung virtuell betreten können, ist für die Würzburger Architekten Vor- und Nachteil zugleich. Einerseits können sie sich zwar sicher sein, dass den Kunden das Gebäude gefällt. „Aber der Überraschungseffekt fällt komplett weg“, sagt Hofmann. Die Herausforderung liege deshalb darin, die richtige Stufe zum richtigen Zeitpunkt zu präsentieren.
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Der 36-Jährige hat eine klare Vorstellung davon, wie die Digitalisierung die Arbeit der Mayarchitekten in Zukunft weiter verändern wird. Er denkt an einen Raum, der speziell für 3D-Präsentationen eingerichtet ist. Darin werden Gebäudemodelle an die Wände projiziert. Der Raum soll so auch die Zusammenarbeit mit Fachplanern erleichtern. Vielleicht werden die Papierbögen auf dem Besprechungstisch dann überflüssig. Hofmann ist sich jedenfalls sicher: „Unsere Arbeit mit BIM wird sich weiterhin eklatant verändern.“
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Weingut

Das „Weingut am Stein“ zwischen Nachhaltigkeit und Digitalisierung

Seit 1890 bewirtschaftet das Würzburger „Weingut am Stein“ als Familienunternehmen Weinberge in der Region Mainfranken. Neben ökologischem Weinbau setzt Ludwig Knoll, der das Unternehmen in fünfter Generation führt, auch auf digitale Vernetzung – und verbindet damit zwei Welten, die auf den ersten Blick nicht unbedingt zusammenpassen wollen.
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Hühner und Schafe begrüßen einen, wenn man das Grundstück vom Würzburger „Weingut am Stein“ betritt. Sie wandern über eine kleine eingezäunte Weinbergsparzelle. Dass auf diesen ländlichen Pfaden die Digitalisierung ihren Weg geht, daran würde man auf den ersten Blick kaum glauben.
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Tatsächlich ist es vor allem Nachhaltigkeit, die für das Weingut im Vordergrund steht. So war das Unternehmen 2018 einer von drei Preisträgern beim Bundeswettbewerb ökologischer Landbau vom Bundeslandwirtschaftsministerium. Für Winzer Ludwig Knoll eine Grundsatzfrage: „Ich glaube langfristig gesehen, können wir nur in einer ökologischen, respektvollen Zusammenarbeit mit der Natur unseren Erhalt sichern“, zeigt er sich überzeugt.

Für die Arbeit im Weingut hat das konkrete Folgen. So versucht das „Weingut am Stein“ die Monokultur Weinberg durch Pflanzen anzureichern: „Es muss immer irgendwas blühen“, erklärt Knoll. Mehr als 70 verschiedene Kräuter pflanzt der Winzer so in den Weinbergen seines Weinguts an, die wiederum Insekten anziehen und somit helfen Schädlinge fernzuhalten. Auch die Hühner und Schafe sind ein Mittel der Bodenpflege.
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Um diesen Aufwand auf insgesamt fast 40 Hektar Weinbergsfläche betreiben zu können, braucht es digitale Hilfsmittel. So analysiert das Weingut aktuelle Wetterdaten, die digital viel genauer ausgewertet werden können als noch vor Jahrzehnten. Bei 50 Kilometern Weg, die zwischen Knolls am weitesten voneinander entfernten Weinbergen liegen, ist das wichtig, um schnell auf Hagel oder Gewitter zu reagieren.

Das „Weingut am Stein“ nutzt zudem auch vom bayerischen Landwirtschaftsministerium zur Verfügung gestellte Geodaten. Mit dem Einsatz von Drohnen könnte man künftig auch direkt den Gesundheitszustand eines Weinbergs einschätzen, zumindest soweit kranke Pflanzen von oben sichtbar sind. „Auch zum Versprühen von Pflanzenschutzmitteln wäre der Einsatz von Drohnen denkbar“, meint Knoll. Die Arbeit wäre dann nicht nur digitaler, sondern auch ökologischer: Der Drohneneinsatz ist spritsparender als herkömmliche Methoden, außerdem können die Mittel selbst auch gezielter ausgesprüht werden.
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So sehr solche digitalen Helfer positiv wirken, aus Sicht von Ludwig Knoll ist der Gang in den Weinberg im Zweifel durch nichts zu ersetzen: „Mittlerweile werden ganze Bereiche in der Landwirtschaft digital vom Schreibtisch aus entschieden. Man muss aber immer auch wissen, wie sich der Weinberg anfühlt.“

Bei diesem Herangehen orientiert sich Knoll nicht an direkten Vorfahren: „Tatsächlich glaube ich, dass ich eher wieder von der Generation meines Urgroßvaters und Großvaters lerne, als von der Generation zwischendrin. Die Generation vor mir war eine sehr Industriegläubige. Da hat man geglaubt, dass die Natur sich anpassen wird“, so Knoll.
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Er selbst hat das 1890 gegründete Weingut bereits im Alter von 18 Jahren übernommen und versuchte sich früh an ökologischem Weinbau. Seine ersten Gehversuche endeten jedoch nicht wie erwartet: „Ich habe ökologischen Weinbau damals als Weglassen von Pflanzenschutz- oder Düngemaßnahmen verstanden und hatte eine völlige Missernte“, blickt Knoll zurück – das Experiment war vorerst beendet.

Dafür ging der Winzer auf anderen Pfaden eigene Wege, zum Beispiel beim Weinfest des Weinguts: „Das habe ich nach meinem Gusto gestaltet: Für viele war es fast eine Provokation, das Weinfest mit einem Jazz- oder Rockkonzert zu begleiten.“ Mittlerweile sind die Konzerte vom Weinfest nicht mehr wegzudenken. Wie damals macht Knoll die Musikauswahl auch heute noch selbst. Wenn er von den Musikern spricht, gerät er ins Schwärmen.
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Einen Online-Shop hat das „Weingut am Stein“ natürlich auch. Allerdings verkauft das Unternehmen nur fünf bis zehn Prozent der Weine online. Genug Arbeit gibt es für die circa 30 Mitarbeiter aber dennoch – etwa 250.000 Flaschen füllt das Weingut pro Jahr. Im Weinberg legt Knoll Wert auf viel Handarbeit statt extensiver Bewirtschaftung. „Mit der industriellen Herangehensweise wird es in Zukunft schwierig. Die Evolution ist, was Biodiversität anbelangt, viel feinfühliger und vernetzter“, stellt Knoll fest.
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An dieser Stelle kommen Natur und Digitalisierung auf einen gemeinsamen Nenner: Beide Funktionieren über die Vernetzung. Für das „Weingut am Stein“ manifestiert sich das in der festen Absicht, die Information in den Boden zu bringen.

Ludwig Knoll selbst sagt, dass sein Unternehmen an der Stelle ein wenig Hexenküche betreibt: „Wir rühren eine kleine Menge im Kuhhorn kompostierten Rindermist in etwa 300 Liter Wasser intensiv ein.“ Das Ganze wird dann auf etwa zehn Hektar verteilt, das eigentliche Produkt ist also extrem verdünnt. Knoll ist der Meinung, dass die damit verbundene Information gerade dann umso stärker wirkt. Im Ergebnis stehen aus seiner Sicht konkrete Erfolge: Spannendere Weine aus vitaleren Reben sowie nachhaltigere Böden.
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Trotz aller Veränderungen setzt das Weingut auch auf Kontinuität: „Man darf die Rebsorten nicht wechseln wie die Schnürsenkel“, denkt Ludwig Knoll. So stehen in seinen Weinbergen auch 70 Jahre alte Rebstöcke. Seine Arbeit beweist, dass die Gedanken von Digitalisierung und ökologischer Nachhaltigkeit unter einen Hut zu bekommen sind: „Wir müssen deutlich vernetzter denken. Wenn wir das beherzigen, dann ist allen geholfen. Der Natur, weil ihr mit mehr Respekt begegnet wird; dem Winzer, weil er seine Arbeit nachhaltiger gestalten kann und dem Wein-Trinker, weil sein Wein eine höhere Komplexität bekommt und damit besser schmeckt.“

Eine Gruppe vergisst er dabei: Die Hühner und Schafe, die durch den Weinberg laufen dürfen.
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Holzbau

Dem Handwerk wird gerne nachgesagt, dass es konservativ sei. Wenige nutzen die Digitalisierung, um Handwerkstraditionen wieder aufleben zu lassen. Holzbau Weyer zeigt, wie es geht.
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Stefan Weyer steuert mit seiner himmelblauen Vespa auf das Musterhaus der Holzbau Weyer GmbH zu. Von außen sieht das Anwesen nicht nach Holzbauunternehmen aus. Die Fassade ist weiß verputzt, das Terrassengeländer aus grauem Stahl und milchigem Glas.

„Eigentlich ist es zu schade, um nicht darin zu wohnen“, lächelt der Zimmerermeister, bevor er die Tür mit seinem Smartphone öffnet. Im Innern wird helles Fichtenholz mit grauen, matten Fliesen kombiniert. Ein Teil der Außenfassade ist mit roten Steinwollplatten ummantelt. Holzbau? Das Musterhaus zeigt, dass das Familienunternehmen nicht nur in dieser Branche tätig ist. Es kann mehr.
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Als Johannes Laurentinus Weyer gemeinsam mit seinem Vater Michael die Zimmerei in Roden-Ansbach im Landkreis Main-Spessart gründete, war Bayern noch ein Königreich. 192 Jahre später wird das Unternehmen von Stefan Weyer in der siebten Generation geführt. Holzbau Weyer hat sich zu einem mittelständischen Handwerksbetrieb mit 27 Mitarbeitern entwickelt. Weyer selbst steht gemeinsam mit seiner Frau seit 1995 als Firmenchef in der ersten Reihe.


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Die Familie lebt das Holzbauhandwerk – selbst am Küchentisch wird über die Statik einzelner Konstruktionen diskutiert. Überzeugungsarbeit, dass die beiden Kinder, Eva und Linus, in den Betrieb einsteigen, müsse man deshalb nicht leisten, betont Stefan Weyer stolz. Die zukünftige Unternehmensgeneration war schon früh auf den Veranstaltungen des Landesinnungsverbands (LIV) des Bayerischen Zimmererhandwerks mit dabei – und das prägt.
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Konstruktionen, Holzverbindungen, verschiedene Arten der Lastabtragung: Im Wesentlichen habe sich das Zimmererhandwerk seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts nicht verändert, erzählt Stefan Weyer und steht dabei vor einem Ensemble aus Computerbildschirmen, auf denen Eingabepläne für künftige Bauvorhaben digital aufbereitet werden. Ein bisschen etwas hat sich in den vergangenen Jahren doch geändert.


Die Arbeitsvorbereitung erfolgt heute fast ausschließlich am Computer. „Wir passen jedes Bohrloch, jede Fräsung, die beispielsweise ein Dachstuhl braucht, im 3-D-Modell individuell an“, erklärt Weyer. Daraus entsteht ein Werkplan. Der Computer schickt diesen direkt an die CNC-Maschine, die sich die benötigten Werkzeuge automatisch sucht und die Hölzer millimetergenau zuschneidet. „Das sorgt dafür, dass knapp ein Drittel der Arbeitszeit aus der Werkstatt ins Büro verlagert wurde. Daraus ergeben sich mehr freie Ressourcen für die Montage“, berichtet Weyer. Die digitale Abwicklung ist auch wirtschaftlich spürbar: 2017 erzielte Holzbau Weyer 15 Prozent mehr Umsatz als im vorangegangenen Jahr.
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Der LIV plädiere dafür, die ganze Familie in das Unternehmen zu integrieren. Weyer erklärt, weshalb: „So wächst die Akzeptanz, wenn der Chef 13 oder 14 Stunden arbeitet.“ Eines der Hauptprobleme von Handwerksbetrieben sei es, wenn die Familie nicht involviert ist. Durch Integration und Teilhabe gelingt der Holzbau Weyer GmbH der Generationswechsel, der für andere Unternehmen eine Herausforderung darstellt.
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Doch die Vorteile reichen weiter. Die Digitalisierung sorge dafür, dass traditionelle Holzverbindungen, wie der Schwalbenschwanzverbinder, wieder mehr in den Fokus rücken. Der schnellen und präzisen Verarbeitung sei das zu verdanken. „Zudem ist die Kommunikation mit den Kunden einfacher“, sagt Weyer. So sei die visuelle Darstellung wichtig, um Missverständnisse vorab zu klären. In Zukunft soll dabei ein Flat-Screen helfen, auf dem das geplante Objekt vor der Fertigstellung dreidimensional präsentiert werden kann: „Jeder Kunde sieht dann genau, was er kriegt.“


Trotz dieser Neuerungen weiß der Unternehmer auch, dass die Digitalisierung nicht alleine ausschlaggebend für den Erfolg seines Betriebs ist. Man kennt Holzbau Weyer in der Region. Das sei vor allem auf die regionale Verwurzelung und die hervorragende Mundpropaganda zurückzuführen. Dafür gibt es laut dem Firmenchef eine einfache Formel: „Wir versuchen absolut termintreu zu liefern und können deshalb flexibel auf Kundenanfragen reagieren.“ Das Unternehmen hat heute noch Geschäftspartner, die schon mit Weyers‘ Großvater und Urgroßvater zusammenarbeiteten.
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Fragt man Kunden, was sie am Unternehmen schätzen, dann ist es das große Produktportfolio aus einer Hand. Während früher das Zimmereihandwerk den Geschäftsschwerpunkt bildete, kam in den letzten Jahren noch Dachdeckerei, Spenglerei, Schreinerei, Holzhausbau und Sanierungen hinzu. So entstehen keine Wartezeiten, da die individuellen Gewerke ineinander übergehen. Die Gratwanderung dabei: Möglichst viele Gewerke anzubieten und trotzdem noch in der Lage zu sein, auf spezifische Kundenwünsche einzugehen.


Das Holzbauunternehmen profitiert auch von der aktuellen Konjunkturlage und der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank. Laut dem Bund deutscher Zimmermeister (BDZ) ist die Anzahl der genehmigten Gebäude in Holzbauweise seit Jahren steigend, besonders in Süddeutschland: 2016 waren 20 Prozent der bayerischen Neubauten aus Holz. Für 2017 erwarte man eine weitere Steigerung, so der BDZ.
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Der Holzbau erlebt eine Renaissance. Momentan sei man deshalb wachstumsmäßig an der Kapazitätsgrenze, erklärt Stephan Weyer. Für viele wäre das ein Anlass, mehr zu investieren und beispielsweise die Infrastruktur in der Arbeitsvorbereitung aufzustocken. Nicht so bei Holzbau Weyer. Man wachse lieber kontinuierlich und langsam, ungern schnell und unkontrolliert. „Ich weiß ja nicht, ob Neubauten, wenn das Geld wieder teurer wird, noch genauso boomen wie gerade“, gibt Weyer zu Bedenken.

Deshalb sei es fatal sich nur darauf zu konzentrieren – und hohe Summen in Maschinen zu investieren, die im schlimmsten Fall nur selten in Betrieb wären. Man wolle lieber verschiedene Gewerke bieten: „Langfristig gesehen ist das die beste Variante. Hier kann das Handwerk punkten.“ Stephan Weyer weiß das. Seine Familie ist schon lange im Geschäft.
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In der mittlerweile dritten Generation behauptet sich das Familienunternehmen MIWE in der Welt des Backens. Mit ausgefeilten Ladenbacköfen bis hin zur Fernüberwachung sind sie zur Stelle, sobald die Backwelt sie braucht. Solange sie dabei immer einen Schritt voraus sind, gelingt es ihnen traditionelles Backen mit neuen Technologien zu vereinen.
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Früher gab es in jedem Dorf einen Bäcker, bei dem man sich mit köstlichem Brot versorgte. Das ist aber Schnee von gestern. In der heutigen Zeit werde auch der Lebensmitteleinzelhandel, die Quickservicekette und die Cafeteriakette zur Bäckerei, so Werner.

„Diese Unternehmen agieren teilweise weltweit, da kommt man um genormte Prozesse, eine zentrale Steuerung und festgelegte Produkte nicht herum.“ Da ist er einer Meinung mit Christoph Weigel, dem Produktmanager. Die Kundenanforderungen haben sich in den vergangenen Jahren wesentlich verändert
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Seit tausenden von Jahren backt die Menschheit. Das saftige Schwarzbrot, wie wir es kennen und lieben, wurde über unzählige Verfeinerungen zu dem, was es heute ist. Stillstand kann sich aber auch dieses Handwerk, besonders in Zeiten der Digitalisierung, nicht leisten.

Der nationale und internationale Markt für Backtechnik wachse, und das seit Jahren, so Beatrix Fräse vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau. Dadurch steigt natürlich auch der Wettbewerb. Deshalb setzt Armin Werner, Leiter des Geschäftsbereichs Backstationen, die Messlatte für MIWE hoch. „Immer einen Schritt voraus sein“, so lautet sein Rezept, um die Digitalisierung in das traditionelle Unternehmen zu integrieren.
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Präzision und Genauigkeit, darauf kommt es an. Es ist still in dem weitläufigen Raum des MIWE Ausbildungszentrums in Arnstein. Mit Adleraugen beobachten Ausbildungsleiter Rainer Ziegler und Leiter der gewerblichen Ausbildung Gerhard Steinmetz gespannt das faszinierende Spektakel. Was hier gerade passiert, war bis vor nicht allzu langer Zeit noch undenkbar. Und da ist es auch schon geschafft. Souverän und gelassen zaubert Felix Twittmann, Auszubildender im zweiten Lehrjahr, eine einwandfreie Schweißnaht. Und das Ganze mit einem Schweißsimulator, der mit Hilfe einer Virtual-Reality-Brille funktioniert. Der Simulator ist nun schon ein Jahr ein Highlight im fast genau so neuen Ausbildungszentrum der MIWE Michael Wenz GmbH. Er ermögliche den Auszubildenden das Handling des Schweißens ohne Verschleiß und ohne Verletzungsgefahr zu erlernen, so Ziegler.

Aber nicht nur diese Aspekte schaffen Anreiz. Felix Twittmann und Reber Jaafer, ebenfalls Auszubildender, macht es großen Spaß das Schweißen auf diese Art zu üben. Neben dem Schweißsimulator sei das moderne MIWE Ausbildungszentrum – MAZ genannt - das seit 2017 in Betrieb ist, ein Grund, weshalb sich Reber vor knapp einem Jahr für eine Ausbildung bei MIWE entschied. Neben diesen Aspekten unternimmt das Unternehmen noch weitere Schritte, um mit dem Wandel der Branche zu gehen und die Digitalisierung einen Teil des Ganzen werden zu lassen. Digitalisierung bedeutet für MIWE nicht nur Technik, es geht Ihnen viel mehr darum, erst einmal zu beobachten und zu verstehen.
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Für das Familienunternehmen ist es die letzten Jahre zur entscheidenden Aufgabe geworden, sich dieser Herausforderung zu stellen. Das habe MIWE mit über 700 Mitarbeitern, Produktionsstandorten in Arnstein und Meinigen und acht Tochterunternehmen weltweit bisher gut gemeistert. „Immer ein Ohr am Kunden haben, die Prozesse kennen und ständig in Kontakt bleiben“, diese Grundhaltung ist es, die laut Werner das gesamte Unternehmen prägt.

Aufgrund der veränderten Anforderungen müsse man den Fokus darauf setzen, zu erkennen was sich der Kunde wünscht bevor dieser überhaupt selbst davon weiß. Im zweiten Schritt sucht man bestmögliche Lösungen für den entstandenen Bedarf. Was Werner hier auf den Punkt bringt, beschäftigt bei MIWE auch das bereichsübergreifende Geschäftsfeld Digital Solutions, das digitale Lösungen für die Backstube entwickelt.
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Die Geschichte der MIWE Michael Wenz GmbH, welche im letzten Jahr 114 Millionen Euro erwirtschaftete, begann im Jahr 1919: Der Gründer Michael Wenz baute in seinem Heimatort Arnstein den ersten Backofen. Seit 2002 führt Sabine Michaela Wenz, seine Enkelin, das Unternehmen. Unter ihrer Leitung fokussiert MIWE das Geschäft, die Produkte, die Prozesse und die Wünsche seiner Kunden.

Während sich der Geschäftsbereich Backstationen allen Prozessen und Abläufen des Backens im Laden widmet, bedient der Bereich Backanlagen Produktionsbackstuben aller Formen und Größen, vom handwerklich organisierten Betrieb bis hin zur industriellen Backwarenproduktion.

Der Innovationsgeist des Unternehmens musste dabei nicht erst geweckt werden, sondern ist dem Unternehmen bereits bei seiner Gründung von Michael Wenz in die Wiege gelegt worden. Seither versucht MIWE kontinuierlich Innovationen, die die Welt des Backens grundlegend verändern, zu entwickeln. Das Ladenbacken, das für uns heute selbstverständlich ist, war eine dieser Innovationen. Es wurde in den 60er Jahren von Edgar Michael Wenz, dem Sohn des Unternehmensgründers, erfunden. Zu jener Zeit wurde er für diese Erfindung noch belächelt – die Entwicklung hat aber gezeigt, dass er damals schon einen Schritt voraus war.
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„Unter dem Strich ist es für die Unternehmen wichtig mit der Entwicklung zu gehen“, so Fräse. Wer sich darauf einlässt, bleibe auch relevant und präsent auf dem Markt.

Während im Ausbildungszentrum Nachwuchskräfte das Schweißen also weiterhin fleißig mit Hilfe des Schweißsimulators üben und die Mitarbeiter im Vertrieb, der Entwicklung und im Service immer ein Ohr beim Kunden haben, sollte sich die MIWE Michael Wenz GmbH nicht auf ihrer Innovationsstärke ausruhen, sondern versuchen die Herausforderungen des Wandels weiterhin gemeinsam mit ihren Kunden zu meistern.
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Möbelhaus

Innovativ und frisch – so beschreibt der Geschäftsführer Sebastian Spitzhüttl das Familienunternehmen in zwei Worten. Onlineshop, Ausbildung zum E-Commerce Kaufmann, Hightech Küchen: Wie das Möbelhaus Spitzhüttl versucht, mit der Digitalisierung Schritt zu halten.
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Ein weiterer Schritt in Richtung Digitalisierung ist der Onlineshop, der seit 2009 existiert. Auch wenn dieser zum jetzigen Stand nur etwa drei Prozent des Umsatzes ausmacht, lohnt sich der Aufwand. „Die meisten Kunden unseres Onlineshops wohnen witzigerweise in Berlin“, führt der Geschäftsführer aus. Der Onlineshop ist somit nicht nur ein Vertriebsinstrument, sondern erhöht auch die Reichweite. Während die Kunden des Möbelhauses hauptsächlich aus Bayern und Baden-Württemberg kommen, hat der Onlineshop Kunden aus ganz Deutschland. Um den Onlineshop kümmert sich Ehefrau Birgit Spitzhüttl. Die promovierte Biologin hat eine Weiterbildung im Bereich E-Commerce gemacht und ist seither für den Onlineshop zuständig. Sie arbeitet in Teilzeit, um noch ausreichend Zeit für die zwei gemeinsamen Kinder zu haben.

Zur Unterstützung wird das Team ab September durch einen neuen Azubi verstärkt. Dieser wird im Unternehmen seine Ausbildung als E-Commerce Kaufmann absolvieren – als erster, denn die Ausbildung startet im Sommer 2018 bundesweit. Darüber freut sich auch Martin Groß-Albenhausen, stellvertretender Geschäftsführer des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel: „E-Commerce wächst dynamisch in allen Bereichen der Wirtschaft. Mit dem neuen Beruf tragen wir dazu bei, dringend benötigte Fachkräfte für die Digitalisierung zu schaffen.“ Dass Digitalisierung bei den Jugendlichen angesagt ist, zeigt der Zulauf an Bewerbungen. „Für die Stelle zum E-Commerce Kaufmann haben sich viel mehr beworben als für die anderen Ausbildungsberufe“, erklärt Spitzhüttl.
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Im Möbelhaus Spitzhüttl steckt viel Liebe im Detail – und das aus gutem Grund. „Da wir nicht den perfekten Standort haben, ist es wichtig den Kunden auf der Ausstellungsfläche etwas zu bieten“, sagt Spitzhüttl. Deshalb baut das Möbelhaus alle 14 Monate für etwa sechs Wochen um. In diesen Umbauphasen werden dann neue Böden verlegt, die Decken renoviert und neue Reize gesetzt. Einen davon findet man in Form eines befüllten Kühlschranks in der Küchenabteilung. „Da unsere Kunden zu 95 Prozent Frauen sind und diese auch meistens die Entscheidungen beim Möbelkauf treffen, möchten wir den Männern den Besuch im Möbelhaus so angenehm wie möglich gestalten“, erklärt der Geschäftsführer. Deshalb finden die Männer eine Auswahl von Craft Bieren im Kühlschrank vor. „Dort dürfen sich natürlich auch bierbegeisterte Frauen bedienen“, meint Spitzhüttl lächelnd.

Auch sonst sind immer wieder aufwendige Dekorationselemente, wie etwa eine Mooswand aus Island, im ganzen Haus zu finden. Für diese besondere Atmosphäre arbeitet Spitzhüttl mit dem Designbüro Gruschwitz aus München zusammen. Dieses hat bereits Aufträge für namenhafte Marken wie Adidas, Chanel oder den FC Bayern München umgesetzt.

Die Digitalisierung verändert auch die Möbelbranche. Eine Beispielküche in der Ausstellung zeigt, was technisch heute schon möglich ist: Der Backofen und der Dampfgarer können mit Hilfe von Wifi über das Smartphone gesteuert werden. So lässt sich beispielsweise der Backofen schon einmal vorheizen, bevor man überhaupt das Haus betreten hat. Ein weiteres Merkmal ist die höhenverstellbare Dunstabzugshaube. Außerdem sind in der Küche Musikboxen verbaut, die durch eine Bluetooth-Verbindung gesteuert werden können.
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Es riecht nach Holz, isländisches Moos bedeckt in sattem Grün eine Wand der Ausstellungsräume im Möbelhaus Spitzhüttl. Eine Familienchronik an der Wand zeugt von der langen Tradition. Auf dem Rundgang durch das Möbelhaus fällt die Verbundenheit zur Natur und zur Familie auf. Der Geschäftsführer und Gin-Liebhaber Sebastian Spitzhüttl erklärt, dass es für sie als Familienbetrieb wichtig sei, das zu transportieren. Denn das Möbelhaus Spitzhüttl in Neubrunn, knapp 30 Kilometer von Würzburg entfernt, ist ein traditionelles Familienunternehmen. Im Jahr 1900 hat Eugen Balz den Betrieb gegründet. Nachdem der Enkel, Günther Spitzhüttl, das Unternehmen 1972 übernommen hat, wird sein Sohn, Sebastian Spitzhüttl, knapp 40 Jahre später, zusätzlicher Geschäftsführer. Insgesamt sind die Geschwister zu dritt, neben Sebastian Spitzhüttl kümmert sich Julia Spitzhüttl um die Verwaltung und Stephanie Spitzhüttl um das Marketing.

Mittlerweile schaut der Senior allerdings nur noch zwei Tage die Woche vorbei und lässt den Junior im Großen und Ganzen walten. „Wir sind eigentlich schon über den Generationenwechsel hinaus“, meint Sebastian Spitzhüttl. Bevor der Junior in das Unternehmen mit eingestiegen ist, hat er in Köln seinen Betriebswirt mit der Fachrichtung Möbelhandel absolviert. Doch dieser Weg war nicht immer so vorgezeichnet. „Ich wollte damals Profifußballer werden und war gar nicht mal so schlecht. Am Ende lag es dann doch nahe, ins Familienunternehmen einzusteigen, da mir BWL und Zahlen eigentlich ganz gut liegen“, erzählt Spitzhüttl.
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Einen Generationenkonflikt bei all den neuen Entwicklungen gab es im Hause Spitzhüttl nach eigener Aussage noch nie. „Mein Vater hat mich immer unterstützt und gemeint: Mach das, ich versteh nichts davon, aber ich vertraue dir.“ Und das Vertrauen hat sich ausgezahlt: Das Unternehmen erwirtschaftet mittlerweile einen achtstelligen Umsatz pro Jahr.

Bei der Frage, wo Spitzhüttl das Unternehmen in zehn Jahren sieht, kommt er ins Grübeln und sagt dann: „Ziele können einen auch hemmen, deshalb lebe ich lieber im hier und jetzt und schaue was passiert. Die Welt von heute ist so schnelllebig, dass es schwerfällt, Prognosen zu treffen. Ich war häufig der Erste und bin damit nicht immer gut gefahren, man darf aber auch nicht der Letzte sein“, erklärt Spitzhüttl mit einem Schmunzeln im Gesicht. Er meint, man muss mehr um den Kunden kämpfen als früher. Aus diesem Grund plant das Möbelhaus Spitzhüttl in den nächsten Jahren den Ausbau des Online-Shops und weitere Umbauten mit neuen Elementen wie etwa der Mooswand.
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Solarunternehmen

Gildemeister energy solutions bietet Servicedienstleistungen im Solarbereich an. Das Würzburger Unternehmen hat aus vergangenen Fehlern gelernt – und nutzt nun die Chancen der Digitalisierung. Ein junges Team, flache Hierarchien und neue Geschäftszweige sollen den Weg in die Zukunft ebnen.

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Ein Klick auf den Monitor und die Skizze eines Solarparks in Carlino, Norditalien, poppt auf. Grüne und orangene Glockensymbole verteilen sich am linken Bildschirmrand. Rechts oben zeigt ein Diagramm die Tagesleistung des Parks – die Kurve steigt zur Mittagszeit hin an. Der Mann vor dem Bildschirm weiß: Der knapp 800 Kilometer entfernte Solarpark läuft reibungslos.


Ihre globale Projektüberwachung verdankt die Gildemeister energy solutions GmbH auch der Digitalisierung. Das kleine Würzburger Unternehmen aus dem großen DMG Mori Konzern möchte digitale Chancen nutzen und neue Wege gehen.

Gildemeister energy solutions hat sich seit 2004 den erneuerbaren Energien verschrieben. Angeboten werden Servicedienstleistungen für grüne Energie, besonders im Bereich Solar. Die vier Geschäftsbereiche reichen von Planung und Aufbau großer Freiflächen-Solarparks (Utility Scale) bis zur Energieberatung, inklusive eigener Energiemanagement-Software. Das Unternehmen präsentiert sich jung und flexibel. Essentielle Eigenschaften in der Branche, meint Geschäftsführer André Kremer.

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Denn rechtliche Rahmenbedingungen, wie auch staatliche Förderungen nehmen ständig Einfluss auf Markt- und Konkurrenzsituation. Der größte Wettbewerber hierzulande heißt „BayWa renewable energy“. Viele andere seien bereits vom Markt verschwunden. In der Regel, weil man nicht breit genug aufgestellt war, meint Kremer. Man musste Risiken eingehen und ging daran zugrunde.

Die Würzburger retteten sich nur knapp vor einem ähnlichen Schicksal: Nach dem Einstieg in die Branche ging das Unternehmen 2007 an den spanischen Markt – und wurde übermütig. „Man wollte die Arbeit der Entwickler auch noch übernehmen“, erzählt Kremer. Als man den Fuß 2009 auf den italienischen Markt setzte, kam die Wirtschaftskrise – und mit ihr schwierige Zeiten für Gildemeister energy solutions. Man habe den falschen Leuten vertraut und nicht schnell genug auf den Markteinbruch reagiert, so Kremer heute. Doch Gildemeister konnte sich retten: „Wir haben unsere Lehren aus der Krise gezogen und uns breiter aufgestellt“, erklärt er. Hinzu kam unter anderem die Beratung in Sachen Energieeffizienz.

Auch das Team wurde 2011 umgestellt, Schlüsselpositionen neu besetzt, die Krise überstanden. „Das führte zu einer internen Verbundenheit“, sagt Kremer. Diese scheint bis heute anzuhalten. Etwa 70 Mitarbeiter gibt es am Standort Würzburg, rund 200 im energy solutions Konzern. Von zwanghaften Strukturen seitens des großen Mutterkonzerns DMG Mori ist nichts spürbar. Auch dank eines jungen Teams und entsprechend frischem Arbeitsklima: Der Altersdurchschnitt liege bei Mitte 30, heißt es. E-Ladestationen auf dem kleinen Parkplatz und eine Kaffeelounge mit Barhockern verbreiten einen Hauch von Start-Up Gefühl.
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Diesen Eindruck vermittelt auch Kremer selbst. Nach fünf Jahren im Unternehmen, ist er seit 2016 alleiniger Geschäftsführer und liegt mit 37 Jahren voll im Unternehmensschnitt. Eine Krawatte trägt er nicht, der oberste He