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Kuenstliche Intelligenz

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Technologie & Forschung

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Künstliche Intelligenz

Ob es um autonomes Fahren, das Smart Home oder Alexas Sprachsteuerung geht: Der Begriff Künstliche Intelligenz (KI) taucht zurzeit überall auf. Doch was ist KI eigentlich? Was bedeuten Begriffe wie Neuronale Netze, Big Data, Machine oder Deep Learning? Und wie weit ist die Technik bereits?

Was heute wie ein Modewort klingt, ist unter Fachleuten bereits seit über 60 Jahren bekannt: Im Zuge der Dartmouth Conference wurde der Begriff Artificial Intelligence (AI, auf Deutsch: Künstliche Intelligenz) im Jahr 1956 zum ersten Mal genutzt. Seither sind Wissenschaftler davon überzeugt, dass die menschliche Intelligenz mit Maschinen abgebildet werden kann. KI zu definieren, fällt allerdings weiterhin schwer. Das liegt vor allem daran, dass es für den Begriff Intelligenz keine allgemeingültige Definition gibt. Klar ist jedoch: KI ist ein Teilgebiet der Informatik, das versucht, menschliches Verhalten und Denken künstlich nachzuahmen, um damit Probleme zu lösen. Dass es gerade so einen Hype erfährt, liegt vor allem daran, dass die Computer heute viel leistungsstärker sind als noch vor einigen Jahren – und sie demnach nicht nur schneller rechnen, sondern auch komplexere Probleme lösen können.
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Doch KI ist nicht gleich KI. Innerhalb dieses Bereichs wird weiter zwischen schwacher und starker KI unterschieden – abhängig davon, wie intelligent das System wirklich ist beziehungsweise handelt. Ein schwaches System kümmert sich meist nur darum, eine einzige Aufgabe zu erledigen. Es hat lediglich gelernt, wie es sich in einem bestimmten Gebiet verhalten muss und kann nur Probleme lösen, die innerhalb dieses Gebiets auftauchen. So kann ein Chatbot beispielsweise zwar mit Menschen schriftlich kommunizieren – mit ihnen sprechen oder ihre Gesichter erkennen kann er allerdings nicht. Schwache KI ist also darauf ausgelegt, bestimmte Aufgaben automatisch oder sogar autonom, sprich selbstständig, auszuführen. Auch wenn sie dies um einiges schneller und effizienter kann als ein Mensch, ist sie noch lange keine Kopie von ihm.

Darauf allerdings zielt die starke KI ab: Eine Maschine zu schaffen, die allgemein intelligent wie ein Mensch ist – oder sogar intelligenter. Während schwache KI schon, ob bewusst oder unbewusst, Teil unseres Alltags geworden ist, gehören stark intelligente Systeme noch zu einer weit entfernten Zukunftsvision. Denn diese Systeme würden aus eigenem Antrieb handeln: Sie könnten logisch denken, auch bei Unsicherheit Entscheidungen treffen, in natürlicher Sprache kommunizieren, wären fähig zu planen und zu handeln und könnten darüber hinaus all diese Fähigkeiten kombinieren. Ob eine starke KI jedoch wie ein Mensch ein Bewusstsein haben und Empathie empfinden wird, ist noch unklar.


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So wie ein Mensch nicht von Geburt an laufen kann, so muss auch eine Maschine erst lernen, wie sie bestimmte Aufgaben bewältigen kann. Die Grundlage hierfür liefern Algorithmen und Daten. Der Algorithmus erklärt der Maschine, wie sie Schritt für Schritt vorgehen muss, um ein Problem zu lösen. So erkennt eine KI beispielsweise nie direkt ein ganzes Gesicht, sondern setzt einzeln identifizierte Muster nach und nach zusammen, bis so aus Augen, Mund und Nase das Gesamtbild entsteht – und das passiert wie im menschlichen Gehirn innerhalb von Bruchteilen einer Millisekunde.

Damit die KI allerdings weiß, wie ein Gesicht überhaupt aussieht, aus welchen Einzelteilen es besteht und wie sie diese erkennt, benötigt sie Daten. Und zwar meistens jede Menge davon. Mithilfe tausender verschiedener Bilder bekommt sie nicht nur beigebracht, zwischen Mund und Nase, sondern auch zwischen einem tierischen und einem menschlichen Gesicht zu unterscheiden. Je mehr Übungsbilder sie hierbei nutzen kann – sprich je mehr sie trainieren kann –, umso besser lernt sie, die Dinge zu erkennen und auseinanderzuhalten. Während eine KI allerdings tausende Hunde- und Katzenbilder braucht, um einen Hund von einer Katze zu unterscheiden, braucht ein dreijähriges Kind hierfür nur einmal einen Hund zu sehen.
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Insbesondere wenn es um viele Daten geht, taucht der Begriff Big Data oft auf. Dieser ist allerdings gefühlt ebenso wenig definierbar wie KI selbst. Im Großen und Ganzen kann man jedoch sagen, dass es bei Big Data darum geht, riesige Datenmengen zu organisieren. Fragen wie „Wie komme ich an Daten?“, „Wie speichere ich sie?“ und „Wie bekomme ich aus der Datenmenge nützliche Infos heraus?“ und deren Beantwortung stehen hierbei im Vordergrund. Das alles hat jedoch meistens (noch) gar nichts mit KI zu tun. Die beiden Begriffe verbinden sich erst dann miteinander, wenn die KI in ihrem Lernprozess auf Daten zurückgreift, die aus Big Data gewonnen wurden. Big Data selbst ist also nicht künstlich intelligent – es kann lediglich als Nahrung für die KI dienen. Doch wie kann ein künstlich intelligentes System das verwerten?
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Der oben genannte Lernprozess kann auf unterschiedliche Weisen stattfinden. Eins der bekanntesten und meistgenutzten Verfahren ist das Machine Learning (ML, auf Deutsch: maschinelles Lernen), das auf zwei verschiedene Arten genutzt werden kann. Zum einen gibt es das supervised learning (auf Deutsch: überwachtes Lernen), bei dem die KI mittels eines Trial-and-Error-Prinzips lernt. Konkret bedeutet das: Das System lernt anhand tausender Frage-Antwort-Paaren die richtigen Antworten und muss sich anschließend bei einem Test mit unbekannten Daten beweisen. Besteht es diesen, ist es einsatzbereit und kann neue unbekannte Daten analysieren.

Zum anderen dagegen gibt es das unsupervised learning (auf Deutsch: unüberwachtes Lernen). Hierbei ist das System auf sich allein gestellt, es sind keine Frage-Antwort-Paare vorhanden, die es lernen kann. Die KI bekommt in diesem Fall teilweise eine Menge Daten zur Verfügung gestellt (zum Beispiel aus Big Data) und muss selbst herausfinden, was sie mit ihnen anfängt. So muss sie versuchen, bestimmte Muster zu erkennen und daraus Regeln abzuleiten – und sich entsprechend anpassen. Auf diesem Weg hat sich beispiels-weise die KI ‘AlphaGo‘ von Google das Spiel ‘Go‘ beigebracht, ohne vorher die Regeln gekannt zu haben.
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Eine Technik, auf die beim Machine Learning oft zurückgegriffen wird, sind sogenannte neuronale Netze. Diese Netze haben unser menschliches Gehirn als Vorbild und bestehen aus vielen künstlichen Neuronen, über die das System auf den unterschiedlichsten Wegen lernen kann. Je mehr Neuronenschichten vorhanden sind, umso mehr Wege gibt es – und umso komplexer können die Sachverhalte sein, die das System bearbeiten soll. Der Mensch muss in diesen Lernvorgang meist nicht mehr eingreifen unüberwachtes Lernen.
Wenn die KI mit einem Netz lernt, das besonders viele Schichten hat, das also wirklich „in die Tiefe“ geht, dann wird dies Deep Learning (DL, auf Deutsch: tiefes Lernen) genannt. Diese Methode eignet sich sehr gut, um große Datenmengen zu untersuchen und hierbei Muster zu erkennen oder Modelle zu entwickeln. So wird es beispielsweise oft genutzt, wenn es darum geht, Gesichter, Objekte oder Sprache zu erkennen. Denn über die Zeit hat sich gezeigt, dass KI diese Aufgaben besser mittels DL lösen kann als mit anderen ML-Techniken.
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Ein Bereich, in dem Verfahren wie ML oder DL eingesetzt werden und der im KI-Begriffs-Dschungel ebenfalls öfter genannt wird, ist Data Mining. Übersetzt man diesen Begriff ins Deutsche, führt er etwas in die Irre. Denn es geht hierbei nicht darum, Daten so abzubauen (Englisch: to mine) wie man zum Beispiel Kohle abbaut. Sondern darum, unübersichtliche Datenmengen mithilfe von Algorithmen zu sortieren, um daraus bestimmte Erkenntnisse beziehungsweise Ergebnisse zu gewinnen. So können Versicherungen beispielsweise automatisiert Betrüger erkennen oder Netflix seinen Nutzern passende Serien empfehlen und Trends abschätzen.

Eine spezielle Form des Data Minings ist das Text Mining: Hierbei werden lediglich Textdaten wie Zeitungsartikel, Tweets oder Reden analysiert. Spezielle Techniken wie das Natural Language Processing (NLP) sorgen dafür, dass die Maschine die Textdaten – sprich unsere Sprache – versteht. NLP beispielsweise kombiniert hierfür Methoden aus den Sprachwissenschaften mit KI-Methoden wie dem ML.
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Ein weiteres Gebiet, das teilweise KI nutzt, ist die Robotik. Diese beschäftigt sich damit, Roboter zu entwickeln. Im Prinzip geht es dabei darum, die Elektronik und Mechanik einer Maschine mithilfe der Informatik so miteinander zu verbinden, dass diese gemeinsam gesteuert werden und zusammen-arbeiten können. Wird ein Roboter mithilfe von KI pro-grammiert, dann zählt er als intelligent. Dies zeigt sich allerdings bisher nur in einer schwachen Form. Führt ein Roboter lediglich stumpf immer die gleichen Bewegungen aus, ohne sich dabei von selbst an geänderte Bedingungen anzupassen, dann steckt höchstwahrscheinlich keine KI in ihm. Dies betrifft viele Maschinen, die in der Industrie für Routinearbeiten eingesetzt werden. Kann der Roboter dagegen beispielsweise wie ein Chatbot Sprache erkennen und mit Menschen reden – sprich autonom mit jemandem kommunizieren –, dann agiert er zumindest in diesem Bereich intelligent. Wissenschaftler sind allerdings noch weit davon entfernt, einen Roboter zu bauen, der sich komplett wie ein Mensch verhält, der wie dieser denkt, fühlt und handelt und demnach stark intelligent wäre.
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Intelligentes Schulbuch (Hypermind)

Ein Schulbuch, das sich individuell an jeden Schüler anpasst, das Fachbegriffe, die der Leser nicht versteht, automatisch erklärt. Oder das zu komplexen Themenbereichen von selbst Videos abspielt. Was wie der Traum eines jeden Schülers klingt, könnte dank eines Projekts der Technischen Universität Kaiserslautern (TU) und dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) bald Alltag in den Schulen werden.


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Der erste Unterschied zu einem klassischen Schulbuch fällt direkt auf – HyperMind wird am PC gelesen. Das digitale Buch erkennt automatisch, wo der Schüler hinschaut und ob er manche Stellen eventuell länger als gewöhnlich oder wiederholt betrachtet. Das ist ein Zeichen dafür, dass der Lernende den Inhalt entweder sehr interessant findet oder womöglich nicht versteht – und ein Signal für das Schul-buch. Mithilfe dieses Signals kann es sich individuell auf jeden Schüler einstellen. Wo es nötig ist, spielt es dem Leser Zusatzinformationen zu: Fachbegriffe werden in einfachen Texten erklärt, komplexe Inhalte mithilfe von Bildern, Grafiken oder Videos veranschaulicht. Die einzelnen Bausteine helfen dem Schüler, das Thema in seinem eigenen Lerntempo zu verstehen – oder das Wissen über ein spannendes Feld zu vertiefen. Prof. Dengel sieht viele Vorteile für den Schüler:
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Doch woher weiß HyperMind, wo der Schüler gerade hinschaut? Und ob dieser interessiert liest oder Ver-ständnisprobleme hat? Für dieses Wissen sorgt eine Künstliche Intelligenz (KI), die unter anderem mit einem Eyetracker arbeitet. Eine Kamera, die am Bildschirm befestigt ist, nimmt jede noch so kleinste Bewegung der Augen auf. Und das intelligente System analysiert diese dann. So kann das Buch beispielsweise erkennen, ob der Leser eine bestimmte Stelle länger als gewöhnlich fixiert oder ob seine Augen sich sakkadisch bewegen – sprich, ob sie schnell und ruckartig von einem Wort oder Objekt zum nächsten springen. Doch HyperMind setzt noch auf weitere intelligente Bausteine. 
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Auch wenn das Schulbuch erkennt, wie gut oder schlecht ein Schüler mit dem Inhalt zurechtkommt: Lernen muss derjenige immer noch selbst. Denn Aufgaben, die den aktuellen Wissensstand testen, müssen weiterhin bearbeitet werden – wie immer schon. Die KI spielt jedoch auch beim Bearbeiten der Aufgaben eine Rolle: Sie merkt sich, ob der Schüler die Inhalte vorher besser mithilfe von Diagrammen, Videos oder Bildern gelernt hat, und erkennt die daraus aufgenommenen Informationen in der Lösung wieder. Dadurch kann sie den Lernenden noch besser kennenlernen, individuell unterstützen und eingreifen, wenn der Schüler sich beispielsweise statt Diagrammen nur noch Videos anschaut. In diesem Fall könnte HyperMind ihm gezielt Diagramme zeigen – gepaart mit Videos, die ihm erklären, wie er selbst Diagramme erstellt oder diese analysiert.
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Bei all der Hilfe, die HyperMind bietet, stellt sich jedoch auch die Frage nach dem Datenschutz. Wird mit solch intelligenten Büchern am Ende der gläserne Schüler erschaffen? In einem Interview mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sagt Professor Jochen Kuhn von der TU Kaiserslautern, dass der Prototyp zurzeit noch „komplett mit anonymisierten Daten“ arbeitet und sie demnach „keine Rückschlüsse auf einzelne Personen ziehen“ können. Für den Einsatz im Schulalltag werde jedoch noch ein Datenschutz-konzept erstellt, das auf der Datenschutz-Grundverordnung basiere, ergänzt er.
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Weltraumroboter

Die Weiten des Universums faszinieren Menschen schon seit langer Zeit. Was befindet sich hinter den Sternen? Existiert außerirdisches Leben? Wie sind andere Planeten beschaffen und können Menschen dort überleben? Künstliche Intelligenz (KI) kann helfen, vor allem Fragen wie die letzte zu beantworten.

Am Robotics Innovation Center des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) entwickeln Wissenschaftler Weltraumroboter, die in Zukunft autonom fremde Planeten für uns Menschen auskundschaften sollen. Steffen Planthaber vom DFKI erklärt, warum es so wichtig ist, dass sie autonom im Weltall agieren:
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Die in Bremen entwickelten Roboter sind zwar noch nicht soweit, dass sie den Weltraum alleine unsicher machen können. Allerdings können sie bereits Objekte und Hindernisse erkennen und diesen selbstständig ausweichen. Der vierbeinige Roboter SherpaTT beispielsweise hat im Winter 2018 in der marokkanischen Wüste gezeigt, was er schon kann: Er legte eine Strecke von 1,4 Kilometern autonom zurück. Wenn ihm dabei schmale Passagen oder Hindernisse wie große Steine in den Weg kamen, führte er seine Beine automatisch enger zusammen oder spreizte sie, um weiterzukommen.

Begleitet wurde er von seinem kleinen Kollegen, dem Coyote III. Das Roboterteam sollte gemeinsam eine Sample-Return-Mission simulieren. Dabei erkundete der große SherpaTT die Umgebung und nahm an interessanten Stellen Bodenproben. Der Mikro-Rover Coyote III fuhr ihm hinterher, sammelte die Proben ein und brachte diese dann sicher zurück zur Basisstation.
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Doch wieso werden die Roboter überhaupt in einer Wüste getestet? In Bremen, dem Heimatort der intelligenten Maschinen, haben sie schließlich einen selbstgebauten Mond-krater direkt vor der Nase. Laut Planthaber reicht die 288 Quadratmeter große Weltraumhalle jedoch nur für die ersten Tests. Um zu schauen, ob Roboter wie SherpaTT und Coyote III auch mit neuen Herausforderungen, wie sie in der realen Welt ständig auftauchen, umgehen können, müssen sie raus. Und da die Weltraumroboter zunächst hauptsächlich auf dem Mond oder auf dem Mars arbeiten sollen, müssen sie sich in ähnlichen Gebieten zurechtfinden: Auf der Erde sind das dann Wüsten wie in Marokko oder Utah, USA oder auch Lavahöhlen auf Teneriffa.
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Die Weltraumroboter des DFKI haben die Erde jedoch alle noch nicht ein einziges Mal verlassen. Zum einen ist ihre Technik noch nicht fertig ausgereift, zum anderen dienen sie in erster Linie als Forschungsplattform. Mit ihnen werden mögliche Weltraummissionen simuliert und bis aufs kleinste Detail getestet. Wenn die Roboter soweit sind, dass sie vollkommen autonom agieren können und den Herausforderungen der Arbeit auf Mars und Mond gewachsen sind, werden ihre intelligenten Systeme auf „echte“ Weltraumroboter über-tragen, heißt es seitens des DFKI in einem Interview der Reihe „Fragen? Experten antworten!“ des Stadtportals Bremen. Die Erkenntnisse, die das Forscherteam über die Weltraumroboter gewinnt, nutzen uns Menschen jedoch auch in anderen Gebieten:
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KI im Notfalleinsatz

Was auf Robotik-Wettbewerben schon erfolgreich praktiziert wird, soll helfen, in Zukunft Menschenleben zu retten. An der TU Darmstadt entwickeln Forscher und Studierende Rettungsroboter, die in Krisensituationen Einsatzkräfte unterstützen sollen.

Nach schweren Naturkatastrophen gelingt die Bergung von Unglücksopfern oft nur unter Lebensgefahr der Retter. Im Untergeschoss des Alten Hauptgebäudes der TU Darmstadt arbeitetet Team ‘Hector‘ mit Hochdruck daran, dass sie schon bald selbstständig Menschen aus Gefahrenzonen retten. 
Unter der Führung von Prof. Oskar von Stryk, Leiter des Fachgebiets Simulation, Systemoptimierung und Robotik im Fachbereich Informatik, forscht ein junges Team aus Studierenden und wissenschaftlichen Mitarbeitern an Fragestellungen, wie Roboter sich in unbekannten Um-gebungen zurechtfinden und autonom handeln können. Kevin Daun erklärt, in welchen Gefahrensituationen solche Roboter zum Einsatz kommen:
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Prominenter Einsatzort eines Roboters war vor kurzem die Pariser Kathedrale Notre Dame während des aufsehen-erregenden Brands. Der Roboter ist einen geraden, breiten Gang entlanggefahren, hat das Innere erkundet und die Feuerwehr bei  den Löscharbeiten unterstützt, berichtet Kevin Daun.
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Unter der blinkenden Warnleuchte auf dem Kopf des Roboters, die den aktiven Betrieb anzeigt, befindet sich ein 3D-Scanner. Wie ein Mensch, kann Johnny  mit seinen Augen 3D sehen. Mit Hilfe seiner Hände undzweier Fingerpaare greift er Gegen- stände wie etwa einen Akkuschrauber oder räumt ein Hinder- nis aus dem Weg.


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So groß bin ich

Zum meiner Sicherheit

Mein Gehirn

Meine Power

Mein Antrieb

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Basierend auf den bei Team Hector gesammelten Erfahrungen, bringt das von Mitgliedern gegründete Start-Up ‘Energy Robotics‘ schon jetzt Roboter in die industrielle Anwendung. So kommen die Roboter des jungen Unternehmens z. B. schon auf niederländischen und belgischen Öl- und Gasplattformen zum Einsatz. Dort unterstützen sie die Arbeiter bei Ihren gefährlichen Aufgaben: Der Roboter, der einem großen Staubsauger aus Metall ähnelt, fährt auf den Plattformen farblich markierte Strecken ab und misst mit seinen Sensoren kontinuierlich Gaskonzentrationen.


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Jasmin, ebenfalls einer der Roboter des Teams, ist in ihrem Tun schon wesentlich weiter als Johnny. Basierend auf einem Kettenantrieb und mit Hilfe zahlreicher Sensoren und Kameras, erkundet der kleine Roboter autonom und vollautomatisch die Umgebung. Hindernisse überwindet Jasmin mit Hilfe ihrer Assistenzfunktionen, umgeht sie oder räumt sie mittels des Greifarms aus dem Weg.  Aber was daran ist künstlich intelligent?
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In absehbarer Zeit und mit verfügbaren Technologien hält Kevin Daun den Schritt in Richtung einer assistierten Rettung für durchaus realistisch. Vorstellbar wäre beispielsweise eine autonome Trage, die Verletzte aufnimmt und transportiert. Volle Autonomie sieht Daun als Fernziel: „Wie auf dem Weg zum autonomen Fahren, wird es auch in der Rettungsrobotik zunächst autonome Assistenzfunktionen geben, die die Bedienung des Roboters einfacher machen.“
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Politik & Gesellschaft

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KI & Religion

Seit Jahrtausenden dient die Religion den Menschen als Anker. Dass intelligente Technologien Geschäftsprozesse verbessern können, klingt einleuchtend. Doch können sie auch in die heiligen Bereiche der Kirche und des Glaubens einziehen?

Benediktinermönch Pater Zacharias Heyes aus der Abtei Münsterschwarzach betrachtet die künstliche Intelligenz aus der religiösen Perspektive und liefert Antworten zu Fragen rund um Menschen, Kirche und Gott.
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Roboter, die in Gottesdiensten eingesetzt oder als eigenständige Gottheit verehrt werden? Was auf den ersten Blick unglaublich klingt, wird durch die Kirche "The Way Of The Future" von Anthony Lewandowski Realität. Der Unternehmer möchte mittels Computercodes einen neuen Erlöser schaffen. Sein Gedanke dahinter: "Wenn etwas eine Milliarde Mal klüger ist als der klügste Mensch, wie soll man eine solche Instanz anders nennen als Gott?"

Unser Menschen- und Gottesbild basiert unter anderem auf Liebe, gegenseitigem Verständnis und der Vergebung der Sünden. Selbst wenn ein Roboter irgendwann Gefühle und Empathie empfinden könnte – wäre er jemals so verständnisvoll wie Gott? Könnte er uns unsere Sünden vergeben, wenn er aufgrund der Datenmasse in seinem "Kopf" niemals vergessen wird? Doch abgesehen davon: Kann eine KI Gott überhaupt jemals ersetzen? Pater Zacharias hat darauf eine eindeutige Antwort.
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In Wiesbaden ist die KI bereits in den Gottesdienst eingezogen: Hier ist der sprechende Segensroboter "BlessU-2" im Einsatz. Über einen Touchscreen können die Menschen mit ihm kommunizieren und ihn dazu auffordern, sie zu segnen. Daraufhin hebt der Roboter seine leuchtenden Arme und spricht dem Gläubigen vor sich gut zu – in einer von sieben Sprachen. Und wer möchte, kann sich den Segensspruch direkt ausdrucken lassen.

Die hessische Gemeinde reagierte auf das Experiment mit gemischten Gefühlen. Während manche "BlessU-2" interessant fanden, sprach sich eine Gläubige strikt gegen ihn aus: "Der Roboter sollte ins Technik-Museum kommen, nicht in unsere Kirche. Hier braucht man richtige Seelsorger mit Herz und Seele." Auch Pater Zacharias hat eine klare Meinung dazu, ob ein Segen von einem Roboter gültig ist.




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Die Zehn Gebote sind ein Ur-Regelwerk der Bibel: Sie sollten im Christentum ein Leben lang eingehalten werden. Bestimmte KI-Technologien verstoßen jedoch gegen diese heiligen Vorschriften.

So heißt es schon im ersten Gebot: "Ich bin der Herr, Dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir." Wenn Anthony Lewandowski in seiner Kirche "The Way Of The Future" mittels KI einen neuen Gott erschafft, klingt dies stark danach, als ob er damit gegen diese heilige Vorschrift verstößt. Doch zählen KI-Gläubige überhaupt noch zu den Christen? Oder haben sie genauso wie Buddhisten oder Hinduisten das Recht darauf, an etwas anderes als den einen Erlöser zu glauben? Fragen, die vielleicht nur Gott allein uns beantworten kann.



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Nicht nur das erste Gebot, sondern auch das sechste stellt im Bereich der intelligenten Technologien Konfliktpotenzial dar. Denn dieses besagt ganz klar: "Du sollst nicht töten." Über Leben und Tod soll also alleine Gott entscheiden dürfen. Für uns Menschen gilt das Töten als eine der schwersten Straftaten. Autonome Waffensysteme, die ohne den Befehl eines Menschen selbstständig schießen, gibt es schon seit einigen Jahren. Allerdings zielen diese bis auf ganz wenige Ausnahmen nur auf leblose Objekte.

Mittels KI erschaffene Kriegsroboter, auch "Killerroboter" genannt, könnten irgendwann ganz ohne menschliches Zutun auf dem Schlachtfeld stehen und autonom darüber entscheiden, wen sie töten. Ob sie dabei immer zwischen unschuldigen Zivilisten und feindlichen Angreifern werden unterscheiden können, ist zurzeit noch unklar. Die Forscher stehen hier vor einer Reihe ethischer und technischer Fragen, die noch gelöst werden müssen. 





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So verrückt die genannten Ideen zum Einsatz von KI in der Religion auch klingen mögen, sie berühren urmenschliche, philosophische und theologische Fragen. Woher kommen wir, wohin gehen wir, und soll das hier schon alles sein?

Die Zukunft wird neue, spannende Antworten auf diese Fragen mit sich bringen. Ob ein Mensch an den christlichen Gott, viele hinduistische Götter oder schließlich an eine KI glaubt, sollte ihm jedoch auch weiterhin selbst überlassen sein. Laut Pater Zacharias ist es im Bezug auf unsere gesamte Gesellschaft jedoch wichtig, die Gefahren im Blick zu haben.


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Anwendung & Geschäftsfelder

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Social Bots

Social Bots erlangten 2016 erstmals weltweite Aufmerk-samkeit. Damals wurde bekannt, dass Donald Trump und Hillary Clinton im US-Wahlkampf auf die digitalen Helfer zurückgriffen. Dabei verbreiteten die Social Bots manipulierte Botschaften im Netz und beeinflussten somit die Meinungen der Bürger.  Auch in Deutschland erreichten Social Bots die Politik, doch forderte Außenminister Heiko Maas (SPD) bereits im Juli 2017 auf, komplett darauf zu verzichten. Er sprach von täuschend echten Beiträgen, die Meinungen beeinflussen und Wahlen manipulieren können. Alle Parteien des Bundestags stimmten daraufhin zu, Social Bots nicht im Wahlkampf einzusetzen. 
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Ein Social Bot ist ein computergesteuertes Programm, das in sozialen Medien kommuniziert – sich also als realen User ausgibt. Dabei führt die Software mithilfe eines vorprogrammierten Verhaltensmusters (Algorithmen) festgelegte Aufgaben eigenständig aus. Entwickler perfektionieren die zugrundeliegenden Algorithmen kontinuierlich. Längst können Social Bots menschliches Verhalten imitieren und im Internet autonom interagieren. Daher wird es immer schwieriger, Aktivitäten eines Social Bots von denen eines Menschen zu unterscheiden.
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Ein Social Bot sucht nach Keywords oder scannt Twitter Timelines und Facebook-Posts, um bestimmte Wörter oder Hashtags zu finden. Ist ein Bot fündig geworden, reagiert er mit vorbestimmten Antworten und Kommentaren. In Ausnahmefällen können Bots sogar eigene Aussagen formulieren. Diese werden dann aus Texten zusammengebaut, die der Bot auf bestimmten Internetseiten findet. Durch das Zusammenbauen von Texten ergeben sich mehr oder weniger sinnhafte Posts. In bestimmten Fällen kopiert ein Bot auch kurzerhand ganze Aussagen realer User. 

Solch einen Bot zu erstellen, erfordert heutzutage keine großen Informatik-Kenntnisse mehr. Es gibt mittlerweile vorgefertigte Programme, mit deren Hilfe man einen einfachen Social Bot mit etwas Geld und ein paar Minuten Zeit schnell selbst erstellen kann.
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Data Scientist Lutz Finger unterscheidet im Forbes Magazin zwischen fünf möglichen Funktionen eines Social Bots:

Die wahrscheinlich bekannteste ist die zur Bekanntheits-steigerung. Hierbei fungieren die Bots als augenscheinlich echte Menschen, die einer Person, einem Unternehmen oder einem Produkt folgen oder dieses liken. 

Eine weitere und für User weitaus nervenaufreibendere Art von Social Bots sind Bots, die spammen – sprich User regelrecht verfolgen und mit Informationen bombardieren. Mit Nachrichten und Posts versuchen sie, ähnlich wie Spam-E-Mails, den User zu einem bestimmten Verhalten zu überreden. 

Gefährlicher sind Social Bots, die versuchen, anderen durch Unfug zu schaden. Ein Bot kann sich beispielsweise als eine Person des öffentlichen Interesses ausgeben, um deren Ansehen mithilfe des für echt gehaltenen Fake-Accounts herabzusetzen.  

Darüber hinaus gibt es Social Bots, die versuchen, die öffentliche Meinung zu beeinflussen – durch eine Vielzahl an Bots (Bot-Netzwerk), die bestimmte Schlagworte oder Hashtags immer wieder verwenden. Diese Bots täuschen somit künstliche Popularität bestimmter Themen vor oder stellen Ereignisse dar, die so nie stattgefunden haben. 

Zu guter Letzt gibt es Social Bots, die versuchen, die freie Rede einzuschränken. Durch das dauerhafte Spammen von Nachrichten rutschen wichtige beziehungsweise reale Posts oder Tweets in den Timelines immer weiter nach unten. Nutzer lesen somit nur noch die obersten und daraus folgend die gefälschten Kommentare.
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Einen Social Bot von einem realen User zu unterscheiden, ist oft schwieriger, als es auf den ersten Blick scheint. Denn die Technik hinter den Bots – der Algorithmus – verändert sich täglich. Basierend auf Erkenntnissen der Oxford University werden Accounts, die durchschnittlich 50 oder mehr Tweets oder Likes pro Tag abgeben, als Bot identifiziert. Problematisch ist hierbei jedoch, dass sehr aktive User, wie beispielsweise Blogger oder Influencer, automatisch als Bot kategorisiert werden.

Unternehmen wie „Botswatch“ haben sich darauf spezialisiert, Bots in sozialen Netzwerken zu identifizieren. Mithilfe eines Tools, das verschiedene Kriterien in Echtzeit prüft, erkennen sie frühzeitig auffällige Accounts. Ihre Erkenntnisse geben sie an Nachrichtenagenturen und Medienunternehmen weiter. Schließlich nehmen Social Bots gerade in Krisensituationen wie einem Terroranschlag besonders Fahrt auf. 

Auch die Betreiber von Social Media Plattformen sind sehr bemüht, Social Bots zu identifizieren. Dennoch ist es fast unmöglich, alle Bots auf einer Plattform zu löschen. Die Plattform Twitter beispielsweise hat in einer Offensive gegen Fake-Accounts und Bots im Mai und Juni 2018 insgesamt rund 70 Millionen auffällige Konten gesperrt.
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Ein vom Bundestag beauftragter, 20-köpfiger Sachver-ständigenrat kam im April 2017 zu folgendem Ergebnis: Bisher gebe es nur eine begrenzte Anzahl an prominenten Beispielen, auf die sich sowohl die Presse als auch die Forschung stürze. Daher sei es kaum verwunderlich, dass es noch keine wissenschaftlichen Studien gebe, in denen nachgewiesen werde, inwiefern Social Bots gesellschaftliche Gruppen beeinflussen.

Unter Experten bleibt es weiterhin strittig, ob wir uns davor fürchten müssen, dass Social Bots uns manipulieren. Nur weil eine Nachricht von vielen Nutzern geteilt wird, muss dies letztendlich nicht bedeuten, dass dies andere Nutzer in ihrem Verhalten beeinflusst.
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Predictive Policing

Das Jahr 2054: Eine Spezialeinheit der Polizei von Washington, D.C erkennt Morddelikte mithilfe hellseherischer Fähigkeiten, bevor sie überhaupt passieren. So können die Taten verhindert werden, die Mordrate in der Hauptstadt der USA sinkt auf null. Diese Zukunftsvision aus dem Spielfilm “Minority Report” beginnt, Realität zu werden. Allerdings nicht mithilfe hellseherischer Fähigkeiten, sondern mit künstlicher Intelligenz (KI).

Künstliche Intelligenz hat bereits Einzug in viele Lebensbereiche gehalten. Doch was wäre, wenn sie unseren Alltag nicht nur effizienter, sondern unser Leben sicherer machen würde? Genau das verspricht Predictive Policing – die vorausschauende Polizeiarbeit. Die Idee der Polizeiarbeit der Zukunft ist einfach: Statt Verbrechen aufzuklären, sollen diese mithilfe von Big Data und KI möglichst genau vorhergesagt und somit verhindert werden.

Hinter dem Ganzen steckt eine intelligente Software, die Daten und Statistiken analysiert und nach Mustern und Korrelationen sucht. Daraus errechnet sie die Wahrscheinlichkeit künftiger Straftaten mit Tatort und -zeit. Mithilfe dieser Ergebnisse können Polizeieinsätze genauer und effizienter geplant, Geld gespart und die öffentliche Sicherheit verbessert werden.
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In Deutschland verwenden oder testen zurzeit sechs Bundesländer die Software – hauptsächlich, um Wohnungs-einbrüche zu bekämpfen. Als Vorreiter gilt in diesem Bereich Bayern: Dort ist seit 2014 die kommerzielle Software PRECOBS im Einsatz, die mithilfe von intelligenten Algorithmen Verbrechen vorherzusagen verspricht.

PRECOBS basiert auf dem Near-Repeats-Modell. Dieses besagt, dass ausgehend von einem Triggerdelikt, die Wahrschein-lichkeit einer unmittelbaren Folgetat in der näheren Umgebung des Tatorts steigt. Konkret bedeutet das: Nach einem Wohnungseinbruch besteht in den darauffolgenden Tagen erhöhte Gefahr, dass auch in der Nachbarschaft eingebrochen wird. Der Ansatz basiert auf der Annahme, dass insbesondere Serientäter und professionell organisierte Verbrecher rational Nutzen und Kosten abwägen. Haben sie die Gegend bereits einmal ausgespäht und kennen mögliche Gewinne und Fluchtwege, liegt es nahe, am gleichen Ort noch einmal zuzuschlagen. 
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2015 startete auch Baden-Württemberg in den Kreisen Stuttgart und Karlsruhe ein Pilotprojekt mit der PRECOBS-Technologie, da in diesen beiden Gebieten verglichen mit dem Rest des Bundeslandes oft eingebrochen wird. Das Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht begleitete die einjährige Testphase – und kam zu dem Schluss, dass Predictive Policing vermutlich einen positiven Effekt hat. Eindeutig nachweisbar ist er jedoch nicht. Laut der Forschungseinrichtung gingen im Beobachtungszeitraum die Wohnungseinbrüche in den Stadtkreisen Stuttgart und Pforzheim zwar zurück. Allerdings sank auch in anderen baden-württembergischen Städten, die nicht Teil des Projekts waren, die Fallzahl. Der Rückgang der Straftaten kann also nicht ohne weiteres nur dem Einsatz der neuen Technologie zuge-schrieben werden, weil viele Faktoren die Kriminalitäts-entwicklung beeinflussen.
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Nordrhein-Westfalen geht beim Predictive Policing zur Kriminalitätsbekämpfung noch einen Schritt weiter: Hier prognostiziert das vom Landeskriminalamt (LKA) eigens entwickelte System SKALA zusätzlich zu Wohnungseinbrüchen auch Gewerbeeinbrüche. Neben polizeilichen Falldaten, werden dabei auch soziodemographische Daten wie Einwohner- und Gebäudestruktur, Verkehrsanbindung, Kaufkraft und Mobilität in die Analyse einbezogen. Diese bezieht das LKA, laut eigener Aussage, kommerziell.

Die Beispiele aus Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen zeigen, wie die Polizeiarbeit mithilfe künstlicher Intelligenz modernisiert und die Polizeibehörden entlastet werden. Aber wo Deutschland noch weit weg von Science-Fiction-Scenarios á la “Minority Report” ist, sind die USA der Zukunftsvision schon ein ganzes Stück näher: Laut einer Befragung wandten im Jahr 2014 bereits etwas mehr als zwei Drittel aller amerikanischen Polizeistationen Predictive-Policing-Methoden an – und zwar nicht nur, um Einbrüche zu bekämpfen.
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In Chicago wird nicht nur vorhergesagt, wo ein Verbrechen stattfinden, sondern auch, wer der Täter sein wird. Denn hier wertet die lokale Polizeibehörde nicht nur die Daten zu Straftaten, sondern auch personenbezogene Daten aus und kombiniert diese mit weiteren Informationen wie Wetterdaten und sozioökonomische Faktoren von Risikogebieten. So sollen vor allem Schießereien und Morde verhindert werden.

Möglich macht dies eine Liste mit potenziellen Gefährdern, die „Strategic Subject List“. Sobald eine Person polizeilich auffällig wird, wird sie nach einem Punktesystem bewertet – je höher die Punktzahl, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Person wieder straffällig wird. Grundlage des Punktesystems ist ein intelligenter Algorithmus, der acht Faktoren wie z. B. die Mit-gliedschaft in einer Gang oder einer Verhaftung wegen eines Drogendelikts analysiert und für die jeweilige Person aus-wertet. Die Polizisten gehen gemeinsam mit Sozialarbeitern auf potenzielle Gefährder zu und versuchen sie vor Rückfällen zu bewahren. Das Chicago Police Department berichtet, dass die Anzahl von Schießereien und Morden in den Einsatzgebieten des Predictive Policing sinkt.
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Obwohl sich in den USA gezeigt hat, dass Predictive Policing erfolgreich sein kann, kritisieren Bürgerrechtsorganisationen das Vorgehen. Sie sehen die Gefahr vor allem  im Racial Profiling, also der strategischen Diskriminierung ethnischer und religiöser Minderheiten. Da Predictive Policing mit Daten aus der Vergangenheit arbeitet, setzt ein selbstverstärkender Effekt ein – bereits benachteiligte Bevölkerungsgruppen werden systematisch weiter benachteiligt.

Ein weiterer Kritikpunkt ist das Thema Datenschutz. Theoretisch ist es möglich, eine Unmenge an Daten zu sammeln und miteinander zu verknüpfen, um genauere Analysen zu erhalten. Praktisch ist dies jedoch oft aufgrund datenschutzrechtlicher Bestimmungen schwierig. In Deutschland werden daher (noch) keine personenbezogenen Daten genutzt, um Kriminalität präventiv mithilfe von KI zu bekämpfen.
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Im Film „Minority Report“ wird aufgrund einer falschen Vorhersage ein Unschuldiger verhaftet. Dies wirft die Frage auf, wie weit man überhaupt gehen darf, wenn es darum geht, mögliche Straftaten und vor allem Täter mittels einer KI vorauszusagen. Inwieweit kann man einem Algorithmus, der lediglich mathematische Zusammenhänge analysiert, vertrauen? Oder ihn gar über die Zukunft eines Menschen entscheiden lassen? Die Polizeiarbeit der Zukunft bietet zwar die Chance, die Gesellschaft sicherer zu machen, aber um welchen Preis?
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Gesichtserkennung

Während eines ihrer Konzerte in Kalifornien im Mai 2018 ließ die Sängerin Taylor Swift unbemerkt ihre Zuschauer scannen. Das geht aus einem im Dezember 2018 erschienenen Bericht des Magazins „Rolling Stone“ hervor. Insgesamt 90.000 Zuschauer betrachteten Probe-Aufnahmen der Sängerin auf einem Bildschirm – ohne zu wissen, dass eine Kamera dahinter ihre Gesichter erfasste. Eine Gesichtserkennungssoftware verglich diese dann mit Gesichtern bekannter Swift-Stalker. Was hierzulande wie ein Horrorszenario klingt, ist in den USA aufgrund geringer datenschutzrechtlicher Regulierungen durchaus möglich.
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Eine Gesichtserkennungssoftware ist ein Programm, das auf Künstlicher Intelligenz (KI) basiert. Der intelligente Algorithmus kann selbstständig Gesichter erkennen, kategorisieren und vergleichen. Hierfür muss der Computer das Gesicht allerdings in ein sogenanntes biometrisches Datum umwandeln. Dafür vermisst er bestimmte Merkmale wie die Größe und Position der Augen oder den Abstand zwischen Nase und Mund. Aus den errechneten Daten entsteht ein Muster – der sogenannte Hashwert, der für jeden Menschen einzigartig ist.

Die Software vergleicht also nicht einfach zwei Gesichter miteinander, sondern deren Hashwerte. Sie wird jedoch nicht nur für das reine Erkennen und Vergleichen von Gesichtern eingesetzt. So kann sie auch die Emotionen von Menschen erfassen und auswerten – die Ergebnisse werden beispielsweise für Werbezwecke genutzt oder um Einbrecher von Bewohnern zu unterscheiden. Auch Deep-Learning-Netzwerke spielen im Bereich der Gesichtserkennung eine große Rolle. Mithilfe künstlicher neuronaler Netze sollen Gesichter in Zukunft noch besser und zuverlässiger erkannt werden.
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Wenn Gesichter mithilfe einer Software erkannt werden, spart dies zunächst einmal Zeit. Ob beim Entsperren des eigenen Smartphones, beim Bezahlen im Restaurant oder beim Betreten des Flugzeugs: Die KI arbeitet schneller, als der Mensch getippt, seinen Geldbeutel oder seine Bordkarte am Flughafen gezückt hat.

Für Befürworter intelligenter Überwachungssysteme ist jedoch vor allem der Aspekt der Straftatenprävention wichtig. Würden Bahnhöfe, Flughäfen und andere öffentliche Plätze mit Kameras ausgestattet, die mit einer Gesichtserkennungs-software arbeiten, würde dies die Suche nach Straftätern oder Terroristen deutlich erleichtern. Verbrecher könnten demnach schneller geschnappt und Anschläge verhindert werden.
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Wer Gesichtserkennungssoftware anwendet, greift in die Privatsphäre des Einzelnen ein. Passiert dies auf öffentlichen Plätzen, werden gleichzeitig Stimmen laut, die vor ständiger Überwachung warnen und Szenarien wie in Orwells Roman „1984“ heraufbeschwören. Während zum einen die Privat-sphäre des Einzelnen gegen das Gemeinwohl abgewogen werden muss, müssen die erfassten Daten zum anderen vor Missbrauch geschützt werden. Beispielsweise könnten Hacker der Software falsche Daten liefern, indem sie die KI mit x-beliebigen Profilbildern aus sozialen Netzwerken füttern – und diese dadurch am Ende Unschuldige mit Straftätern ver-wechseln. Das Thema Identitätsdiebstahl würde damit ganz neue Dimensionen erreichen.

Wie in vielen anderen Bereichen, in denen KI eingesetzt wird, gilt auch beim Thema Gesichtserkennung: Es gibt noch eine Menge datenschutzrechtlicher, politischer und ethischer Fragen, die vor dem massenhaften Einsatz dieser Systeme geklärt werden müssen. Während Apps wie „FaceID“ und „Trusted Face“ bisher nur privat genutzt werden, betrifft die Überwachung öffentlicher Plätze mittels intelligenter Videosoftware jeden Bürger. Auch wenn die Technologie bereits existiert, der Weg, der Sicherheit mit Datenschutz und dem Recht auf Privatsphäre verbindet, muss in Deutschland noch gefunden werden.
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Autonome Lieferdrohne

Verstopfte Straßen machen beim Warentransport die Nutzung neuer Technologien unumgänglich. Die Würzburger Emqopter GmbH hat diesen Bedarf erkannt und 2018 eine autonom fliegende Lieferdrohne auf den Markt gebracht. Die intelligente Software spielt bei deren Flugsystem eine entscheidende Rolle.

Wer auf dem ehemaligen Landesgartenschaugelände am Hubland in Würzburg die Ruhe und grüne Natur genießt, kann sie an manchen Tagen hören oder sehen. Die Drohne ist knallrot und hat in etwa die Größe eines Autoreifens. Mit ihren acht Propellern fliegt sie stabil in rund 50 Meter Höhe zu einem vorgegebenen Ziel. Das kann die von Emqopter entwickelte Drohne ganz ohne menschliche Hilfe. Seit 2010 forscht Nils Gageik an der dafür notwendigen Technik. Zunächst noch angestellt am Lehrstuhl für Informationstechnik für Luft- und Raumfahrt der Universität Würzburg, ist er heute einer der beiden Geschäftsführer bei Emqopter. Das 2016 gegründete Unternehmen zählt mittlerweile zehn Mitarbeiter. Der Standort am Hubland hat den Vorteil, dass neben den Büroräumen, dem Labor und der Werkstatt im Technologie- und Gründerzentrum auch Flugplatz und Flughalle am Campus Nord in direkter Nähe sind.
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Für Marvin Bihl, den für den wirtschaftlichen Bereich zu-ständigen Geschäftsführer, ist in Bezug auf den Transport von Gütern und sogar Menschen klar: „Der Verkehr wird sich Schrittweise von der zweiten Dimension in die dritte Dimension verlagern, also von der Straße in die Luft.“ Frank Albert von der IHK Würzburg-Schweinfurt hat jedoch seine Zweifel: „Ob sich eine Personenbeförderung zu erschwinglichen Preisen um-setzen lässt, muss sich in Zukunft erst noch zeigen.“ Der Referent für Innovation und Technologie verweist jedoch auch auf die bereits existierenden Lieferdrohnen. Im niedrigen Kilogrammbereich können schon heute Konsumgüter mit einer Drohne durch die Luft bewegt werden, zum Beispiel mit Drohnentechnik von Emqopter.
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Die Einsatzgebiete der autonomen Lieferdrohne werden sich auch in Deutschland ausweiten. Der humanitäre Bereich, wie beim Medikamententransport in der Schweiz, ist genauso umsetzbar wie die bereits von Emqopter angebotene Ver-bindung zweier Industriewerke, zwischen denen bestimmte Ersatzteile per Drohne transportiert werden können. Der Phantasie sind dabei wenig Grenzen gesetzt. Die Mitarbeiter von Emqopter können die Technologie und Steuerungssysteme je nach Wunsch des Kunden in ein passendes Gehäuse integrieren. So ist auch der Transport größerer Volumen und Gewichte realisierbar. Bihl sieht das Unternehmen für die Zukunft gut aufgestellt: „Wir wollen die Vernetzung von Systemen voranbringen. Wenn intelligente Systeme in Zukunft den Menschen unterstützen sollen, braucht es eine verbesserte Sensorik.“ Außerdem müssen die rechtlichen Anforderungen an eine digitale Welt angepasst werden. Bihl ist sich sicher: „Die Anzahl der kommerziell eingesetzten Drohnen am Himmel wird sich dann deutlich erhöhen.“ Denn – Drohnen können auch Leben retten:
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„Wir sind kein klassischer Drohnenhersteller, sondern eher Technologieintegrator“, betont Bihl. Die autonome Lieferdrohne ist zwar Aushängeschild und eines der Angebote von Emqopter, die Kernkompetenz liegt jedoch in der Entwicklung der Technologie, die einen autonomen Flug ermöglicht. Bihl erklärt: „Es geht darum, dass die Drohne Situationen erfassen kann. Die Signalverarbeitung ist im übertragenen Sinn das Denken des Menschen.“ Die durch die Sensorik auf der Drohne gesammelten Daten können sofort verarbeitet und in Steuersignale umgesetzt werden. Die intelligente Steuerung ermöglicht die voll-autonome Navigation und kann spontan auf Hindernisse reagieren. „Das ist dann künstliche Intelligenz“, so Bihl. Das Besondere an der Drohne von Emqopter ist die Kombination aus Umgebungs-wahrnehmung und autonomer Flugsteuerung. Die Kommunikation mit einem externen Bediener ist nur noch erforderlich, weil es der Gesetzgeber verlangt. Selbstständig aus Fehlern lernen kann das System allerdings noch nicht. Die gewünschten Änderungen müssen durch den Menschen immer noch nachträglich programmiert werden.
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Laut einer Studie vom Verband Unbemannte Luftfahrt aus dem Februar 2019 gibt es in Deutschland nur 394 Unternehmen, bei denen Drohnentechnologie und unbemannte Luftfahrt im Zentrum stehen. Deshalb verkauft Emqopter neben den einzelnen Sensormodulen die autonom fliegende Drohne auch als Komplettpaket. Die Zielgruppe des jungen Unternehmens ist hauptsächlich der B2B Markt. Dass dieser ein enormes Wachstumspotenzial hat, zeigt auch die genannte Studie. 2018 wurden nur 19.000 Drohnen kommerziell betrieben, bis 2030 soll sich die Zahl aber um 563 Prozent auf 126.000 erhöhen. Im Zuge des Wachstums werden sich die Anbieter bei der Drohnenherstellung weiter spezialisieren. Das weiß auch Marvin Bihl und macht deutlich: „Wenn sich der Markt etabliert hat, wollen wir uns unseren Platz sichern.“ Die von anderen Firmen hergestellten Drohnen mit intelligenten Komponenten aus Würzburg fliegen zu lassen, ist das langfristige Ziel.
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Anbieter von Lieferdrohnen gibt es auf der ganzen Welt, vom chinesischen Technologieunternehmen DJI bis zu Matternet, einer Firma aus den USA, die in der Schweiz schon Medi-kamententransporte per Drohne durchgeführt hat. Dass in anderen Ländern mehr Drohnen eingesetzt werden, lässt sich mit dem anspruchsvollen Genehmigungsverfahren in Deutschland erklären. "Diese erschweren uns die Arbeit", so Bihl. Auch IHK-Referent Albert sieht den administrativen Aufwand als großes Problem: „Dieser und eine unsichere Rechtslage können ein Unternehmen vom Einsatz der zukunftsträchtigen Technologie abbringen.“ Deswegen wartet Emqopter sehnlich auf die lange überfällige Standardisierung des Regulierungsverfahrens seitens der EU.
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Die Anschaffungskosten für eine Lieferdrohne der Firma Emqopter liegen je nach verwendeten Komponenten zwischen knapp 20.000 EUR und 50.000 EUR. Die wesentlich höheren Kosten im Vergleich zu herkömmlichen Hobby-Drohnen sind ein Grund dafür, dass 2018 nur eine Lieferdrohne verkauft werden konnte. „Das System ist Hightech“, sagt Bihl, der zugibt, dass der Unterschied zwischen Interesse und tatsächlich ausgeführter Nachfrage bei ihnen sehr groß ist. Trotzdem lag der Umsatz des Start-Ups 2018 bei knapp 200.000 EUR. Verantwortlich dafür war hauptsächlich das Lehrsystem für Drohnen-Programmierung: Ein Do-it-yourself-Kit, das aus einem Quadrokopter, also einer robusten Übungsdrohne mit vier Propellern, Software und Programmiervorlagen besteht. Das Projekt ist für Hochschulen, Universitäten und einige weiterführende Schulen entwickelt und bietet die Möglichkeit, selbst einen autonomen Drohnenflug durchzuführen.
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KI und Antriebstechnik (Wittenstein)

Die Firma WITTENSTEIN hat große Pläne im Bereich mechatronische Antriebssysteme. Künstliche Intelligenz spielt dabei eine Schlüsselrolle.

Harthausen ist ein kleines Dorf im Main-Tauber-Kreis. Ein kleiner Ort, an dem ein vergleichsweise großes Unternehmen seinen Sitz hat – WITTENSTEIN. Mit einer großen Produkt-palette stellt es mechatronische Antriebssysteme jeglicher Art her. Auf dem Markt ist das Unternehmen bekannt für seine digitalen Lösungen sowie seit Neustem für sein smartes Getriebe mit cynapse. Mechatronische Antriebssysteme, die Informationen eigenständig erfassen und kommunizieren können, sieht das Unternehmen als eine wesentliche Voraus-setzung für die Umsetzung von Industrie 4.0. Künstliche Intelligenz, kurz KI, sei der Schlüssel dafür.
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Mit Digitalisierung und KI beschäftigt sich das Unternehmen bereits seit vielen Jahren. So wurde 2016 eine neue orga-nisatorische Einheit gegründet: das Digitalization Center. Hier spielt auch KI eine große Rolle. So sammelt die Firma riesige Mengen an Daten, welche sie direkt an den Produktions-maschinen abgreift und auf einem zentralen Server speichert. „Die Herausforderung besteht darin, bei diesen großen Datenmengen das eine kleine interessante Muster zu finden“, sagt WITTENSTEIN-Datenanalyst Dr. Alexander Wunderle. Mit der Sammlung und Analyse dieser Daten erhofft sich die Firma, die Produktion effizienter und smarter zu machen und ihren Kunden so individuelle Lösungen anbieten zu können.
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Auch bei ihren Produkten sieht sich WITTENSTEIN als Vorreiter im Einsatz von KI. Auf der Hannover Messe 2019 hat die Firma das erste smarte Getriebe mit cynapse präsentiert. Dieses enthält ein integriertes Sensormodul, mit dem Daten über eine Schnittstelle ausgegeben werden können. Dadurch werden Werte gemessen und direkt an die Maschinensteuerung weitergegeben. Kunden soll dadurch die Arbeit erleichtert und eine Predictive Maintenance, also eine vorausschauende Wartung, gewährleistet werden. „Ziel ist es, dass man im Idealfall schon vor dem Kunden weiß, was er möchte“, so Wunderle.
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Die Digitalisierung beeinflusst jedoch nicht nur die Produkte, sondern auch die Arbeitskultur. Einige Tätigkeiten werden in der Zukunft durch KI ersetzt werden. Eine Smart Factory, die irgendwann ganz ohne Menschen auskommen soll, strebt WITTENSTEIN jedoch nicht an. „Den Menschen werden wir in unserer Fabrik niemals substituieren können. Durch den Einsatz von KI werden monotone, repetitive Arbeiten weg-rationalisiert und so schaffen wir ein Arbeitsumfeld, in dem wir mit KI einen Mehrwert schaffen“, so Patrick Hantschel, der Leiter des Digitalization Centers. Angestellte zu entlassen sei für WITTENSTEIN dabei keine Option. Es würden zwar stupide, monotone Arbeiten wegfallen, dafür entstünden jedoch neue Stellen, vorwiegend im Softwarebereich. Dass durch die Digitalisierung und die vermehrte Entwicklung von KIs in Zukunft noch mehr hochqualifiziertes Personal benötigt wird, unterstreicht Dr. Dirk Haft, Vorstand im Bereich Innovation: „Wir werden in Zukunft sehr viel mehr Arbeitsplätze brauchen, um diese ganzen neuen Technologien zu entwickeln, zu produzieren und natürlich zu unterhalten.“
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Auch das Arbeitsumfeld wird sich ändern und die künstliche Intelligenz soll dabei unterstützend eingesetzt werden. Flexible Arbeitsplätze stehen schon heute bei WITTENSTEIN auf der Tagesordnung. So verfolgt die Firma auch beim Thema Arbeitsumfeld ein innovatives Konzept. In dem modernen Großraumbüro des Digitalization Centers etwa sind die Mitarbeiter nicht auf einen bestimmten Arbeitsplatz festgelegt. Alle Angestellten können sich Tag für Tag neu formieren und sich in Projektgruppen zusammensetzen, um so effizient zusammenzuarbeiten.
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Durch die Entwicklung und Fertigung individueller Kunden-produkte sind die Stückzahlen im Hause WITTENSTEIN eher gering. Hier will das Unternehmen die Ansätze von Industrie 4.0 und KI nutzen, um wandlungsfähig und flexibel zu bleiben und eine hohe Effizienzsteigerung zu erzielen. Kundenwünsche dabei kurzfristig, flexibel und wirtschaftlich rentabel um-zusetzen, sei das Ziel in der Produktion. „Auf jeden Fall werden wir schnellere, bessere und individualisiertere Produkte produzieren können“, prognostiziert Haft.
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KI & Ackerbau

Vom Smart Home über virtuelle Shopping-Assistenten bis zur Industrie 4.0: Künstliche Intelligenz bahnt sich schon lange ihren Weg von der Science-Fiction in die Realität. Auch die Landwirtschaft bleibt davon nicht mehr unberührt. Das junge Würzburger Unternehmen Greenspin gestaltet ihre Zukunft mit. Ihr Schlüssel zur intelligenten Landwirtschaft: Datenanalyse.

Feldroboter zum Sähen und Ernten, autonome Unkraut-entferner und eine Schar Drohnen, die das automatisierte Treiben auf dem Feld überwacht – die Visionen für eine digitalisierte Landwirtschaft der Zukunft sind vielfältig. Und lassen befürchten, dass die letzten Jahre der traditionellen Landwirtschaft bereits gezählt sind, denn für menschliche Fehlbarkeit scheint im Smart Farming kein Platz mehr zu sein: Autonome Traktoren sind schon auf dem Markt, ein Start-up aus Stuttgart schickt derzeit einen intelligenten Unkrautjäter für Testfahrten aufs Feld und bei San Francisco eröffnete Anfang des Jahres die erste automatisierte Pflanzenfabrik, in der Roboter pro Jahr rund 26.000 Stück Blattgemüse heranzüchten sollen.
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Auch das junge Unternehmen Greenspin gestaltet die Land-wirtschaft der Zukunft mit. Doch von Robotern und anderen futuristischen Maschinerien ist in dem Büro am grünen Würzburger Hubland keine Spur. Greenspin setzt Künstliche Intelligenz zur Datenanalyse ein: Ein Algorithmus wertet Satellitenbilder, Wetter- und Bodendaten aus und erstellt daraus großflächige Agrarprognosen, aus denen sich Handlungsempfehlungen für die landwirtschaftliche Nutzung ableiten lassen. So kann zum Beispiel abgebildet werden, welche Nutzpflanze auf dem jeweiligen Feld wächst und welcher Ernteertrag dort in der nächsten Saison zu erwarten ist. 
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"Bis Robotik in der Landwirtschaft wirklich angekommen ist, wird es noch einige Jahre dauern", meint Geschäftsführer Sebastian Fritsch. Aber werden Landwirte durch Künstliche Intelligenz ihren Job verlieren?
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Nach seiner Gründung im Jahr 2013 arbeitete Greenspin daher zunächst an Software-Anwendungen, die Landwirten helfen sollten, die Bewirtschaftung auf dem Feld zu optimieren. Nach eineinhalb Jahren schlug das junge Unternehmen einen neuen Weg ein und definierte seinen Kundenkreis neu. „Um an einzelne Landwirte direkt zu verkaufen, muss man größer aufgestellt sein, um einen guten Zugang zu den Betrieben herzustellen.“ Als Startup fehlten dafür die Kapazitäten. Seither richtet sich Greenspin an übergeordnete Akteure der Branche. „Wir bedienen alle Firmen der landwirtschaftlichen Wert-schöpfungskette, die wiederum den Landwirt als Kunden haben“, sagt Greenspin-Chef Fritsch. Dazu gehören zum Beispiel Firmen aus der Landtechnik, Saatgut- und Chemie-unternehmen, aber auch landwirtschaftliche Behörden.

Und gerade dort werden unterstützende Technologien immer notwendiger: Strengere Auflagen für Agrarsubventionen in der EU-Politik verlangen auch eine flächendeckende Kontrolle dieser Auflagen. Bisher erfolgte die Kontrolle subventionierter landwirtschaftlicher Betriebe nur stichprobenartig. Nach neuen Regelungen sollen in Zukunft jedoch 100 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen regelmäßig überprüft werden, um sicherzustellen, dass die Betriebe die finanziellen Mittel ordnungsgemäß verwenden. „Das ist manuell überhaupt nicht mehr machbar. Deshalb bietet es sich an, mit den Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz Verfahren zu etablieren, die die Kontrolle für die Prüfbehörden automatisieren.“


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Das Herzstück der Greenspin-Anwendung ist die algorithmus-basierte Datenanalyse. Satellitenbilder und Messungen von Wetterstationen oder Bodensensoren bilden die Grundlage für die Analyse landwirtschaftlicher Nutzflächen, aus der im nächsten Schritt Ertragsprognosen für kommende Ernten entstehen. Der entscheidende Vorteil: Der Großteil dieser Daten ist frei verfügbar, zum Beispiel über die Europäische Weltraum-organisation ESA. „Open Data spielt eine riesige Rolle für den Einsatz und die Weiterentwicklung von Künstlicher Intelligenz. Vor allem für junge Unternehmen, die dadurch Zugang zu relevanten Daten bekommen, ohne sie teuer einkaufen zu müssen“, erklärt Fritsch und spricht dabei aus Erfahrung.

Trotzdem gäbe es im Hinblick auf verfügbare Daten noch Besserungsbedarf. Für eine aussagekräftige Analyse benötigen Algorithmen Tausende von stichhaltigen Trainingsdaten. Dazu gehören in der Landwirtschaft vor allem auch Angaben über die tatsächlichen Erträge, die oft nur schwer zugänglich sind. Zwar würden viele Ernte- und Verarbeitungsmaschinen diese Daten bereits aufzeichnen, sie aufzubereiten sei laut Fritsch jedoch oft schwierig. Schließlich müsste man auf jeden Betrieb einzeln zugehen, um an die Datensätze zu kommen.


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Auch Extremereignisse können zu Fehlprognosen der Algorithmen führen: „Ein Algorithmus kann nichts lernen, was er nicht kennt.“ Als Beispiel nennt Fritsch einen Fall aus dem vergangenen Jahr: Ein Kunde hatte Ernteertragsprognosen für die kommende Saison beauftragt. Greenspin setzte einen Algorithmus ein und trainierte ihn mit Daten aus den Jahren 2015 bis 2017 – gute Jahre für die Landwirtschaft. Mit dem 2018 folgenden Dürresommer rechnete weder das Unternehmen noch der Algorithmus: Dieser wusste die Ausnahme-bedingungen nicht einzuordnen und machte dadurch Teile der Prognose unbrauchbar. Auch ein Algorithmus kann also danebenliegen, wenn noch keine vergleichbaren Trainings-daten vorhanden sind. Trotzdem ist der Greenspin-Geschäfts-führer zuversichtlich, die Prognosen für das Jahr 2019 seien bereits deutlich zuverlässiger: „Der Algorithmus lernt. Je vielfältiger die Eingangsdaten, desto besser wird er auch.“

Auch wenn in den nächsten Jahren noch keine vollautonomen Roboterfarmen zu erwarten sind, bahnen sich also auch in der Landwirtschaft große technische Veränderungen an. Welche der zahlreichen neuen Anwendungen sich letztlich durchsetzen werden, sei laut Fritsch allerdings noch völlig unklar: „Es wird sehr viel digitalisiert, aber nicht in jedem Fall bringt es dem Landwirt tatsächlich etwas.“ Wie in vielen Bereichen müsse deshalb auch in der Landwirtschaft der Nutzwert, nicht die technische Innovation, im Vordergrund stehen. Damit macht Fritsch auch deutlich, wohin die Reise für Greenspin gehen soll: „Zuerst muss ich definieren, was eigentlich Sinn macht: Was will ich erreichen? Welche Aufgabe möchte ich erfüllen? Welches Bedürfnis möchte ich abdecken? Und dann kann ich vielleicht dafür auch Künstliche Intelligenz verwenden.“
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Spracherkennung

In den vergangenen 100 Jahren durchlief der fränkische Autozulieferer Jopp einen fundamentalen technischen Wandel. Während die Mitarbeiter anfangs noch Arbeitsschritte von Hand erledigten, helfen ihnen heute sogar künstlich intelligente Systeme bei der Arbeit.

Anfang des 20. Jahrhunderts produzierte die Firma Jopp hauptsächlich Fahrradteile und landwirtschaftliches Zubehör. Seit Familie Büchs 1991 das Unternehmen übernommen hat, spezialisiert es sich allerdings auf die Herstellung von Automobilteilen. Hierzu gehören Fertigungsteile wie Schaltgetriebe oder Beölungs- und Kühlsysteme, auf die alle namhaften Automobilhersteller entlang der Produktlieferkette zurückgreifen. „Für unsere Hauptkunden Volkswagen, Ford, Porsche, aber auch ZF oder Bosch sind wir ein wichtiger Partner. Die verlassen sich auch auf uns für die Zukunft“, so Geschäftsführer Martin Büchs. Er sieht gerade in der Globalisierung und Digitalisierung eine Chance für das Familienunternehmen, sich von der Konkurrenz abzuheben.


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Derzeit laufen circa 30 Projekte, mit denen Jopp Prozesse vereinfachen und automatisieren will. Dabei 
setzt das Unternehmen insbesondere ein Augenmerk auf Künstliche Intelligenzen (KI). Mittels KI-basierter Spracherkennung kommunizieren Versandmitarbeiter am Hauptstandort mit fremdsprachigen Spediteuren im Ausland. Der Mitarbeiter spricht dabei in ein Mikrofon und der Sprachassistent übersetzt das gesprochene Wort für den ausländischen Spediteur in Echtzeit in dessen Muttersprache. Die Kommunikation verläuft somit ohne Sprachbarrieren und erfolgt daher wesentlich effizienter.




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In den Augen des IT-Leiters Hans-Jürgen Weyrich bringt diese KI-Anwendung Vorteile für alle Beteiligten. Allerdings macht er auch deutlich, dass das Unternehmen erst am Anfang dieser technischen Entwicklung steht. Gerade bei der Datenverarbeitung beziehungsweise Datenanalyse erhoffe man sich durch KI einen gewissen Mehrwert. Schließlich „denke“ die KI eigenständig, erkenne Zusammenhänge von Daten und gebe darauf basierend Handlungsanregungen.

Geschäftsführer Büchs sieht das grundsätzlich genauso. Auch er glaubt, dass bei komplexen Zusammenhängen eine KI-basierte Lernmethode hilfreich sein kann. Allerdings sieht er auch die Schattenseiten. Dabei kritisiert er konkret die oft hohen Investitionskosten und den vergleichsweise geringen Nutzen. Zudem hätten viele Mitarbeiter Vorbehalte, da sie über KI noch zu wenig wüssten.




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Jopp hat die KI des Sprachassistenten jedoch nicht selbst entwickelt, sondern externe Applikationen verwendet. Laut einer aktuellen KI-Studie des internationalen Wirtschaftsprüfers Deloitte ist das typisch für deutsche Unternehmen, denn der Fremdbezug ist schneller und kostengünstiger als eine Entwicklung im eigenen Haus. Dennoch fehlt häufig eine vordefinierte Strategie bezüglich der Anwendungen und Umsetzungen mit den künstlichen Intelligenzen. Ähnlich wie Geschäftsführer Büchs kritisiert auch die Studie die hohen Kosten, die auf Unternehmen zukommen, sobald sie KI in bestehende Prozesse einbauen. Fehlende Fachkräfte und mangelnde Kompetenzen verschärfen diese Problematik zusätzlich.
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Um weitere Innovationen zu schaffen, eröffnete die Firma Jopp am 6. Juli zum 100-jährigen Firmenbestehen ein neues Entwicklungszentrum in Bad Neustadt. Hier sollen neue Produkte über einen  Zeitraum von typischerweise zwei Jahren getestet werden – „von der Entwicklung bis zum Versuch in die Serie.“

Das Familienunternehmen bindet seine Kunden dabei direkt mit ein, denn der Automobilmarkt wandelt sich ständig. Um auch weiterhin konkurrenzfähig zu sein, ist das Entwicklungszentrum aus Sicht von Büchs zukunftsweisend. Würde der Elektromotor künftig den Verbrennungsmotor als Antriebssystem verdrängen, müsste auch das Unternehmen aktiv werden und dementsprechend handeln. Mit dem Entwicklungszentrum plant der Geschäftsführer, Produkte für die Märkte der Zukunft zu entwickeln. 




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Der Geschäftsführer sieht ganz klar die Vorteile von Innovationen und neuen Ideen: Gerade hier, wo die Premiumfahrzeuge entwickelt würden, habe Jopp große Chancen mit Fahrzeugen der folgenden Generation. „Es werden sich in den nächsten Jahren zunehmend komplexere Assistenzsysteme am Markt durchsetzen“, sagt Büchs voraus. Deshalb prognostiziert er für die Automobilindustrie zahlreiche Zwischenstufen wie das teilautonome Fahren auf Autobahnen. Dass sich ein vollautonomes Fahrzeug ohne Lenkrad und Pedale durchsetzt, hält er jedoch vorerst für unrealistisch.
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KI in der Fashionbranche

Passt Fashion mit Künstlicher Intelligenz (KI) zusammen? Der Rottendorfer Hersteller s.Oliver strebt danach, die digitale Zukunft der Mode zu entwickeln. Derzeit wird KI bereits in Gestalt von Chatbots, Bilderkennung und Produktempfehlungen im Online-Shop des Unternehmens eingesetzt.

Bereits vom Rottendorfer Bahnhof sind die Gebäude von s.Oliver sichtbar. Modernes Design und der Eindruck von Innovation. Das Familienunternehmen wurde vor 50 Jahren in Würzburg gegründet und ist heute nicht nur in Deutschland, sondern auch international aktiv. Im Jahr 2004 ging der erste Shop von s.Oliver online, damals einer der ersten Online-Shops der Fashion-Branche. Firmengründer und Eigentümer Bernd Freier hat die Zeichen früh erkannt: Mittlerweile ist der Online-Shop zu einem starken Kanal für die Kunden geworden.




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Die digitale Transformation ist ein wichtiger Pfeiler der Unternehmensstrategie. Durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und anderen Technologien versucht s.Oliver, die Kunden von heute und morgen für sich zu begeistern. Dafür hat das Unternehmen einen Corporate Incubator namens s.O.EXCITED! gegründet. Ein Team also, das sich digitalen Innovationsprojekten widmet und das eher agil und nicht in der traditionellen Art und Weise arbeitet.

Große Ideen denken, mit kleinen Lösungen anfangen, schnell daraus lernen: So funktioniert der Incubator. Wie ein Start-up also. Durch die Arbeitsweise kommt das Team sehr schnell zu Ergebnissen, Ideen und Innovationen, um den Kunden mehr Service zu bieten. Dabei spielt die Künstliche Intelligenz eine starke Rolle, da sie viel Potenzial hat. Momentan gibt es drei Projekte im Online-Shop, die getestet und bei Erfolg ausgerollt werden: Chatbots, Bilderkennung und Produktempfehlung. Doch warum überhaupt KI im Online-Shop? Weil dort eine große Datenmenge in der erforderlichen Qualität zur Verfügung steht, auf deren Grundlage die KI lernen kann.


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Gemeinsam mit einem Start-up hat s.Oliver KI im Rahmen von Produktempfehlungen getestet. Das intelligente System musste dabei sowohl die Persönlichkeit des Shop-Besuchers als auch die Produkte erfassen, die dieser aus dem Katalog auswählte. Es verglich die beiden Ergebnisse miteinander und empfohl dem Kunden daraufhin Produkte, die noch besser zu ihm passten.

„Wir haben unsere Besucher über ein Fashion-Quiz befragt“, sagt Dirk Schneider, Chief Digital und Operating Officer der s.Oliver Group. „Aus den Antworten haben wir verschiedene Fashion-Typen abgeleitet, woraufhin die KI passende Outfits vorgeschlagen hat. Die Kunden erhielten also Empfehlungen, die besser ihrer Persönlichkeit entsprechen.“ Mit solchen Technologien will s.Oliver seine Kunden noch besser verstehen, um ihren individuellen Bedürfnissen wirklich gerecht zu werden.
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Zwar können die Kunden auch selbst Präferenzen angeben, beispielsweise durch die Such- und Filterfunktionen. „Die clevere Variante ist aus unserer Sicht aber eine andere: Wir selbst sollten unsere Kunden so gut kennen, dass wir schon wissen, was sie möchten – und ihnen folglich die richtigen Empfehlungen geben“, sagt Schneider. In diesem Fall müsse der Kunde nämlich nichts mehr selbst tun. Vielmehr würde ein Wow-Effekt entstehen: „Unser Kunde merkt, dass wir ihn verstehen und ihm genau die Produkte anbieten, die ihm gefallen.“

Zudem testet s.Oliver die automatische Bilderkennung. Dabei erkennt die KI die Produkte am Bildschirm und schlägt dem Shop-Besucher passende Alternativen oder Zustyling-Artikel vor. „Damit möchten wir unsere Kunden inspirieren und dazu ermutigen, ein Stück weit mit der Mode zu experimentieren“, erklärt Schneider. Ein drittes KI-Projekt befasst sich mit Chatbots. In Kooperation mit einem Start-up testet das Unternehmen, inwiefern ein Chatbot Kundenanfragen 24/7 selbständig beantworten kann.


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Zurzeit weiß niemand genau, wo die KI zukünftig am besten eingesetzt werden kann. Doch trotz der Vielzahl an Möglichkeiten zeichnen sich schon jetzt einige Trends ab, die andeuten, wie die Zukunft der KI in der Fashionbranche aussehen kann.  So können intelligente Systeme Absätze prognostizieren oder das Verhalten der Kunden inklusive ihrer Affinitäten bestimmten Produkten, Warengruppen oder Marken voraussehen.

Eine der größten Herausforderungen in der Mode ist die Frage, nach dem richtigen Outfit zum jeweiligen Anlass. Auch das Problem Fitting, konkret „Welcher Style passt perfekt zu mir?“, könnte mithilfe von KI besser zu lösen sein.
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Intelligente Videoüberwachung

Mannheim setzt als erste Stadt in Deutschland künstliche Intelligenz, in Form einer Algorithmen-basierten Bild-auswertung, ein. Ziel ist es, dass das System Straftaten selbstständig erkennt und automatisch einen Warnhinweis an die Polizei gibt. Dabei soll die Technik dem hohen Anspruch der Polizei gerecht werden – bei einem Gewaltdelikt sofort reagieren zu können.
Neu an der Technik ist, dass sie nicht auf einer Gesichts-erkennung basiert, sondern auf dem Erkennen bestimmter Verhaltensmuster wie zum Beispiel Schlagen, Rennen, Treten oder Hinfallen.
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In Mannheim kommt die Videoüberwachung an verschiedenen öffentlichen, innerstädtischen Orten zum Einsatz – immer dort, wo ein besonderer Kriminalitätsbrennpunkt vorliegt. Unter einem Kriminalitätsbrennpunkt versteht man einen Bereich, an dem sich die Kriminalität deutlich von der durchschnittlichen Kriminalitätsrate abhebt, wie zum Beispiel am Bahnhofsvorplatz.

Insgesamt werden heute mit 79 Kameras 29 Standorte in Mannheim videoüberwacht. Einige Bereiche wurden gleich mit drei oder vier Kameras ausgestattet. Gründe hierfür können die entsprechende örtliche Lage, die Verdickungssituation, Bäume oder andere Hindernisse sein. Die Anordnung ist dabei so gewählt, dass die Polizei in der Lage ist, alle Bereiche des Kriminalitätsbrennpunktes einzusehen.
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Zum aktuellen Zeitpunkt kann das System noch keine eigenen Warnhinweise bei kritischen Situationen liefern. Deswegen werten sechs Polizeibeamte Tag für Tag das gesamte Video-material aus. Allerdings soll noch dieses Jahr das System so weit vorangebracht werden, dass es eigenständig Warn-hinweises gibt. Dennoch, auch in Zukunft wird die endgültige Entscheidung, ob gerade eine Straftat geschieht oder nicht, weiterhin beim Menschen liegen. Denn bei bestimmten Verhaltensmustern von Personen hat die Künstliche Intelligenz noch seine Schwächen in der Erkennung:
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Ob eine kritische Situation vorliegt, entscheiden die Polizisten an ihren Bildschirmen im Lagezentrum. Unter einer kritischen Situation versteht die Polizei eine strafrechtlich relevante Handlung, die ein Eingreifen erfordert. Die Zeit zwischen der Wahrnehmung eines Ereignisses an den Bildschirmen und dem Eintreffen der Polizei vor Ort beträgt im Schnitt 2,5 Minuten.
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Seit 2014 stellt die Polizei Mannheim eine zunehmend Straßen-kriminalität in bestimmten Stadtgebieten fest. Da diese das Sicherheitsgefühl der Bürger und Bürgerinnen beeinflusst, strebt die Polizei vor allem in diesem Bereich nach einer Verbesserung. Das bedeutet alle Delikte im öffentlichen Raum, sollen mithilfe von künstlicher Intelligenz vermindert werden.

Der Zweck der intelligenten Videoüberwachung kann in zwei Bereiche eingeteilt werden. Zum einen soll sie die Polizeiarbeit durch ein schnelles Eintreffen vor Ort und bei der Aufklärung von Straftaten unterstützen. Zum anderen soll sie zur Prävention von Straftaten dienen, indem sie eine verstärkt abschreckende Wirkung auf potenzielle Straftäter schafft.
Bei der Aufklärung von Straftaten kann das Videomaterial verwendet werden, allerdings gibt es bei der Speicherung spezielle Vorschriften.
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Es gibt aber auch rechtliche Herausforderungen bei der Videoüberwachung. §21 des Polizeigesetztesin Baden-Würtembergerlaubt der Polizei nur dort eine Kamera an-zubringen, wo ein Kriminalitätsbrennpunkt klar nachgewiesen ist. Auch darf sie nur solche Bewegungsmuster automatisiert auswerten, welche auf die Begehung einer Straftat hinweisen.

Bevor die Polizei die Videokameras in der Stadt angebracht hat, hat sie zunächst die Bürger Mannheims über das Projekt aufgeklärt: Z.B. wurden Schilder aufgestellt, die ausführlich und in mehreren Sprachen über die Videoüberwachung informieren.
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Cybergrooming

Cyber-Grooming, so nennt sich die gezielte Kontaktaufnahme zu zumeist minderjährigen Internetnutzerinnen und -nutzern mit dem Ziel der Anbahnung sexueller Kontakte. Künstliche Intelligenz in einer Handy-App soll pädokriminelle Übergriffe frühzeitig erkennen und Kinder schützen.
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Geschäftsführer Patrick Schneider malt ein Horrorszenario aus, das niemand erleben möchte. ‘WhatsSafe‘ heißt die Web-App, die er mit seinem Team zum Schutz von Kindern entwickelt hat. Er betont, dass Cyber-Grooming in den meisten Fällen nur entdeckt werde, wenn Eltern die Nachrichten ihrer Kinder kontrollieren oder sie zufällig lesen.
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Cyber-Grooming ist in der Kriminalstatistik nicht als eigener Straftatbestand festgehalten, weswegen auch keine genauen Zahlen dazu vorliegen. „Nur wenige solcher Fälle kommen zur Anzeige, denn Kinder haben oft ausgeprägte Schamgefühle, überhaupt in solch eine Situation gekommen zu sein“, sagt Polizeidirektor Joachim Schneider von der polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes in Stuttgart. Daher sei die Dunkelziffer hoch.

Janina Neutze und Halina Sklenarova von der Universität Regensburg haben 2018 im Rahmen des Projekts MiKADO (Missbrauch von Kindern: Aetiologie, Dunkelfeld, Opfer) eine Datenanalyse vorgenommen. Demnach haben 16 Prozent der 14-Jährigen bereits Erfahrungen mit sexuellen Online-Kontakten gemacht.
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Einen ersten Kontakt bauen oft auch deutlich ältere User auf Sozialen Medien wie Instagram und TikTok oder auch in Online- Gaming-Plattformen auf. Früher oder später wird die Konversation dann auf private Messenger wie Whatsapp geleitet. An dieser Stelle soll ‘WhatsSafe‘ zum Einsatz kommen. Die App arbeitet mithilfe der künstlichen Intelligenz ‘Privalino‘ und soll erkennen, ob es sich um eine „gefährliche Kommunikation“ handelt. Über eine in Whatsapp integrierte QR-Code-Schnittstelle wird der Chat des Kindes mit dem Server von ‘WhatsSafe‘ verbunden. Ab diesem Zeitpunkt werden alle Nachrichten anonymisiert weitergeleitet. So lassen sich keine Rückschlüsse auf personenbezogene Daten der Chatpartner ziehen. Handynummern, Bilder, Videos oder Sprachaufnahmen wertet das System allerdings nicht aus.
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Sobald die KI eine fragwürdige Konversation entdeckt, wird eine Mail an die Eltern versendet. Sie enthält den Ausschnitt aus dem Chat, der den Alarm ausgelöst hat und die Option zu bewerten, ob es sich um einen richtigen oder einen Fehlalarm handelt. Die Mitarbeiter von WhatsSafe greifen weder in den Chat ein, noch alarmieren sie die Polizei, da sie niemanden zu Unrecht kriminalisieren wollen. Anzeige müssten die Eltern erstatten.
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Die Schwierigkeit, die es bei der Entwicklung zu überwinden galt, liegt im Medium selbst, denn ein Chat ist weder ein strukturierter Aufsatz noch ein zusammenhängender Text. So kann sich eine Aussage beispielsweise bloß durch einen beigefügten Emoji verändern und anzüglich werden. Der fehlende Kontext macht es also schwer, semantische Informationen herauszuziehen. In der Entwicklung sei es deshalb wichtig, festzulegen, wie die Texte verschlagwortet werden, erklärt Schneider. Denn auch einzelne Wörter wie beispielsweise „Schwanz“ haben in unterschiedlichen Kontexten eine jeweils andere Bedeutung. Es muss also die gesamte Kommunikation bis hin zur Nachricht bewertet werden.
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Zu Beginn haben sich die Gründer selbst als Kinder in Chat-portalen ausgegeben und somit etwa 30.000 Nachrichten als Startdatensatz gewonnen. Diese Nachrichten wurden verschlagwortet – was ist bedenklich und was nicht. Auf Grundlage dieser Daten wurde das Privalino-Programm trainiert. Das Abgleichen der Nachrichten mit den Trainings-daten soll es ermöglichen, den Gefährlichkeitsgrad einer Konversation einzustufen. Ähnliche Muster in den Texten, bekannte Maschen etwa, sollen bereits reichen, um sexuelle Absichten darin zu erkennen. Rechtschreibfehler hindern das Programm nicht. Oft starten Täter damit, das Vertrauen des Kindes zu gewinnen und seine Schwächen herauszufinden. Sie reden über Probleme in der Schule, mit Freunden oder Eltern. Rein inhaltlich könnte solch eine Konversation allerdings auch zwischen einer Vertrauensperson und dem Kind stattfinden. „Pädokriminelle haben aber ein klares Ziel und werden dieses auch irgendwann deutlich machen“, erklärt Patrick Schneider. Die KI soll sich dann auch nicht von zuvor geschickten, „vertrauensvollen“ Nachrichten täuschen lassen. Allerdings ist Privalino nicht komplett fehlerfrei und schickt ab und zu einen Fehlalarm an die Eltern.
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Um dem entgegenzuwirken soll ‘WhatsSafe‘ die Userdaten nutzen, um seine KI permanent zu verbessern. Das bedeutet aber auch, dass Nachrichten von den Mitarbeitern gelesen und ausgewertet werden. Patrick Schneider sagt, die KI würde andernfalls auf einem Level feststecken, das nicht die Sicherheit erhöhe.

Da die Anzahl der Daten enorm groß sei, sei es unmöglich, alle Nachrichten zu lesen und zu untersuchen. Jede Konversation bekommt einen Gefährlichkeitsgrad von Null (absolut un-gefährlich) bis Eins (höchste Gefahrenstufe) zugeteilt. Aufgrund der großen Datenmengen würden nur die Konversationen betrachtet, bei denen die KI einen etwas höheren Output hatte, ohne aber einen Alarm auszulösen, etwa jene mit einem Wert von 0,6 bis 0,7. Sollte tatsächlich eine gefährliche Konversation darunter sein, können die Mitarbeiter auch händisch einen Alarm an die Eltern schicken.
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Mit Fragen nach dem Datenschutz sieht sich ‘WhatsSafe‘-Geschäftsführer oft konfrontiert. „Wenn der Kinderschutz so massiv bedroht ist, muss man ihn über den Datenschutz und die Privatsphäre setzen“, meint er. Um den Kindern trotzdem eine Privatsphäre zu garantieren, können Eltern Chat- Kontakte, beispielsweise von Freunden und Verwandten, in eine sogenannte Whitelist eintragen. Diese Chats werden dann von der KI nicht mehr ausgewertet. Die Nutzung des Tools liegt allerdings ganz im Ermessen der Eltern. Theoretisch wäre es möglich, alle Chats seines Kindes überwachen zu lassen. Künftig soll eine neue Funktion zudem mitteilen, ob das Kind neue Kontakte hat und wie viel es kommuniziert.

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Die Betreiber von ‘WhatsSafe‘ fokussieren sich bei ihrer Arbeit vor allem auf Acht- bis Zwölfjährige, also jene Altersgruppe, in der viele Kinder ihre ersten eigenen Smartphones besitzen. Bereits Kleinkinder können heute zwar auf diversen Geräten Apps nutzen oder Videos abrufen. Medienkompetent sind sie und auch ältere Kinder deswegen noch lange nicht. Dazu gehört der kritische, reflektierte Umgang mit Medien und Sozialen Netzwerken.
Patrick Schneider sieht die Erziehungsberechtigten in einer zentralen Rolle. Kein Elternteil setzt sich gerne mit der Thematik des Kindesmissbrauchs auseinander. Deshalb stößt die App bei einigen Usern zunächst auf Skepsis. „Wir müssen uns mit den digitalen Welten der Kinder beschäftigen“, sagt Schneider. Wenn es um Online-Medien geht, werden die Rollen getauscht und Kinder erklären ihren Eltern die virtuelle Welt. Es sei daher ein Problem, wenn die Eltern diese nicht verstehen.
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Die „Instant Gratification“ – die „direkten Belohnung“ – sei in den Mechanismen von Social Media tief verankert: User posten ein Bild und werden dafür mit Likes direkt belohnt. Für Kinder sei das sehr gefährlich, weil sie diese Mechanismen nicht hinterfragen. Es gehe hauptsächlich um Anerkennung – Likes und Followerzahlen verbinden sie mit Erfolg. Aber wer kennt schon all seine Follower persönlich? „Das ist etwas relativ Neues, dass Kinder überhaupt so ein riesiges Netzwerk aus Kontakten zur Verfügung haben, wahrscheinlich größer als das der Eltern“, sagt Patrick Schneider. Ein junges Mädchen macht sich keine Gedanken, wenn es auf TikTok ein leicht laszives Video hochlädt. Auch anzügliche Kommentare werden nicht immer als sexuelle Belästigung oder eine Art von Missbrauch wahrgenommen. „Genau in diesem Alter ist es schwierig, Kindern zu sagen ‚Hey, das ist gefährlich was hier passiert‘, weil sie sich gnadenlos überschätzen“, sagt Schneider.
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Ich möchte die App ausprobieren, und das natürlich schon vor dem Interview mit Geschäftsführer Patrick Schneider. Also melde mich bei WhatsSafe an. Das geht einfach und unkompliziert. Jetzt könnte ich das Smartphone eines Kindes mit Hilfe der QR-Schnitt- stelle verbinden – für den Versuch verbinde ich mein eigenes Handy und kann eine Sicherheits-stufe angeben: niedrig, mittel oder hoch. Je höher diese eingestellt ist, desto sensibler reagiert das Programm und desto häufiger können auch Fehlalarme ausgelöst werden. Ich stelle die Sicherheitsstufe auf hoch ein.
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Ich bitte einen Freund, mir Nachrichten mit explizit sexuellen Inhalten zu schicken. Ich bekomme keine Warnhinweise. Einen Tag später teste ich die KI erneut. Diesmal bekomme ich eine Mail. „Achtung:WhatsSafe hat eine auffällige Konversation entdeckt!“ Ich sehe den verdächtigen Textausschnitt, den mir der Freund geschickt hat. Die Handynummern sind anonymisiert und werden nur zur Hälfte angezeigt. Jetzt habe ich die Möglichkeit, diesen Alarm zu bewerten, richtig oder falsch. In der Mail sind zudem noch Tipps enthalten, wie ich als Elternteil im Falle eines richtigen Alarms handeln kann, mit Verweisen auf bekannte Webseiten wie Klicksafe.
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Ich habe mein Smartphone weiterhin mit ‘WhatsSafe‘ verbunden. Meine Mutter schreibt und fragt, ob sie mir etwas vom Einkaufen mitbringen soll, es geht um Haarpflege-produkte. Ich bekomme wieder eine Warnung per Mail.
Dieses Mal ist es offensichtlich ein falscher Alarm.

Ich spreche beim Interview mit Patrick Schneider die ent-sprechenden Nachrichten an und finde heraus, dass auch er sie bereits gelesen hat. Ich fühle mich durchleuchtet. Zu wissen, dass ein Fremder meine Nachrichten liest, ist ziemlich un-angenehm, auch wenn es sich hierbei nicht wirklich um private Informationen handelt. Ich trenne die Verbindung zu meinem Handy wieder.
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BOTfriends – Chatbots

Das Würzburger Startup BOTfriends entwickelt Sprach-assistenten und Chatbots für die automatisierte Kommunikation. Mit ihren auf KI basierenden Software-Programmen setzen die vier Gründer und 17 Angestellten Projekte für Konzerne wie Bosch und Deutsche Telekom um. Auch ihr erstes eigenes Produkt ist mittlerweile auf dem Markt.

Die Zukunft der Kommunikation entscheidet sich unter Anwaltskanzleien und Arztpraxen. Es ist schwül an diesem Sommernachmittag, und das vierstöckige Treppenhaus, das sich normalerweise Klienten diverser Rechtsanwälte und Patienten von Zahnärzten und Physiotherapeuten hinauf plagen, ist in diesem Augenblick menschenleer. „Wir sollten vielleicht mal über hitzefrei nachdenken“, sagt Michelle Skodowski mit einem Augenzwinkern, während sie die quietschenden Holzstufen hinaufläuft. Im Nu erreicht sie das 1. Obergeschoss, geht ein paar Schritte auf eine einsame Tür zu und öffnet sie: „Willkommen bei den BOTfriends“, sagt Skodowski und lächelt.  
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Seit ziemlich genau zwei Jahren entwickelt das gleichnamige Würzburger Startup im Herzen der Altstadt Sprachassistenten und Chatbots für die automatisierte Kommunikation. Dabei handelt es sich um auf künstlicher Intelligenz (KI) basierende Software-Programme, die sich mit Menschen unterhalten können. „We create Conversations“, lautet deshalb das Motto von Michelle Skodowski, Kevin Dees, Daniel Rösch und Tobias Gansler. Die vier Gründer des Unternehmens haben gut lachen, denn ihr Geschäftsmodell scheint zu funktionieren: Mehr als eine halbe Million Euro haben die BOTfriends im vergangenen Jahr umgesetzt – und damit einen Gewinn vor Steuern von mehr als 300.000 Euro erzielt.  
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Dass ihr Startup derart erfolgreich laufen würde, hätten die vier Gründer vor zwei Jahren nicht zu träumen gewagt. Kevin Dees, heute als Geschäftsführer für den Vertrieb verantwortlich, kann sich noch gut an die Zeit erinnern, als alles begann: „Daniel Rösch und ich haben 2016 ein Praktikum bei Porsche in Stuttgart gemacht. Chatbots steckten damals noch ziemlich in den Kinderschuhen, und wir haben uns nach Feierabend ein bisschen damit beschäftigt.“ Doch aus dem Feierabendspaß wurde schnell mehr: Dees und Rösch programmierten einen Prototypen, stellten diesen ihren Vorgesetzten vor und wurden für ihren Mut belohnt: „Porsche hat uns ins Digitallabor nach Berlin geschickt, um unseren Chatbot zur Marktreife zu bringen.“

Wenn Dees und Rösch heute daran zurückdenken, müssen sie schmunzeln: „Im März 2017 war der Bot dann fertig – und plötzlich stand er auf der Facebook-Karriere-Seite von Porsche mehr als 100.000 Usern zur Verfügung.“ Und die beiden Freunde, die damals noch zwei Semester Wirtschaftsinformatik zu studieren hatten, standen vor der Entscheidung: „Arbeiten wir weiter als Werkstudent bei Porsche oder machen wir unser eigenes Ding?“ Dees und Roesch entschieden sich für ihr eigenes Ding: Sie holten Skodowski und Gansler, die damals ebenfalls an der Fachhochschule in Würzburg studierten, ins Team und gründeten im Juni 2017 die BOTfriends GmbH.


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In den folgenden Jahren ist viel passiert: Inzwischen haben die vier Gründer nicht nur ihr Studium erfolgreich beendet, sondern auch ihr Startup auf 21 Mitarbeiter vergrößert. „Durch die anfängliche Zusammenarbeit mit Porsche haben wir schnell Zugang zu einem großen Netzwerk erhalten“, sagt Chief Operations Officer Michelle Skodowski. Heute arbeiten die BOTfriends mit mehr als 30 Kunden und Partnern zusammen, darunter Weltmarken wie Bosch, Google und der Deutschen Telekom. Auf ihren jüngsten „Meilenstein“ sind die vier Gründer besonders stolz: Denn Anfang des Jahres haben sie mit dem Handover-Tool ihr erstes lizenziertes Produkt auf den Markt gebracht.  

„Das Handover-Tool ermöglicht es Unternehmen, ein Gespräch mit einem Chatbot automatisch an einen echten Mitarbeiter zu übergeben“, erklärt Tobas Gansler, Chief Technology Officer. Dies sei vor allem dann wichtig, wenn der Bot keine passende Antwort auf die Frage eines Users wisse. Auch messe das Tool die Stimmung der Gesprächsteilnehmer: „Wenn ein User den Chatbot beleidigt oder das Gespräch eskaliert, leuchtet auf dem Bildschirm eines Mitarbeiters eine rote Farbe auf.“ Diese signalisiere ihm: „Hey, du musst eingreifen.“ Durch dieses Zusammenspiel zwischen Maschine und Mensch, sagt Gansler, könnten Unternehmen die Nutzererfahrung mit Chatbots weiter verbessern.
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Mit ihrem Handover-Tool, das mittlerweile auf der Facebook-Seite der Bosch-Tochter BSH zum Einsatz kommt, wollen die vier Gründer eine neue Strategie einläuten: weg von der Beschränkung auf Projekte mit Kunden und Partnern hin zu der Entwicklung eigener lizenzierter Produkte. „Wir wollen BOTfriends skalierbarer machen, indem wir eigene Produkte auf unserem Zielmarkt verkaufen, der in erster Linie den deutschsprachigen Raum umfasst“, sagt Daniel Rösch, als Geschäftsführer zuständig für die Produkte des Unternehmens.

Um das zu erreichen, sind er und seine Mitarbeiter vor allem auf eines angewiesen: Daten. Zwar entwickle BOTfriends keine eigene künstliche Intelligenz, sondern baue auf bestehenden Services auf dem Markt auf, betont Rösch. Damit seine Entwickler die KI aber so trainieren könnten, dass aus ihr letztlich ein funktionierender Chatbot entstehe, brauche es viele Leute, die diesen nutzen würden: „Je mehr User mit dem Bot kommunizieren, desto mehr lernt er dazu“, erklärt der junge Unternehmer. Denn je mehr Daten es gebe, auf denen die Entscheidung für eine Antwort basiere, desto genauer sei letztlich auch die Antwort des Roboters.
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Einsatzfelder für Chatbots und Sprachassistenten – da sind sich die Gründer von BOTfriends einig – gebe es zuhauf: Im Kundenservice, Recruiting und im Bereich Vernetzung, aber auch im Marketing und in der internen Kommunikation würden derartige Sprachroboter zunehmend nachgefragt. „Unternehmen können mit Chatbots heute schon erhebliche Ressourcen einsparen“, sagt Kevin Dees. Dabei werde sich ihr Nutzen künftig nicht nur auf den Austausch von Informationen beschränken: „In China ist es schon gang und gäbe, dass man Bestellungen über Sprachroboter abwickelt.“ Daher sei es nur eine Frage der Zeit, bis sich diese Entwicklung auch in Deutschland durchsetze, ist Dees überzeugt.  

Doch bei all den Veränderungen, welche KI, Digitalisierung und Big Datamit sich bringen, wollen sich die Gründer eine Sache auf jeden Fall bewahren: ihre lockere und selbstbestimmte Art. „Wir machen das, weil es uns Spaß macht und wir einen Sinn darin sehen“, sagt Michelle Skodowski mit einem Lächeln auf den Lippen. Das sei auch einer der Gründe gewesen, warum die BOTfriends keine fremden Investoren ins Boot geholt hätten.
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KI bei der Deutschen Bahn

Dass die Deutsche Bahn einen Serviceroboter mit künstlicher Intelligenz an Bahnhöfen einsetzt hat sich längst herum-gesprochen. Doch dass künstliche Intelligenz auch vereiste Gleise oder etwa defekte Rolltreppen entdecken kann, davon wissen die wenigsten Bahnfahrer. Diese und viele weiter Ideen entstanden im Accelerator-Programm.

Die Möglichkeit, als Mitarbeiter innerhalb des Unternehmens kreativ mitzuwirken, innovative Ideen umzusetzen und ein eigenes Projekt zu entwickeln: Das ermöglicht das Innovations-labor der Deutschen Bahn in Frankfurters Bahnhofsviertel.
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Im 30. Stockwerk des Deutsche Bahn Towers, auch Skydeck genannt, befindet sich das Innovationslabor der Deutschen Bahn. Ein großer Raum, in dem alle Projekte die verwirklicht wurden ausgestellt sind und zum Ausprobieren einladen. Das Interessante hierbei: Die Ideen stammen von den Mitarbeitern. Jeder von ihnen hat hier die Chance, eine eigene Idee, die den Service der Deutschen Bahn verbessern soll, vorzuschlagen und bei großer Zustimmung umzusetzen. Erfolgreiche Projekte führen die „Erfinder“ an den sogenannten Demo Days vor.

Ein Beispiel für ein solches Projekt ist die automatische Erkennung von Graffiti besprühten Bahnen. Benutzt wird dabei eine automatisierte Video- und Bildanalyse, die mit Hilfe von künstlicher Intelligenz Bilder und Objekte erkennen und analysieren kann. Derzeit setzt die Bahn diese Erkennung schon an 22 deutschen Bahnhöfen ein. In der Regel in ländlichen Gebieten, denn dort sind Bahnhöfe nicht rund um die Uhr von Personal besetzt, das diese Kontrollaufgabe übernehmen könnte. Zudem kann diese künstliche Intelligenz bei alltäglichen Entscheidungen helfen, etwa ob eine Schneeräumung am Bahnsteig beauftragt werden muss oder nicht. 
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Künstliche Intelligenz steckt sogar in einigen Rolltreppen der Deutschen Bahn. Wer oft Bahn fährt, kennt dieses Problem: Die Rolltreppen sind regelmäßig außer Betrieb. Damit soll jetzt Schluss sein, denn eine ebenfalls im Innovationslabor ent-wickelte Idee soll die Lösung bringen. Hier ermittelt die künstliche Intelligenz durch Geräuscherkennung einen Störfaktor, wie zum Beispiel eine Büroklammer im Getriebe. Sie sendet ein Signal zum Technikzentrum des jeweiligen Bahnhofs und Techniker beheben das Problem, idealerweise bevor die Rolltreppe ausfällt. All das passiert, ohne das der Bahnkunde davon etwas mitbekommt. Künstliche Intelligenz agiert im Verborgenen – und erleichtert so vielen Pendlern den Alltag. Aber es gibt auch andere Bereiche, in denen KI bei der Deutschen Bahn eingesetzt wird:
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Viel offensichtlicher agiert Semmi, kurz für „Sozio-Emphatische Mensch-Maschine-Interaktion“. Der jüngste Serviceroboter der Deutschen Bahn, der mit künstlicher Intelligenz funktioniert. Der Roboter beantwortet simple Fragen wie etwa „Wie komme ich zu Gleis 17?“ oder "Wo ist das nächste Restaurant?". Künstliche Intelligenz ermöglicht es dem Serviceroboter, auf häufig gestellte Fragen mit einer antrainierten Antwort zu reagieren. Thomas Schiffler, Application-Architekt von DB Systel, erklärt die Vorteile: 




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Semmis Kunststoffkopf steht auf einem Sockel und kann mal asiatisch, mal europäisch oder afrikanisch aussehen: Die Gesichter werden auf den Kopf projiziert, um in den ver-schiedenen Einsatzländern die jeweiligen kulturellen Standards aufzugreifen. Semmi erkennt, wenn ihr jemand gegenübersteht und spricht ihn an. Die wechselnden Gesichts-züge wie etwa ein Stirnrunzeln, ein Schmunzeln oder sogar ein Blinzeln lassen sie fast wie einen echten Mensch wirken.
Die künstliche Intelligenz liegt hier in der Spracherkennung und -erzeugung sowie im Sprachverständnis. Semmi spricht die Kunden immer auf der Landessprache des Einsatzortes an, antwortet man ihr aber auf einer anderen Sprache, so erkennt sie dies und passt sich an.
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Soweit, so gut, doch wie kommen die Kunden der Deutschen Bahn mit diesem noch unbekanntem, neuen Assistenten klar? Man kann sich denken, dass gerade die ältere Generation doch eher davor zurückschreckt einen Roboter nach der Ankunfts-zeit zu fragen und einen menschlichen Mitarbeiter im Reise-zentrum bevorzugen würde. Thomas Schiffler vertritt die Meinung, dass die Bereitschaft zur Interaktion mit Semmi altersunabhängig ist:
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Schon jetzt findet man bei der Deutschen Bahn also verschiedenste KI Lösungen, manche bekommt der normale Bahnfahrer aktiv mit, andere arbeiten im Verdecktem. Die Deutsche Bahn ist auf den Zug der neuen Technologien aufgesprungen und hat vor auch zukünftig noch viel mehr Maßnahmen mit künstlicher Intelligenz aufzufahren, möglicherweise sogar von einem Mitarbeiter entwickelt.
Thomas Schiffler sieht in künstlicher Intelligenz keine Bedrohung:  


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KI & Datenanalyse (prognostisch)

Viele Unternehmen sammeln Daten, aber das wirkliche Potenzial haben bisher nur wenige erkannt und noch weniger wissen es richtig auszuschöpfen. Der Würzburger IT-Dienst-leister Prognostica hat einen Weg gefunden, Daten für Unternehmen sinnvoll zu nutzen. Seine datenbasierten Geschäftsprognosen sollen bei der Unternehmensplanung behilflich sein.

Dass Daten einen gewissen Wert haben, ist längst kein Geheimnis mehr. Im weitesten Sinne sammelt jedes Unter-nehmen heutzutage Daten – manche davon im großen Umfang. Doch nicht immer ist ganz klar, was diese Daten denn so wert-voll macht. Bei der tatsächlichen Nutzung der Daten stoßen viele Unternehmen an ihre Grenzen. Teilweise sind es mangelnde analytische Fähigkeiten, manchmal fehlt die passende Software, oft ist es auch die fehlende Erkenntnis darüber, welche Informationen sich hinter den riesigen Datenmengen verstecken. Dabei lässt sich durch die richtige Aufbereitung der Daten ein echter Wettbewerbsvorteil erzielen. Denn viele Daten liefern nicht nur Informationen zur aktuellen Lage eines Unternehmens. Liegen genügend relevante Daten vor, können auch Prognosen über die Zukunft des Unter-nehmens gemacht werden und kommende Ereignisse und Trends vorhergesagt werden. Es lassen sich zum Beispiel anhand der Analyse von historischen Daten aus dem Unternehmen und dem relevanten Markt genaue Absatz-prognosen treffen. Lieferengpässe oder Überproduktion können so umgangen werden. Die richtige Auswertung von Daten kann also entscheidend zum Erfolg eines Unternehmens beitragen.
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Die passende Technologie für die Auswertung von Daten gibt es bereits. Das Würzburger Unternehmen Prognostica hat sich genau darauf spezialisiert. Es wertet unternehmensbezogene Daten aus und stellt den Unternehmen die ermittelten Prognosen als Entscheidungsgrundlage für die Unternehmens-planung zur Verfügung. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 2014 von Kristina Krebs und Arne Müller. Beide haben an der Julius-Maximilians-Universität studiert, Krebs Mathematik und Müller Informatik. Die Idee zu Prognostica kam ihnen bei einem gemeinsamen Projekt in der Datenanalyse.
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Nun sind Prognosen in der Unternehmensplanung nichts Neues. Bisher vertraut ein Großteil der Unternehmen dabei allerdings auf manuelle Analysen und Expertenwissen. Prognostica verfolgt  mit Predictive Analytics jedoch einen anderen Ansatz. Aus den Datensätzen der Unternehmen werden Muster gelesen, um so Vorhersagen für den Eintritt von bestimmten Ereignissen und über künftige Entwicklungen zu treffen. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz können große Mengen an Daten ausgewertet und Muster und Strukturen erkannt werden. Prognostica nutzt dabei vor allem einen Teilbereich der künstlichen Intelligenz, das „Machine Learning“. Das Programm lernt bei jeder Datenfütterung dazu und optimiert seine Modellparameter kontinuierlich selber.
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Die vom System erkannten Muster sollen als Entscheidungs-grundlage für Unternehmen dienen. Damit unterscheidet sich Prognostica von anderen Anbietern. “Wir verstehen uns nicht als Unternehmensberatung. Wir liefern keine Handlungs-empfehlungen, sondern in erster Linie objektive Ergebnisse”, so Kristina Krebs, “Jeder Kunde kann so seinen ganz eigenen Nutzen aus den Prognosen ziehen.” Um diesem Anspruch nachzukommen, legt Prognostica seinen Kunden sowohl eine Punktprognose als auch die dazugehörigen Best- und Worst-Case-Grenzen vor. “Wir geben unseren Kunden einen Prognoseintervall, anhand dessen sich Unsicherheiten in der Prognose quantifizieren lassen” erklärt Krebs. Damit unter-scheidet sich Predictive Analytics entschieden von den Prescriptive Analytics, bei der es um ganz konkrete Handlungsempfehlungen geht.
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Sowohl Predictive als auch Prescriptive Analytics gehören zu den sogenannten Business-Intelligence-Anwendungen. Dieser hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Unternehmen wie IBM, Microsoft oder SAP bieten mittlerweile entsprechende Services an. Globaler Marktführer im Bereich der Predictive Analytics ist jedoch der US-Konzern SAS Institute. Das Softwareunternehmen bietet Statistik-Programme zur Datenanalyse an. Unter den Kunden befinden sich neben mittelständischen Unternehmen auch große Airlines, Tele-kommunikationsanbieter und Energieversorger, aber auch Banken, Universitäten und öffentliche Behörden.

Der Einsatzbereich von Predictive Analytics ist großflächig angelegt. Bedarfs- und Absatzprognosen sind ein beliebtes Einsatzfeld, aber auch bei der Budgetplanung, so z.B. wenn es um Energieverbrauchsprognosen geht, kommen Predictive Analytics zum Einsatz. Einzige Voraussetzung dabei ist, dass genügend Daten vorhanden sind. Die Quellen dieser Daten können vielfältig sein. Oft kommen sie aus den internen Systemen der Unternehmen selber, nicht selten werden aber auch externe Daten in die Analyse einbezogen. Dabei handelt es sich meist um Wirtschaftsindizes wie Rohstoffpreise, allgemeines Wirtschaftswachstum und weitere Konjunktur-indikatoren. Je mehr Daten in die Analyse einfließen, desto genauer wird die gestellte Prognose.
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Auch Prognostica bietet seine Services branchenübergreifend an, hebt sich jedoch in einem Punkt ab: “Wir bieten keine konfektionierte Software an, sondern haben eine ganze Toolbox an Methoden, die Unternehmens-individuell angepasst werden”, sagt Krebs. Laut Unternehmensseite versteht das Unternehmen sich selber als der “Maßanzug unter den Softwarelösungen im Bereich Predictive Analytics”. Seit der Gründung wächst das Unternehmen stetig.

Die Nachfrage nach Predictive Analytics steigt. Laut einer repräsentativen Umfrage der International Data Group geben 94 Prozent Firmen an, ihre Geschäftsentscheidungen mithilfe von Predictive Analytics zu optimieren. Dennoch schätzt nicht einmal die Hälfte der Unternehmen die Relevanz von Predictive Analytics zurzeit als sehr hoch oder hoch ein. Gerade kleinere Unternehmen unterschätzen die Möglichkeiten der Anwendung.

Auch Prognostica zählt vor allem DAX-Konzerne und Mittelständler zu ihren Kunden. Dabei sind Analytics-Projekte bei kleineren Unternehmen oft von schnellem Erfolg gekrönt. Warum also die Zögerlichkeit, mit der die Methode von Unternehmen angenommen wird? Der Grund liegt zum Teil an der Akzeptanz der neuen Technologie. Während das Sammeln von Daten schon ganz normal wäre, sei das systematische Auswerten der Daten gerade im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz noch nicht der Standard, so Arne Müller. “Es gab eine große Hypewelle, aber die dringt gerade erst zum Mittelstand durch”, sagt der Mitgründer. Teilweise liege die mangelnde Umsetzung auch am fehlenden Know-How innerhalb der Unternehmen. Die Auslagerung der Predictive Analytics-Maßnahmen auf externe Dienstleister könnte deshalb eine Alternative sein.     
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Behind the Scenes

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Wir stellen uns vor

Julius-Maximilians-Universität Würzburg / Wirtschaftsjournalismus

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An der Julius-Maximilians-Universität befassen sich Studierende des Fachbereichs ‚Wirtschaftsjournalismus‘ mit verschiedenen Themen rund um Künstliche Intelligenz. Im Seminar ‚Digitales Storytelling / Crossmediale Wirtschaftskommunikation‘ sowie in der Vorlesung ‘Social Media‘ erstellen sie multimediale Beiträge über Themen wie „KI und Religion“, für das sie einen katholischen Pfarrer interviewen, oder sie berichten in einer Selbstreportage über ihre Erfahrungen mit ihrem neuen besten Freund „Replika“, einem Chatbot. Studierende aus dem Seminar ‚Audiovisuelle Wirtschaftskommunikation‘ unterstützen das Projekt, indem sie Kommilitonen der FHWS mit der Kamera zu wichtigen Interviewterminen begleiten und O-Töne in der Nachbearbeitung auf den Punkt schneiden.

Prof. Dr. Kim Otto, Professor für Wirtschaftsjournalismus und Wirtschafts-kommunikation, leitet die Seminare. Die Studierenden profitieren von seiner langjährigen Erfahrung als Redakteur im wirtschaftspolitischen Fernseh-journalismus (ARD, WDR, Grimme-Preis-Träger) und können sich auf wertvolle Praxis-Tipps verlassen.


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Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt / Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation

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Die Master-Studierenden des Bereichs ‚Fachjournalismus und Unternehmens-kommunikation‘ der FHWS sind angehende Journalisten und PR-Experten. In gleich drei verschiedenen Seminaren widmen sie sich dem Thema des ‘Wissenschaftsjahres 2019‘. Im Seminar ‚Fachjournalismus‘ erstellen sie Unternehmensporträts über in der Region Mainfranken ansässige Unternehmen, die sich mit KI beschäftigen, oder schreiben Fachartikel zu komplexen Sach-verhalten wie dem Einsatz von KI im Human Resources Management. Im Gegensatz dazu porträtieren die Teilnehmenden des Seminars ‚Journalistische Darstellungen‘ spannende Persönlichkeiten, die sich in unterschiedlichen Formen mit dem Thema Künstliche Intelligenz auseinandersetzen. Diese Teilprojekte werden von Kommilitonen im Seminar ‚Corporate Media‘ durch das Erstellen von Podcasts, in denen KI-Experten zu Wort kommen, vervollständigt.

Mit Prof. Dr. Lutz Frühbrodt, dem Leiter des Fachbereichs, steht den Studierenden ein erfahrener Technologiereporter zur Seite, der acht Jahre im Wirtschafts-ressort der Welt-Gruppe gearbeitet hat und sich sowohl mit komplexen Themen als auch deren journalistischer Aufbereitung auskennt.
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Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft / Journalismus und Unternehmenskommunikation

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Die Studierenden des Bachelor-Studiengangs ‚Journalismus und Unternehmenskommunikation‘ der HMKW Frankfurt erweitern den Blick der mainfränkischen Berichterstattung auf die Region Rhein-Main. In verschiedenen Praxisseminaren erklären sie anhand greifbarer Beispiele, wie KI bei Versicherungsunternehmen wie R+V Versicherungen eingesetzt wird, führen Interviews mit KI-Experten wie Chris Boos von Arago oder lassen sich bei Continental den intelligenten Rechtsabbiegeassistenten für LKWs erklären. Sie drehen Videos, machen Fotos und erstellen Podcasts, in denen Forscherinnen und Forscher zu Wort kommen. Ihre Erfahrungen bereiten sie multimedial auf, sodass Bürgerinnen und Bürger sich umfassend über diese Themenbereiche informieren können.

Angeleitet werden die Studierenden von Prof. Dr. Katja Gußmann. Die Professorin für Journalismus und Kommunikation blickt auf mehr als 20 Jahre Erfahrung als Wissenschaftsjournalistin zurück. Hilfreiche Recherchewege und stilistische Tipps gibt sie aus dem Effeff an ihre Studierenden weiter.
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Die Studierenden berichten

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Jorid Meya

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Ronja Auerbacher

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Mareike Hoffmann

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Julia Keller

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Niklas Freytag

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Marie Hober

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Tabea Hamann

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Christoph Nagorr

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Anna Stückel

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Hanin Al-Humeidi

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India Noack

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Maximilian Joachim

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Simona Riege

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Bildung & Qualifizierung

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Arbeitsmarkt

Die Technologie der Künstlichen Intelligenz (kurz: KI) entwickelt sich rasant. Dies wird den Arbeitsmarkt massiv verändern. Sowohl in der Wirtschaft als auch in der Wissenschaft diskutiert man bereits über drohende Konsequenzen. Die Befürchtung: Künstliche Intelligenz verdrängt Arbeitsplätze.

KI automatisiert Produktionsprozesse zunehmend und sorgt dafür, dass Maschinen Aufgaben oft effizienter und schneller erledigen als Menschen. Dies kann dazu führen, dass Arbeiter ersetzt werden. Laut einer Studie der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sind insbesondere Arbeitnehmer, die Routinetätigkeiten ausüben, von Beschäftigungs- und Lohneinbußen betroffen. Denn besonders sich wiederholende Tätigkeiten würden sich dazu eignen, automatisiert zu werden.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommen auch die beiden Wissenschaftler Daron Acemoglu und Pascual Restrepo: Der Fortschritt von KI treibt insbesondere die Forschung und Entwicklung von Industrierobotern voran. Dies kann laut ihrer Studie dazu führen, dass viele Arbeitsplätze verloren gehen – insgesamt sechs pro Roboter. In den USA sind zurzeit jedoch nur wenige Menschen in Bereichen tätig, in denen Roboter eingesetzt werden können. Daher sind dort bisher kaum Arbeitsplätze davon betroffen, durch neue Technologien ersetzt zu werden.
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Die Ökonomen Wolfgang Dauth, Sebastian Findeisen, Jens Südekum und Nicole Wössner haben untersucht, wie sich der Einsatz von Robotern auf den deutschen Arbeitsmarkt aus-wirkt. Die Studie zeigt, dass Roboter hier wesentlich stärker verbreitet sind und insbesondere im verarbeitenden Gewerbe einen weitaus größeren Beschäftigungsanteil ausmachen als in den USA. Doch wie in den USA scheinen sich auch in Deutschland Roboter noch nicht so stark auf den Arbeitsmarkt auszuwirken. Entgegen aller Befürchtungen werden laut der Studie Arbeiter ihren Job durch Roboter auch nicht verlieren, sondern ihn sogar behalten. Dieser Effekt entsteht zum einen dadurch, dass weniger junge Menschen in der Industrie arbeiten. Zum anderen bemühen sich Betriebsräte und Gewerkschaften darum, dass keine Arbeitsplätze verloren gehen. Dennoch gehen die Autoren davon aus, dass der Einsatz von Robotern die Beschäftigungsstruktur in Deutschland massiv verändern wird.
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Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) untersuchte für die Jahre 2013 und 2016 das Substituierbarkeitspotenzial der Berufe im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung. Das Substituierbarkeits-potenzial zeigt für jede Tätigkeit an, wie viel ein Computer davon potenziell erledigen kann. Der Studie zufolge sind Verkehrs- und Logistikberufe besonders bedroht, von Maschinen ersetzt zu werden. Das Risiko stieg aber auch in den unternehmensbezogenen Dienstleistungsberufen an. Während absolut die Fertigungs- und fertigungstechnischen Berufen am meisten durch KI bedroht sind, müssen sich Arbeiter in sozialen und kulturellen Dienstleistungsberufen dagegen kaum Sorgen machen.

Insgesamt hat sich das Substituierbarkeitspotenzial im Untersuchungszeitraum jedoch in nahezu allen Berufen erhöht. Lediglich in medizinischen und nichtmedizinischen Gesundheitsberufen sowie in den informationstechnischen- und naturwissenschaftlichen Dienstleistungsberufen ging es leicht zurück. Grund hierfür ist, dass sich diese Berufsbilder verändert haben.

Müssen Arbeitnehmer sich jetzt Sorgen um ihren Job machen? Nein. Das IAB betont, dass das Substituierbarkeitspotenzial lediglich einschätzt, was technisch möglich ist. DieRealität zeigt, dass diese Möglichkeiten nur zum Teil ausgeschöpft werden. Dies kann unter anderem durch rechtliche Rahmen-bedingungen und technische Grenzen bedingt sein. Außerdem müssen Unternehmen auch ethische Aspekte berücksichtigen.




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Der steigende Einsatz von KI in Unternehmen wirkt sich aber nicht nur negativ auf Arbeitnehmer aus. Der Bericht des IAB zeigt auch, dass neue Berufe entstehen. So müssen Roboter zunächst entwickelt und programmiert, später hingegen regelmäßig gewartet werden. Gegenwärtig geht das IAB davon aus, dass etwa gleich viele neue Jobs geschaffen wie verdrängt werden. Von diesen neuen Beschäftigungschancen profitieren hauptsächlich hochqualifizierte Fachkräfte, welche z.B. Roboter entwickeln, installieren und warten.
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Insgesamt verändert KI die Beschäftigungsstruktur und die Tätigkeitsfelder. Um in Zukunft mit dem digitalen Wandel Schritt zu halten, werden Millionen von Menschen entweder den Beruf wechseln oder neue Fähigkeiten erwerben müssen. Das IAB betont, dass es besonders wichtig sei, Möglichkeiten und Strukturen zur Weiterbildung, Höherqualifizierung und Umschulungen zu schaffen. Neben dem Wissen, wie man mit einem Computer umgeht, sind laut dieser Studie soziale Kompetenzen wie Selbstmanagement, Kooperations-bereitschaft und Empathie besonders wichtig. Diese Eigenschaften sind heute noch nicht durch eine künstliche Intelligenz  zu ersetzen.
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KI in der Personalauswahl

Künstliche Intelligenz wird zunehmend auch im Bewerbungsprozess eingesetzt – um die Auswahl zu erleichtern und die Qualität zu steigern. Angst um ihren Job müssen Recruiter aber vorerst nicht haben.

Von der Erstellung einer Stellenanzeige über die Kommunikation via Chatbot bis hin zum Interview: KI wird im Bewerbungsprozess unterschiedlich eingesetzt. Die Recruiter werden unterstützt, indem Aufgaben vom Algorithmus erledigt werden. Dennoch zeigt eine im März 2019 durchgeführte Umfrage vom Bundesverband der Personalmanager (BPM), dass nur 16 Prozent von den knapp 860 befragten Personalern bereits mit einer KI arbeiten. Wenn, dann überwiegend im Recruiting. Die neue Technologie soll die Arbeit erleichtern, Zeit einsparen und sowohl die Effizienz als auch die Anzahl passender Kandidaten erhöhen. Dennoch bleibt die endgültige Ent-scheidungsmacht nach wie vor beim Personaler, KI wird zur Zeit vor allem als Unterstützung bei der Vorauswahl eingesetzt. In den letzten Jahren ist das Interesse an der Technologie zwar gestiegen, der flächendeckende Einsatz hat sich aber noch nicht durchgesetzt. Die jeweilige Ausprägung des Algorithmus hängt von der Firma und dem genauen Einsatzgebiet ab.
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Die Firma Viasto aus Berlin bietet ihren Kunden beispielsweise einen Interview-Generator an, der beim Videointerview unterstützt. „Die KI schlägt valide Interviewleitfäden für die jeweilige Positionsanforderung vor. Dadurch werden die geforderten Kompetenzen gezielt abgefragt“, so Sara Lindemann, Head of Customer Success bei Viasto. Denn in einem guten Interview müssen alle wichtigen Fragen in der begrenzten Zeit gestellt werden.

Erfolgreiche Kandidaten macht auch die KI „Adaptive Intelligence Crew“ von Oracle ausfindig. Sie selektiere passende Kandidaten anhand von gewissen Attributen für die Recruiter vor, so Joachim Skura. Er ist Strategy Director Human Capital Management bei Oracle. KI sei unter anderem deshalb hilfreich, weil menschliche Handlungen grundsätzlich fehlerbehafteter seien als die von Computern. Denn die Entscheidungen der Recruiter sind letztendlich subjektiv. Trotzdem sei die individuelle Betreuung durch eine reale Person immer noch sehr wichtig – vielleicht sogar wichtiger denn je. „Deswegen werden die Recruiter bleiben“, ist Skura sich sicher.
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Auch die befragten Personaler der BPM-Studie glauben nicht, dass KI das Zwischenmenschliche oder die Entscheidungs-macht in naher Zukunft übernehmen wird. Das momentane Hauptproblem von KI im Bewerbungsprozess ist aber, dass sich viele Bewerber und Recruiter überfordert damit fühlen. Der Begriff ist für die meisten nicht greifbar und dadurch wirkt die Materie komplizierter als sie ist. Diese Angst und Über-forderung muss genommen werden. Sara Lindemann von Viasto ist sich aber sicher, dass die Entscheidungen von einer KI in Zukunft noch mehr akzeptiert werden: „In ein paar Jahren wird man gar nicht mehr merken, dass es ein Algorithmus ist.“
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Auch Bahar Jawadi sieht die Aufklärung als wichtig an. Sie ist Chief Information Officer bei INTEGR8, einer Firma aus Berlin, die sich mit KI und Chatbots beschäftigt. Die richtige Erwartungshaltung sei entscheidend, sagt sie. Den Nutzern müsse von vornherein klar gemacht werden, was KI könne und was nicht. Das gilt auch für die Recruiter. „Ein Algorithmus kann nicht alle Leute unterstützen. Die Erwartungen sind teilweise zu hoch und deswegen sind die Nutzer dann enttäuscht“, erklärt sie. Das größte Problem sieht Jawadi aber im generellen Umgang mit der neuen Technologie. „Ist ein Anwender zu vorsichtig, kann er nicht das gesamte Potenzial nutzen. Ist er zu euphorisch, kann es passieren, dass er es unkonkret oder unpassend einsetzt“, warnt sie. Deswegen seien eine umfassende Analyse und Aufklärung unumgänglich.
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In jedem Fall muss die Angst vor der neuen Technologie genommen werden. Je mehr Erfahrungen mit KI gemacht werden, desto geringer wird sie. Das gilt für beide Seiten. Denn viele Recruiter stehen der neuen Technologie skeptisch gegenüber, weil sie zum ersten Mal auf der Arbeit konkret mit KI in Berührung kommen. Das stellt einen großen Stressfaktor dar und ist für die meisten Unternehmen eine Hemmschwelle. Über 26% gaben in der Studie vom BPM an, dass der Einsatz einer KI in der Personalarbeit innerhalb der nächsten drei Jahre für sie nicht in Frage komme. Vor allem bei groß angelegten Stellenanzeigen kann der Algorithmus aber eine Stütze sein. „KI sollte als Ergänzung gesehen werden und nicht als Ersatz“, rät Jawadi. Durch die Technologie könne ein Recruiter die Bewerber besser individuell betreuen. „Die Mitarbeiter werden nicht ersetzt, sondern die Arbeit wird erleichtert“, lautet ihr Fazit.
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Trotzdem ist Vorsicht geboten. „Riskant wird es dann, wenn bisherige Daten die Basis für die nächsten Entscheidungen sein sollen. Dann steigt zum Beispiel die Gefahr, dass bestimmte Gruppen abgelehnt werden“, erläutert Jawadi. Bei der KI von Amazon ist das zum Beispiel der Fall gewesen. Sie hat Männer bevorzugt, da bei Amazon mehr männliche Angestellte arbeiten als weibliche. Die KI sah das als gewollt an. Außerdem sei es riskant, dem Algorithmus alle Entscheidungen zu überlassen. Das sieht auch der Rechtsexperte Prof. Eric Hilgendorf so:
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Momentan wird die neue Technologie im Bewerbungsprozess nur vereinzelt eingesetzt. Oftmals handelt es sich gar nicht um Künstliche Intelligenz, sondern um reine Automatisierung bzw. Digitalisierung. Dennoch birgt das Berufsfeld des Recruiters viele Einsatzmöglichkeiten für KI. Nicht nur im externen Recruiting, sondern auch im unternehmensinternen. Laut Skura könne der Algorithmus in Zukunft auch Mitarbeiter auf eine passende Rolle im Unternehmen oder in einem Projekt hinsichtlich ihrer Kompetenzen hinweisen, obwohl sie nicht aktiv nach einer neuen Rolle suchen. Man muss also an den richtigen Punkten ansetzen und alle Beteiligten – Bewerber wie Recruiter – umfassend über KI aufklären. Und in einem sind sich Jawadi, Lindemann und Skura sicher: der Recruiter wird in der nächsten Zeit bleiben - vor allem als letzte Entscheidungs-instanz. Er wird nur andere Aufgaben erledigen als bisher.
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Künstliche Intelligenz: Eine Multimediareportage | Über dieses Projekt

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Wie wirkt sich der Einsatz von Künstlicher Intelligenz auf unsere Gesellschaft aus? Was sind Chatbots und wie kommunizieren sie mit uns? Wie gehen wir ethisch und rechtlich mit Robotern um? Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert mit dieser Multimedia-Reportage im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2019 ein Projekt, das Fragen wie diesen nachgeht. Etwa 300 Studierende der Universität Würzburg, der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt und der HMKW Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft Frankfurt nehmen dafür die Künstliche Intelligenz unter die Lupe. Dabei lassen sie Experten zu Wort kommen, beleuchten heutige und zukünftige Einsatzgebiete der Künstlichen Intelligenz und setzen sich damit auseinander, wie Politik und Gesellschaft auf geänderte Bedingungen reagieren können. Neben Experten aus Wissenschaft, Industrie und Politik begleiten die Studierenden für diese Reportage auch Menschen, die sich täglich mit Künstlicher Intelligenz beschäftigen. In Personen- und Unternehmensporträts untersuchen sie, in welchen (Arbeits-)Bereichen Künstliche Intelligenz bereits schon täglich eine Rolle spielt und inwiefern sich Berufsbilder und der Arbeitsalltag dadurch verändern. Diese Multimedia-Reportage ist ein Projekt der Universität Würzburg in Kooperation mit der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt und der HMKW Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft Frankfurt. Das Projekt wird durch das BMBF gefördert. Die Main-Post, der Bayerische Rundfunk, die Vogel Communications Group, die Frankfurter Rundschau, der Hessische Rundfunk und die dfv-Mediengruppe sind Medienpartner des Projekts.  

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Universität Würzburg
Professur für Wirtschaftsjournalismus und Wirtschaftskommunikation 

Prof. Dr. Kim Otto
Sanderring 297070 Würzburg 
Tel.: +49 (0)931 31-88226
E-Mail: kim.otto@uni-wuerzburg.de
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